1. März 2014

2006 Zwickau

Am Anfang ist jeder skeptisch!

ROUTEN_2006_Karte

by David Straubel

Ich kann mich noch gut an unsere erste Tour erinnern…

Wo geht’s hin?

Natürlich nach Zwickau zum Simsontreffen!

Patrick fuhr mit seiner MZ TS 250, Ronny und ich mit der Simson S51, Marcel ist zusammen mit Lars mit einem Renault Rapid als Werkstattwagen hinterher gefahren.

Ob wir mit unseren Mopeds wirklich ankommen würden wussten wir damals noch nicht. Denn schließlich waren wir nie mehr als 30 km von unserer Heimat entfern gewesen und jetzt wollten wir fast 200 km am Stück machen…

Das ganze Unterfangen ging schon gut los. Nach den ersten fünf Kilometern hatte sich der Fall mit der MZ wieder erledigt. Zündung im Eimer, kein Vorankommen mehr. “Was machen wir jetzt?” Wir ließen die MZ in Meisdorf stehen und holten kurzfristig Marcels tot geglaubte S51 aus der Garage, auch die „Ratte“ genannt, weil Marcel einen blanken Tank mit Klarlacküberzug bevorzugte. Eigentlich wollte Marcel sein Moped nicht mitnehmen. “Die macht schon so komische Geräusche“ meinte er immer. Somit musste Patrick weiter im Rapid mitfahren und Marcel ist auf sein Moped umgestiegen. Aber anders war es so schnell nicht möglich, weil der Rapid nur zwei Plätze hatte…

Mit guten zwei Stunden Verzug sind wir dann weiter gefahren. Bis Hettstedt lief dann erst mal alles sehr gut. Hier hielt uns eine Baustelle auf. Naja, Marcel nicht, er hatte sich überlegt, dass wir ja Mopeds haben und das Hindernis gut über den Fußweg umgehen könnten. Das Problem war nur, dass er im Eifer des Gefechts vergessen hatte, dass das keine Option für den Rapid war. Aber dadurch das der Wagen schneller war als wir, hatten Lars und Patrick uns auch rechtzeitig wieder eingeholt.

Über Halle an der Saale, vorbei an Leipzig ist uns nichts weiter passiert. Ja gut, wir haben uns unzählige Male verfahren. So Sachen wie 20 km in die falsche Richtung zu fahren, um dann zu merken, dass der richtige Weg nicht mehr ausgeschildert ist. Bei unserem ersten Roadtrip hatten wir auch noch kein Navi dabei.

Ich möchte an dieser Stelle einwerfen, dass dieser Luxus uns dazu befähigt, mehr von der Umgebung mitzubekommen, da nicht alle 5 Min. die Route von der Karte abgelesen werden muss!

Aufgrund dieser Verzögerungen kamen wir erst recht spät in Zwickau an (so gegen 18:00 Uhr). Obwohl wir schon 09:00 Uhr in Ballenstedt losgefahren waren.

Wir hatten das Glück, dass die Betreiber des Treffens uns im Vorfeld eine Übernachtungsmöglichkeit zugesagt hatten. So konnten wir schon am 07.07.2006 anreisen. Ein paar Leute waren schon da, vielleicht acht bis zehn Personen. Mehr sollten es aber erst mal auch nicht werden. Wir hatten die Zelte aufgebaut und uns Schnaps eingegossen, aus einem selbst gebauten Spender aus Scheibenwischwasserkanister. Ja richtig, Scheibenwischwasserkanister – mit Pumpe und allem Drum und Dran. Das hatten Patrick und Ronny im Vorfeld schön in eine Holzkiste gepfercht und mit Kippschaltern versehen. Beim Treffen konnten wir das Teil einfach an die Autobatterie anklemmen. Et voilà, es gab gezapften Schnaps und so zogen wir wieder einige Blicke auf uns.

Auch wenn wir es mit dem Schnaps am Abend nicht übertrieben haben, hatten wir doch das Bedürfnis auszuschlafen, auch wegen dem anstrengenden Tag, der hinter uns lag. Unsere Nachtruhe wurde dann gegen 07:00 Uhr von lauten Knattergeräuschen und dem blechernen Dröhnen von mit RZT Endrohren bestückten Mopeds beendet…

Das war das Erste, sogleich aber auch das letzte Mal das mich dieses Geräusch nicht erfreut hat! Naja, das Leben ist halt kein Ponyhof.

Es dauerte auch nicht lange, dass sich der Platz mit den wildesten Simson-Umbauten füllte. Laut Simson-umbau.de wurden an diesem Tag fast 700 Mopeds registriert. Es war super. So viele Gleichgesinnte, die große Ausfahrt und das Rennen. Man kommt schon echt ins Staunen, wenn man diese Vielfalt an Simsons sieht! Hier kann man super Anregungen für das eigene Moped sammeln.

Nach einem wettertechnisch durchwachsenen, aber im Großen und Ganzen, interessanten Tag machten wir uns gegen 16:00 Uhr wieder auf den Heimweg.

Mittlerweile schien die Sonne durchgängig und der Mut war groß, dass wir trockenen Fußes nach Hause kommen!

Aber da hatten wir uns getäuscht! Ein paar Kilometer vor Borna wurde es mitten am Tag schwarz wie die Nacht! Eine riesige Gewitterwolke holte uns bald ein. Links und rechts am Straßenrand gab es keine Unterstellmöglichkeiten! Wir mussten uns also ein wenig beeilen, damit wir evtl. noch vor dem Regen in Borna ankommen. Auch das haben wir leider nicht geschafft. Mopedfahrer werden das kennen, so ein Gewitter kommt meist mit 2-3 kurzen dicken Tropfen, wobei man sich denkt: „Naja, vielleicht streift es uns ja nur…“, aber dann ist man auch innerhalb von 2 Min. bis auf die Unterwäsche nass!

Und genau so kamen wir auch in Borna an einer Tankstelle an. Eine kurze Zwangspause unter dem Tankstellendach und 5 Min. später war der Spuk auch wieder vorbei. Jetzt noch schnell nen Kaffee, die Klamotten mit den kostenlosen Tankstellen-Papiertüchern trocken reiben und weiter geht es. Dank des eigentlich warmen Wetters waren die Sachen dann auch schnell wieder trocken.

Die nächsten 60 km sollten ruhig verlaufen. Ich muss zugeben, dass ich nach dem ganzen Tag in Zwickau und der Reise selber auch mal langsam ankommen wollte und ein bisschen gedrängelt habe. Aber Lars, der zeitweise mit Marcels Moped gefahren war meinte, dass wir mal eine Pause machen sollten. Das Moped machte sehr komische Geräusche und er hatte Angst, dass der Motor einfach “platzt”. Gesagt, getan! Rechts ran, eine Zigarette und die Motoren abkühlen lassen. Nach zwanzig bis dreißig Minuten wollten wir dann weiter, das Problem war nur, dass Marcels Moped nicht weiter wollte! Wir haben getreten, geschoben, alles haben wir versucht, aber Nichts hat geholfen…

Gut, dass wir den Rapid mit hatten. So konnten wir das Moped einladen und einfach weiterfahren. Das Problem was wir jetzt hatten war, dass der Renault nur zwei Plätze hatte. Somit musste Lars im Auto auf dem Moped Platz nehmen, welches nur eine aufrechte Position erhielt, weil es durch unserer Klamotten gestützt war. Aber wir waren ja nicht schnell unterwegs…

Mit zwei fahrtauglichen Mopeds, einem Rapid und fünf Leuten kamen wir glücklich, aber auch geschafft gegen 22:00 Uhr wieder in Ballenstedt an.

Was das Problem bei Marcel Motor war konnten wir bis heute nicht lösen. Erst ein kompletter Austausch hat den gewünschten Erfolg gebracht!