1. März 2014

2008 Italien

Einmal Italien und zurück!

ROUTEN_2008_Karte

by Ronny Rettig

1x MZ TS, 1x Plastikroller der Firma Hyson, 2x S51 – Das war die Startaufstellung, als es im Sommer 2008 hieß, die TTfF gehen wieder auf Tour. Dies sollte bis dahin mit ca. 2200 geplanten Kilometern unsere längste Tour mit dem fernen Ziel Bibione (Italien) werden. Vor dem Start am 19.07.2008 gab es wieder mal allerhand zu planen. Wir teilten uns Tagesetappen ein und studierten das Kartenmaterial auf der Suche nach der besten Route. Voller Stolz probierten wir die neu bestellten Regenkombis an. Dabei wurde gleich festgestellt, dass man für 12€ nicht die allerbeste Qualität erwarten darf.

Natürlich lernten wir aus den vergangenen Jahren und hatte uns fest vorgenommen, vor dem eigentlichen Start eine kleine Probetour zu machen, um die immer wieder auftretenden „Kinderkrankheiten“ auf den ersten ein, zwei Tagen der Tour zu minimieren. Gesagt – Getan. Am Vorabend des Starttermins schwangen wir Marcel, Patrick und Ich (Ronny) uns auf unsere Mopeds. Ja richtig, zu diesem Zeitpunkt waren wir noch zu dritt, da David schon in Bielefeld wohnte. Wir wollten uns mit ihm in Göttingen treffen, da es für beide Parteien die gleiche Fahrtzeit war. Dadurch musste David jedoch die ersten 150km allein zurücklegen.

Italien_2008_0001Wir drei starteten also unsere kleine Proberunde, die jedoch nach sage und schreibe 1,5km abrupt abgebrochen werden musste. Das Problem war in diesem Fall nicht etwa das gute alte Ost-Moped. Nein, es war der aus China stammende Plasteroller, der Probleme machte. Marcel: „Ich weiß nicht was los ist, der hat irgendwie einfach keine Kraft mehr“. Wir schauten uns den Sachverhalt an und mussten uns schnell eingestehen, dass wir von „chinesischen Jogurtbechern“ echt nicht viel Ahnung hatten. Unsere Idee: Der Auspuff musste sich im Laufe der Zeit zugesetzt haben. Leider ging der Endtop nicht abzuschrauben, sodass Marcel kurzer Hand die Flex zückte und einen Teil des Endtop’s abschnitt.

Nachdem wir feststellten, dass der Auspuff nicht die Ursache für den Kraftverlust des Rollers war und auch Panzertape den zweiteiligen Auspuff nicht mehr zusammen hielt, wurde uns bewusst, dass wir den Roller irgendwie ersetzen müssen.

Zum Glück gab es Alex (der sich später den TfF anschloss), der noch eine, nach seinen Aussagen „gut in Schuss“ gehaltene S51 in seiner Garage stehen hatte.

Nach kurzer Begutachtung des Mopeds wurde uns klar, um den Starttermin in 10 Stunden einhalten zu können, müssen wir eine kleine Nachtschicht einlegen, denn die S51 war alles andere als „in Schuss“.

Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf (3 Stunden) war es dann endlich so weit. Eine MZ TS und zwei Simson S51 verabschiedeten sich von ihrer Heimat und zogen hinaus, um die große, weite Welt zu erkunden – mit Göttingen als erstes Ziel, um den Vierten Mann der „The Three funny Four“ zu treffen.

Der Abschnitt bis nach Göttingen gestaltete sich ohne große Probleme und mit der herrlichen Harzer Landschaft zu beiden Seiten.

Die Freude war groß, als wir David am abgemachten Treffpunkt treffen. Endlich waren TfF in ihrer Besetzung komplett. Kurz erläuterten wir ihm die Strapazen der letzten Nacht. Nach kurzem Blick an den Himmel entschlossen wir uns, die neuen Regenkombis anzuziehen. Diese erwiesen sich in den nächsten paar Stunden als äußert nützlich, da auf dem Weg nach Bad Neustadt zahlreiche Regelschauer auf uns warteten. Einer war so stark, dass wir kurzzeitig Unterschlupf suchen mussten, da die komplette Straße überschwemmt war.

In Bad Neustadt angekommen und damit das Etappenziel für Italien_2008_0006den Tag geschafft, machten wir uns im Stadtzentrum auf die Suche nach was zu essen und wärmten uns ein wenig auf. Da uns die Neustädter Innenstadt als ein eher ungeeigneter Platz für unser Zelt erschien, suchten wir uns am Stadtrand ein allein stehendes Bauerngut mit einer großen Pferdekoppel, auf welcher wir unser Zelt aufschlugen. Dieses wurde im Dunkeln aufgebaut und sollte auch noch im Dunkeln wieder abgebaut sein, da wir nicht wussten, wie ein bayrischer Bauer reagiert, wenn er am Morgen ein fremdes Zelt und vier Mopeds auf seiner Koppel findet. Froh, aus den nassen Klamotten rauszukommen, legten wir uns in die Schlafsäcke und freuten uns auf ein paar Stunden Schlaf. Trotz das es ein 5-Mann-Zelt war und wir ja nur zu viert waren, hatten wir alle sehr wenig Platz, sodass es insgesamt eine eher unruhige Nacht war, in der jeder nicht soviel Schlaf bekommen hatte, wie er gebraucht hätte.

Italien_2008_0007Entgegen des Plans, noch im Dunkeln schon wieder „on the Road“ zu sein, bauten wir unser Zelt erst im hellen wieder ab. Zum Glück war auch trotz der Verspätung kein wild meckernder Bauer in Sicht, sodass wir schnell unsere Sachen packten und dann ging es wieder auf die Straße. Frühstück und fließend Wasser für ein wenig Körperhygiene fanden wir, wie schon so oft, bei Mc Donalds. „Gut“ gestärkt und noch mit dem frischem Geschmack der Zahnpasta im Mund sprangen wir uns wieder auf unsere Mopeds. Das Ziel für heute – wir müssen um jeden Preis die Alpen erreichen, um im Zeitplan zu bleiben. Also fuhren wir erst mal Richtung Süden.

Während einer Pause fiel Marcel ein, dass er im kleinen Dörfchen Mittersill, welches sich mitten in den Alpen befindet, eine Pension kennt, da er früher oft mit seinen Eltern dort gewesen war. Sofort war allen anzusehen, dass sie sehr viel dafür geben würden, die Nacht in einem warmen Bett zu verbringen und die immer noch feuchten Klamotten zu trocknen. 10min. und zwei Anrufe später hatten wir zwei Zweibettzimmer in der besagten Pension reserviert. Nun hatten wir ein definiertes Ziel für diesen Tag. Schnell wurde der Ort ins Navi eingetippt, Autobahn vermeiden bestätigt und die Routenoption auf kürzeste Route gestellt. Es waren noch ca. 400km bis zur Pension, und die nahmen wir nun im Angriff.

Um schneller voran zu kommen, verkürzten wir die Pausen. Alle 80km eine kleine Raucher- und Pinkel-Pause, dann ging es wieder auf den Bock.

Alles klappte reibungslos, bis unser Navi auf einmal meinte, uns auf die Autobahn zu schicken. Ein Umweg würde wieder etliche, zusätzliche Kilometer bedeuten. Und so entschlossen wir nach kurzer Abstimmung, den Weg über die Autobahn einzuschlagen.

Natürlich war uns bewusst, dass wir mit unseren kleinen Mopetis nicht auf die Autobahn dürfen. Und ja, wir wussten auch, wir würden für die Anderen bestimmt ein Hindernis sein. Aber, dass es so schlimm werden sollte, hätten wir alle nicht gedacht. Erstens war es unheimlich windig. Dann wurden wir ständig von wild hupenden LKW’s überholt. Beim vorbei fahren fuchtelten viele Fahrer mit ihren Händen unkontrolliert durch die Luft und machten uns klar, dass wir auf ihrer Straße definitiv nicht erwünscht sind. Und wenn die Autos auf der linken Spur nur zwei Meter neben dir mit über 200 Sachen vorbeihämmern, ist das auch kein schönes Gefühl.

Nach geschlagenen 25km kam eine Abfahrt zu einem Autobahnrasthof, welche wir alle ohne weitere Absprachen einschlugen. Wir stellten uns auf den Parkplatz Nähe des Restaurants. Sofort gab es viele ungläubige Blicke und wir wurden gefragt, wie wir denn hier her kämen und ob unsere kleinen Gefährte überhaupt auf die Autobahn dürften. Wir antworteten wahrheitsgemäß und ernteten dafür sowohl Lob als auch Kritik.

Zum Glück kam die nächste Autobahnabfahrt nach nicht einmal 5 km. Von dort an sollte es nur noch auf der Landstraße weiter gehen. Wir fuhren bewusst einen Bogen um große Städte wie Ingolstadt und München, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Und so wurden die Kilometer auf unserem Navi auch immer weniger. Groß war die Freude, als wir die ersten großen Berge der Alpen sehen konnten. Das war schon ein mächtiges Gefühl, mit seinem kleinen Moped inmitten einer solchen Landschaft, wie das Moped seinen Fahrer mit aller Kraft die nicht enden wollenden Serpentinen hinauf zog und wie man auf besonders steilen Anstiegen von Fahrradfahrern überholt wurde, die mit Sicherheit für die Tour de France trainiert haben.

Italien_2008_0012Leider meinte es der Wettergott auch diesmal nicht gut mit uns. Es hatte wieder angefangen, stärker zu regnen und wir fuhren gradewegs hinein in die Dunkelheit der Nacht. Die Sicht war miserabel. Auf engen Passstraßen mit schier endloser Anzahl an Kurven ging es mal hinauf – mal Berg ab. Und das Navi sage: „noch 100km bis zum Ziel“. Die Zeit schien nicht vergehen zu wollen. Die Müdigkeit plagte uns und der Regen peitschte uns gegen die Visiere. Alles in allem war dies wohl eine der schrecklichsten Fahrten, die ich mit meinem Moped je erlebt habe. Gott sei Dank konnten wir uns auf unsere Mopeds verlassen und kamen kurz vor Mitternacht ohne weitere Ausfälle in Mittersill an.

Heidi (Die Wirtin der Pension) begrüßte uns aufs Herzlichste. Sie zog uns nahezu die nassen Sachen vom Leib, hing sie zum trocknen auf, machte uns ein hervorragendes Essen und gab uns Bier so viel wir trinken konnten. Wir saßen mit ihr bis weit nach Mitternacht zusammen. Doch dann holte uns die Müdigkeit wieder ein und wir fielen in unsere warmen Betten.

Das Frühstück bei Heidi war der Wahnsinn. Sie hatte frische Brötchen und einen riesigen Leib Leberkäse gekauft. Das Essen und ihr Spezialkaffee waren einfach super und stärkte uns für den gesamten Tag. Auch unsere Motorradsachen waren wieder trocken. Gern wären wir noch einen ganzen Tag bei Heidi geblieben, aber das war in unserem Zeitplan einfach nicht drin. Und so zogen wir die Motorradkluft wieder an. In Erinnerung an die Bekanntschaft mit dem Alpenbergwetter letzte Nacht, gingen wir auf Nummer sicher und zogen auch die Regenkombis gleich wieder mit über. Durch das ständige an- und ausziehen hatten diese aber auch schon einige aufgetrennte Nähte, welche wir versuchten, mit Panzertape notdürftig wieder zu flicken.

Wir verabschiedeten uns von Heidi und bedankten uns für ihre Gastfreundschaft, und ich glaube jeder hat insgeheim mit dem Gedanken gespielt, auf dem Rückweg noch einmal für eine Nacht bei ihr einzukehren.

Italien_2008_0033Von Mittersill aus mussten wir einen sehr steilen Alpenpass hinauf klettern, an dessen Ende sich der Tauern-Tunnel befand. Dieser ist ein 6,5km langer, mautpflichtiger Tunnel, der uns einen langen Umweg ersparte. Die Mautstation befand sich am Ende des Tunnels. Die Beamten gucken zwar ein wenig komisch, als vier Mopeds aus dem Tunnel auf sie zu kamen, machten aber keine Anstalten und ließen uns nach Zahlung der Maut problemlos passieren.

Der Tauerntunnel und somit auch ein Großteil der Alpen lag nun hinter uns und wir nahmen direkten Kurs auf das Mittelmeer. Aufgrund der vollen Beladung mussten wir mit unseren Mopetis ca. alle 130 -150km tanken. Auch nach dem Tunnel war es wieder soweit. Wir wollten die nächste Tankstelle ansteuern, die uns in Sicherweite kommt. Wie freuten wir uns, als wir an einer Preistafel einer OMV-Tankstelle das Schild 1:50-Gemisch sahen. Natürlich entschieden wir uns, dass fertige Gemisch zu tanken und ein äußert freundlicher Tankwart war sofort zur Stelle, um uns zu helfen. Wir erzählen noch ein Weilchen mit ihm und waren echt begeistert davon, dass es in Österreich auch Gemisch-Tankstellen gibt.

Italien_2008_0039Die nächste große Pause machten wir an einer Brücke, welche über einen breiten Fluss ging, dessen Name uns bis heute nicht bekannt ist. Zu allen Seiten konnte man den Blick über die letzten Ausläufer der Alpenberge schweifen lassen. Es war eine herrliche Kulisse. Wir machten ein paar Fotos, programmierten das Endziel erneut ins Navi ein und vertraten uns ein wenig die Beine. Wir wollten schon wieder durchstarten, als David wild gestikulierte und uns zum Anhalten bewegte. „Ich muss hier irgendwo meinen Zigarettenanzünder verloren haben!“. Also parkten wir die Mopeds erneut und suchten gemeinsam den vermissten Anzünder. Doch auch nach 20min. blieb unsere Suche erfolglos. David musste also für die restliche Tour ohne Anzünder auskommen. Doch im Zeitalter von Streichhölzern und Feuerzeug sollte dies einigermaßen zu verschmerzen gewesen sein.

Die weitere Fahr gestaltete sich vorerst ohne größere Probleme. Na klar muss in jeder Pause kurz der Schraubenschlüssel gezückt werden, um ein, zwei Schrauben nach zu ziehen oder Feineinstellungen am Vergaser vorzunehmen – doch die großen Probleme traten erst unmittelbar vor dem Ziel auf. Es war mittlerweile schon dunkel geworden, doch der Strand, an dem wir die Nacht verbringen wollten, war nur noch 5km entfernt. Auf einmal hielt Marcel an und schaute auf sein Hinterrad. „Scheiße, ich hab nen Platten!“. Wir schoben die Mopeds in einen kleinen Feldweg hinein und begannen Marcels Moped abzupacken. An den Weg grenzte genau ein einsames Wohnhaus. Der Hund, der sich dort im Garten befand, fühlte sich wohl durch uns gestört und bellte, was seine Kehle hergab. Leider waren auch die Sichtverhältnisse sehr schlecht, da wir nur eine Taschenlampe dabei hatten. Wir schauten uns das Hinterrad genauer an. Die Bremse war innerhalb des Rades frei beweglich und sämtliche Speichen waren locken. Zwei Speichen fehlten sogar komplett. Wir bauten das Rad aus und mussten feststellen, dass sich eine Speiche durch den Schlauch gebohrt hatte. Mhhh, was nun. Erst mal das Flickzeug raus und das Loch provisorisch verschließen. Während der Kleber trocknete, suchte ich mit Patrick nach einem Platz, wo man evtl. das Zelt aufschlagen könnte. Also fuhren wir den Feldweg weiter hinein – rechts und links von uns Maisfelder. Patrick, der etwas weiter vor fuhr, hielt auf einmal an und ich glaubte, er hätte ein Platz für das Zelt gefunden. Ich fuhr neben ihn, sah mich um, doch er zeigte nur auf den Boden vor uns. Was erst aussah wie ein großer Stock, entpuppte sich bei genauerem hinsehen als eine, zum Glück schon tote, 1,20m lange, 4cm dicke Schlage. Damit hatte sich das mit dem zelten zwischen den Maisfelder erledigt.

Wir fuhren zurück zu den anderen und berichteten von unserem Fund. Wir waren uns alle einig, dass wir hier nicht länger als nötig verweilen wollen. Nachdem der Kleber getrocknet zu sein schien, suchten wir die eingepackte Luftpumpe. Diese war jedoch nicht auffindbar und nach kurzer Fragestellung in die Runde sagte Patrick: „Sorry Jungs, die hab ich zu Hause wieder ausgepackt, weil sie mir zu viel Platz in meiner Tasche wegnahm.“ Das war niederschmetternd. Wir standen mitten in der Pampa, dass monotone Gekläffe des Köters von nebenan, der mittlerweile schon heiser vom vielen Gejaule war, umringt von Maisfeldern, die nahezu „monströse“ Schlangen beheimateten und einem Hinterrad, welches neu eingespeicht werden musste, einen neuen Schlauch und vor allem Luft benötigt. Dazu kam, dass wir schon wieder 15 Stunden auf Tour waren, der Arsch vom langen sitzen brannte, und die letzte Mahlzeit auch schon wieder endlos lange her erschien.

Wir machten das besten aus der Situation. Das intakte Vorderrad wurde als Hinterrad verbaut, dass defekte kam vorn hinein. Das Gepäck wurde auf die anderen Mopeds verteilt, wobei Patrick mit seiner MZ das meiste übernehmen konnte. Der Strand war nicht mehr weit entfernt, und die 5km konnte Marcel auch mit einem platten Vorderreifen fahren. Wir verabschiedeten uns freundlichst von dem jaulenden Hund und hofften, auf dem Weg Richtung Strand an einer Tankstelle vorbei zu kommen. Dieser Wunsch wurde uns auch erfüllt, doch leider machen die Tankstellen in Italien über Nacht zu und räumen auch die Druckluftbehälter weg. Also ging es mit plattem Reifen weiter bis zum Strand. Vor Beginn der Tour hatten wir uns vorgenommen, eine Nacht am Strand zu schlafen, unter sternklarem Himmel, einer leichten warmen Briese im Gesicht und etwas Musik in den Ohren.Italien_2008_0041Naja, die Realität sah dann doch etwas anders aus. Es war bitterkalt, unsere Klamotten waren wie fast immer klitschnass, es regnete und stürmte. Da wir aber keine andere Wahl hatten, stellten wir die Mopeds zusammen und vier Standliegen drum herum, auf die wir uns legten. In voller Montur mit Regelkombi, Handschuhen und Helm als Schutz vor dem Regen versuchten wir, ein wenig Schlaf zu finden

Wie man sich vielleicht vorstellen kann, war die Nacht nicht wirklich erholsam. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, da räumten wir auch schon wieder unser Nachtlager, da Nächtigen am Strand in Italien nicht gern gesehen ist und wir nicht erwischt werden wollten.

Italien_2008_0042Wir parkten die Mopeds an der Strandpromenade, setzen uns auf den Boden und planten den vor uns liegenden Tag. Es dauerte keine 5 Minuten, da war David auch schon wieder eingeschlafen. Ich beobachtete noch kurz, wie die ersten Frühaufsteher ihre Häuser verließen, um Brötchen zu hohlen oder den Sonnenaufgang zu beobachten, dann fielen mir auch die Augen zu.

Patrick muss wohl besser geschlafen haben als wir, denn statt seinem Körper noch ein wenig Ruhe zu gönnen, machte er Bekanntschaft mit einem deutschen Urlauber, der schon viele Jahre immer wieder nach Bibione kommt. Das war unser großer Vorteil, denn dadurch wussten wir bescheid, in welcher Richtung sich die nächste Tankstelle befindet, wo man besonders gut frühstücken kann und welcher der beste Campingplatz der Gegend ist.

Nach dem alle wieder wach waren, erzählte Patrick uns von seiner Bekanntschaft und voller Vorfreude machten wir uns auf, die empfohlene Frühstücksadresse aufzusuchen. Auf dem Weg dort hin hielten wir an einer Tankstelle und füllten den provisorisch geflickten Vorderreifen, der eigentlich mal ein Hinterreifen war, wieder mit Luft. Uns war klar, dass dies keine Dauerlösung war, aber bis zum Frühstück und dann zum Campingplatz musste es einfach ausreichen.

Italien_2008_0049Das Frühstück war wirklich lecker. Während dessen machten wir eine Auflistung an Reparaturen, die die heute gemacht werden mussten. Das wohl größte Problem war der platte Reifen mit nicht mehr vollständigen und lockeren Speichen. Wir müssten also eine Werkstatt finden, die sowohl unsere Felge neu einspeichen kann als auch die fehlenden Speichen ersetzt. Und das einem Italiener erklären, ohne selbst ein Wort italienisch sprechen zu können.

Außerdem gab es ein weiteres Problem, dass gelöst werden musste. David hat an seiner S51 am Vorderrad eine Scheibenbremse montiert. Diese ist wirklich gut, doch muss er in den Alpen soviel gebremst haben, dass sich seine Bremsbeläge nahezu in Luft aufgelöst haben. Das führte dann dazu, dass er die letzten 150 km nur noch mit der Hinterradbremse bremsen konnte. Diesen Risikofaktor wollten wir auf jeden Fall beseitigen.

Und dann gab es natürlich noch zahlreiche Kleinigkeiten, die zu reparieren waren. Sachen, die halt anfallen, wenn man in 3 Tagen knapp 1500km mit einem Moped gefahren ist.

Zum Campingplatz fanden wir uns ohne Probleme. Beim Zeltaufbau erwies es sich als deutliche Erleichterung, es bei Tageslicht und ohne Taschenlampe im Mund auf zu bauen. Das Basis-Camp war also schnell errichtet.

Nun teilten wir die Aufgaben. Patrick und ich kümmerten uns um neue Bremsbeläge für Davids Moped. Dazu fragten wir uns in der Stadt nach einer Motorradwerkstatt oder ähnlichem durch. Ziemlich schnell wurden wir dann auch fündig. Dort angekommen wurden wir in freundlichstem Italienisch begrüßt. Nach einem kurzem „Ciao” unserer seits erklärten wir dem Mann unser Problem, indem wir einfach auf die abgenutzten Beläge zeigten und “new” sagten. Ohne große Probleme verstand er, was wir von ihm wollten. Doch leider hatte er solche Beläge nicht da. Aber er gab uns eine Adresse, die, nach seiner Ansicht, erfolgversprechend sein sollte. Wir bedankten und verabschiedeten uns von ihm, schwangen uns auf die Mopeds und gingen wieder auf die Suche. Es ist schon faszinierend, welche magische Anziehungskraft die kleinen Ost-Mopetis auf die Passanten hatte. Fast jeder drehte sich nach uns um, zeigte mit dem Finge auf uns oder reif uns irgendwas zu. Ein echt unbeschreibliches Gefühl.

Die Adresse führte uns zu einer Art Rollerwerkstatt. Auch hier war die Begrüßung sehr freundlich und es wurde gleich großes Interesse an unseren Fahrzeugen gezeigt. Auch hier schilderten wir ohne viele Worte unser Problem. Der Mann überlegte kurz, ließ uns kurzzeitig allein stehen, und kam dann mit ein paar neuen Bremsklötzern in der Hand wieder zu uns. Man haben wir uns da gefreut, und er freute sich mit uns. Er wollte sich noch länger mit uns unterhalten, leider war unser Italienisch und sein Englisch nicht dafür geeignet, längere Reiseberichte oder Erfahrungen auszutauschen.

Also bezahlten wir die Beläge und er wünschte uns, soweit wir es verstanden, alles Gute auf der weiteren Reise.

Stolz, die benötigten Teile gefunden zu haben, suchten wir uns langsam den Weg zurück zum Campingplatz.

Italien_2008_0051Auch David und Marcel waren schon wieder am Basis-Camp. Wir berichteten kurz, wie wir die Bremsbeläge gefunden haben und David war die Freude über eine schon bald wieder funktionierende Vorderradbremse förmlich ins Gesicht geschrieben.

Aber nicht nur wir waren erfolgreich. Marcel und David, die zu zweit mit der MZ unterweg waren, konnten das Rad in einer kleinen Werkstatt am Rand der Stadt abgeben. Der Mann dort sagte, er könne nichts versprechen, aber er probiert sein bestes, das Rad bis zum frühen Abend wieder fahrbereit zu machen.

Froh über die Nachricht machten wir uns nun daran, die kleinen Mängel an den Mopeds so weit möglich zu beseitigen.

Als auch das erledigt war, konnten wir zum angenehmeren Teil übergehen. Schnell hüpften wir in unsere Badeshorts, schnallten ein Handtuch unter den Arm, nahmen uns zwei Bierchen mit und machten uns auf zum Strand. Der Blick aufs Meer war fantastisch. Ich glaube jedem von uns ging in diesem Moment das gleiche durch den Kopf. „Wir haben es wirklich bis zum Mittelmeer geschafft.“.

Schnell rannten wir in Richtung Wasser, warfen Handtuch und Bier beiseite und ab gings ins kühle Nass. War das herrlich.

Wie auch schon auf unserer Ostsee-Tour wollten wir auch diesmal die totale Freiheit spüren. Und das geht ganz klar nur ohne Badehose. Da standen wir nun, im Mittelmeer, bis zum Hals im Wasser, und einer nach dem anderen zog seine Badehose aus und warf sie hinter sich in die Wellen. Genau so kann sich Freiheit anfühlen. Dumm nur, wenn man seine Badehose nicht mehr wiederfindet. Genau das ist David passiert. „Leute, hat einer von euch meine Badehose gesehen“. Wir drei sahen uns an und konnten einfach nicht anders, als lauthals los zu lachen. Klar halfen wir David dann beim suchen, aber eigentlich war klar, dass wir die Badehose nicht mehr finden würden. Und so langsam wollten wir dann auch wieder raus aus dem Wasser. Dumm nur, wenn man nackt im Meer steht und sich noch zahlreiche Leute am Strand aufhalten.

Nach 10 quälenden Minuten allein im Wasser haben wir uns dann erbarmt und ihm in Handtuch ins Wasser gebracht.

Der Nachmittag verging relativ schnell und so wurde es langsam Zeit, nochmal nach unserem Rad zu sehen. Also machten David und Marcel sich noch mal los, während Patrick und ich das Essen vorbereiteten.

30 Minuten später hörte man es wieder über den Zeltplatz knattern. Die beiden kamen freudestrahlend auf uns zu und hielten triumphierend das Rad in die Höhe. Es war neu eingespeicht, zentriert und mit neuem Schlauch bestückt. Da fiel uns der vorerst letzte Stein vom Herzen.

Gut gelaunt und mit vollem Bauch machten wir uns auf, das italienische Nachtleben zu erkunden und noch ein zwei drei Bierchen zu trinken. Klar wollten wir am nächsten Tag schon wieder die Rückreise antreten, aber nicht ohne vorher richtig auszuschlafen.

„Ihr Jungs seit ja echt hammerhart“. Mit diesen Worten im Ohr erwachte ich und konnte noch garnicht richtig zuordnen, von wo diese fremde Stimmte herkam. Ich streckte meinen Kopf aus dem Zelt und sah einen fremden Mann, der sich anscheinend sehr für unsere Ost-Mopetis interessierte. „Ihr seit nicht wirklich mit den kleinen Mopeds von Quedlinburg bis hierher gefahren, oder?“. Immer noch etwas schlaftrunken antwortete ich: „Doch doch, und heute soll es wieder Richtung Heimat gehen!“. „Hammerhart, ihr seit echt hammerhart!“. So oder so ähnlich ging es noch eine ganze Weile, wobei mindestens in jedem zweitem Satz von ihm die Wörter Hammer und hart vorkamen.

Es stellte sich heraus, das der gute Mann selbst früher in der DDR gelebt hat und auch stolzer Besitzer einer Simson ist. Es war sehr amüsant, mit ihm ein, zwei Geschichten und Erfahrungen auszutauschen.

Dann machten wir uns daran, dass Basiscamp wieder ab zu bauen und auf unsere Zweiräder zu verstauen. Es viel uns schon ganz schön schwer, dass gerade erreichte Endziel unserer Tour schon wieder verlassen zu müssen. Doch leider ist bei unseren Touren meist nicht mehr als ein Tag Urlaub möglich, denn wie heißt es doch so schön: „Der Weg ist das Ziel.“. Und so änderte sich unsere Fahrtrichtung um 180 Grad und es ging wieder Richtung Norden.

Das neu eingebaute Rad machte keinerlei Probleme und auch Davids Vorderradbremse leiste wieder ihren Dienst. Das Wetter war so schön, dass wir nur in Badehose und T-Shirt bekleidet fahren konnten. So schafften wir einiges an Kilometern und konnten schon bald wieder die Berge der Alpen am Horizont sehen.

Italien_2008_0059Noch in Italien gönnten wir uns in einem Restaurant ein großartiges Essen. Die Karte war nur auf italienisch, daher wussten wir nicht recht, was wir da eigentlich bestellten. Als das Essen dann kam, schauten wir nicht schlecht, denn es wurden immer mehr prall gefüllte Teller auf unserem Tisch. Das war genau das richtige für uns, denn allen knurrte der Magen.

Wir nutzen gleich die Gelegenheit, die Badeshorts wieder gegen die eigentliche Motorradkluft zu tauschen, denn bekannter Maßen ist es in den Bergen etwas kühler als am Meer.

Und weiter ging es, immer den Alpen entgegen. Wir hatten uns entschieden, noch einmal bei Heidi einzukehren. Daher kannten wir den Weg, der jetzt noch vor uns lag. Wir machten noch mal einen kurzen Stopp an der Brücke, wo David seinen Zigarettenanzünder verloren hatte. Doch auch diesmal fanden wir ihn nicht wieder.

Wir führen noch nicht lange wieder, als mein Moped auf einmal anfing, unruhig zu fahren, dann rum zu stottern und plötzlich aus ging. Ein kurzer Blick auf den Kilometerstand verriet mir, dass mein Sprit für weiter 80km reichen müsste. Doch ein Blick in meinen Tank belehrte mich eines Besseren. Ich musste auf Reserve weiter fahren. Groß war das Gelächter der anderen, die meinten, die Begründung für den übermäßigen Benzinverbrauch liege klar auf der Hand: Ich habe die letzten zwei Tagen einfach viel zu viel gegessen.

Italien_2008_0067Zum Glück war die Tankstelle, an der wir schon auf der Hin-Tour Gemischbenzin tanken konnten, nicht mehr weit entfernt. Wir fuhren also zur besagten Tankstelle und der Tankwirt, der sich natürlich noch an uns erinnerte, begrüßte uns mit Freuden. Sogleich rollten wir zur Gemisch-Zapfanlage und füllten die Tanks bis unter den Deckel. Das letzte Moped war gerade voll getankt, als einer von uns sagte: „Habt ihr euch eigentlich mal die Preistafel angeguckt?“. Alle schauten erstaunt nach oben. Einen Moment lang war es still, dann sahen wir uns an und wussten auf einmal, warum der Tankwirt uns so freudestrahlend empfing. „Da kommen wieder die blöden Deutschen, die zu faul sind, ihr Gemisch selbst zu mixen und statt dessen lieber den Doppelten Benzinpreis zahlen“.

Ja, es war wirklich so, der Liter Gemisch kostete fast doppelt so viel wie das Normalbenzin. Wir müssen so in Euphorie gewesen sein, dass keiner von uns daran dachte, auf den Preis zu achten. Bei dem Preis hätten wir doch nie das Gemisch getankt, zumal wir noch Mischöl im Gepäck hatten.

Aber naja, aus solchen kleinen Fehlern kann man nur lernen.

Mittlerweile wurde es immer kälter und der Himmel verdunkelte sich stetig. Ein neues Unwetter schien herauf zu ziehen. Wir befanden uns nun schon wieder mitten in den Alpen.

Während einer kleinen Pause zogen wir unsere Regenkombis wieder an. Diese hatten nun schon einiges mitgemacht und waren von der Tour deutlich gezeichnet.

Weiter ging es steile Passstraßen hinauf und in Serpentinen wieder runter ins Tal, dann wieder hinauf. Plötzlich fing mein Moped wieder an zu stottern und ich war gezwungen, erneut viel früher als geplant auf Reserve umzuschalten. Das konnte nicht mit rechten Dingen zu gehen.

Italien_2008_0028Wir legten eine Zwangspause ein und kontrollierten meinen Vergaser. Schnell erklärte sich der übermäßige Spritverbrauch. Mein Schwimmer war kaputt. Dadurch schließt die Einlaufdrüse nicht mehr und überschüssiges Benzin läuft einfach aus dem Überlauf. Zum Glück hatten wir einen Ersatzschwimmer mit, womit wir das Problem schnell beheben konnten.

Nach einem weiten Tankstopp wurde es mittlerweile schon dunkel. Wir waren nicht mehr weit entfernt vom Tauerntunnel. Und wenn wir den bezwungen haben, ist es bis zu Heidi nur noch ein Katzensprung.

Doch das Wetter spielte uns übel mit. Es wurde immer noch kälter und ein unnachgiebiger Wind zog an uns. Wir trauten unseren Augen kaum, als auf einmal weiße Flocken vom Himmel fielen. „In Badehose bei 30 Grad gestartet und 12 Stunden später steht man mitten in einem kleinen Schneesturm – einfach hammerhart!“.

Zum Glück kam die Mautstation des Tauerntunnels in Sicht. Ganz selbstverständlich fuhren wir an die Schranke und David zückte sein Portmoney, um die Gebühr für uns zu bezahlen. „Mit diesen Mopeds dürfen sie hier nicht durchfahren“.

Jetzt hatten wir ein Problem. Es war mittlerweile stock finster und eine Umgehung des Tunnels würde uns schlappe 250km kosten. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden. Also stellten wir die Mopeds an die Seite und suchten nochmals das Gespräch mit dem guten Herrn in seinem kleinen Mauthäuschen. Er meinte, die Fahrzeuge, die diesen Tunnel passieren, müssen mindestens 60km/h fahren. Wir versicherten ihm, dass wir dies mit den Mopeds locker schaffen könnten und außerdem seien wir ja schon vor zwei Tagen von der anderen Seite durch den Tunnel gefahren. Letztendlich zeigte er sich gnädig und winkte uns durch, mit den Worten „Wenn einer von euch mit seinem Moped im Tunnel liegen bleibt, gibt das ein riesiges Chaos und ich verliere mit Sicherheit meinen Job!“

Nun wird man es uns vielleicht nicht glauben, aber wir sind ohne Probleme durch den Tunnel gekommen – doch nur ca.1000m nach Tunnelende streikte Marcels Motor. Er ging plötzlich aus und dann nicht wieder an. Währe das nur 2km vorher passiert, hätte sich der Mann im Mauthäuschen mit Sicherheit dafür erkenntlich gezeigt. Doch wir hatten wieder einmal Glück. Wir befanden uns hoch auf einem Berg und das kleine Dörfchen Mittersill befand sich in dem vor uns liegenden Tal. Die Passstraße ging nur bergab, und so konnte Marcel das Moped rollen lassen, auch ohne dass der Motor an war. An etwas flacheren Stückchen halfen wir Marcel, in dem wir nahe an ihn heranfuhren und er sich bei uns festhalten konnte. So schafften wir es letztendlich mit vereinten Kräften bis zu unserer ersehnten Unterkunft.

Italien_2008_0016Heidi empfing uns freudestrahlend und drückte jedem von uns zur Begrüßung eine Flasche Bier in die Hand. Schnell berichteten wir ihr die Ereignisse der vergangen Tage. Doch wir alle hatte keine Ruhe, ehe wir nicht wussten, was mit Marcels Motor los war. Also setzten sich Marcel und David gleich daran, den Fehler ausfindig zu machen, um ihn danach mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu beseitigen. Patrick und ich kümmerten uns um die übrigen Sachen. Wir hingen die nassen Klamotten zum trocknen auf, bauten das übrige Gepäck von den Mopeds und bezogen schon mal die Zimmer. Es dauerte jedoch nicht lange, als wir von drinnen das wohl bekannte knattern des S51-Motors hörten. Schnell gingen wir in die Garage. „Frag mich nicht wieso, aber der Vergaser war voller Sand!“ war Marcels Antwort auf unsere fragenden Blicke. „Aber jetzt läuft er erstmal wieder.“.

Den übrigen Abend verbrachten wir gemeinsam mit Heidi in der Küche bei dem ein oder anderen geselligen Bierchen.

Geweckt wurden wir wieder vom Geruch frisch gebackener Brötchen. Wie auch schon beim letzten Mal gab es wieder hauchdünn geschnittenen Leberkäse, Brötchen und Spezialkaffee.

Wir ließen jedoch nicht viel Zeit vergehen, denn vor uns lag wohl die längste Etappe auf diese

Tour. Von Mittersill bis nach Kassel sind es über 650km. Wir einigten uns darauf, so lange zu fahren, wie wir die Augen offen halten können. Wenn nix mehr geht, Rasten wir, doch richtig geschlafen wird erst wieder in Kassel.

So verabschiedeten wir uns schon zum zweiten Mal in dieser Woche von Heidi und dankten ihr für Speis und Trank.

Die nächsten Stunden verliefen recht Reibungslos. Vorbei ging es an der Festung Kufstein, am Fluss Inn, welcher sich wie ein blaues Band durch das Tal zieht und schnurstracks überquerten wir die Deutsch-österreichische Grenze und waren wieder in unserem Heimatland.

Die Berge hatten wir auch schon hinter uns gelassen, als wir uns der bayrischen Hauptstadt näherten. „Ein Pils im Hofbräuhaus können wir uns doch schon gönnen oder?“. Ein Blick zur Uhr verriet, dass wir nicht gerade im Zeitplan waren. Es war schon Nachmittag und viele Kilometer lagen noch vor uns.

„Wenn es kein großer Umweg ist, können wir es ja versuchen.“. Und so begaben wir uns auf die Suche nach dem berühmt berüchtigten Hofbräuhaus. Doch zu Zeiten ohne mobiles Internet war das gar nicht so einfach. Wir hatten zwar ein Navi, doch fehlte uns die richtige Adresse und keiner von uns war je vorher in München gewesen. Also versuchten wir uns durchzufragen. Doch auch das gestaltete sich als äußert schwierig. Hatte wir endlich jemanden gefunden, der uns mit einer einfach gehaltenen Wegbeschreibung weiter helfen konnte, so konnten wir dieser nicht nachkommen, da zu diesem Zeitpunkt wohl halb München umgebaut wurde und die ganze Stadt voller Baustellen war. Als dann auch der Tipp eines aus Amerika stammenden Chopperfahrers „haltet euch erstmal auf der Freisinger Landstraße“ nichts brachte, gaben wir die Hoffnung auf ein frisch Pils auf und schlugen wieder unseren geplanten Kurs Richtung Kassel ein.

Wir fuhren bis weit in die Nacht hinein, als ein neues Problem auftrat. Davids Krümmer hatte sich vom Zylinderkopf gelöst und ging nicht mehr zu befestigen. Wir fuhren ca. 20 min ohne Auspuff weiter. Dann wurde es uns aber doch zu laut. Glücklicher Weise kam uns gerade eine Tankstelle in Sicht, die wir auch direkt ansteuerten.

Die Tankstelle war nur durch einen Nachtschalter besetzt. Wir parkten die Mopeds im Eingangsbereich, da hier das meiste Licht war.

Nun galt es, irgendwie den Krümmer mitsamt Auspuff wieder am Zylinder zu befestigen.

Zu, Glück gibt es freundliche Tankwärter, die einem in der Not unterstützend zur Seite stehen. Er half uns mit etwas Draht aus, mit dem wir Krümmer und Zylinder wieder halbwegs miteinander verbinden konnten. Wir fragten ihn dann noch, ob er was dagegen hätte, wenn wir uns, geschützt vom Dach der Tankstellen, ein bis zwei Stündchen Schlaf gönnen würden. Aber das ging wohl auch ihm zu weit und er lehnte ab.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als weiter zu fahren.

Die Krümmer-Konstruktion erwies sich zwar nicht als perfekt, doch reichte es aus um bis nach Hause zu kommen. Und so fuhren wir die ganze Nacht hindurch. Spätestens alle 30min wurde eine kurze Pause gemacht. Die Nacht wirkt unwahrscheinlich erdrückend, wenn man total übermüdet, dem monotonen Motorgeräusch im Hintergrund, durch die Dunkelheit fährt.

Alle waren froh, als die Dämmerung einsetzte und die Dunkelheit verdrängte. Doch auch das änderte nichts an unserer Müdigkeit.

Bei Mc Donalds tankten wir Kaffee und versuchten, mit kaltem Wasser die Müdigkeit von uns ab zu waschen. Doch auch das half nicht mehr viel.

Italien_2008_0088Von der Schläfrigkeit erdrückt waren wir gezwungen, eine Rast ein zu legen. In einem Gewerbegebiet fanden wir einen freien Parkplatz. Wir stellten die Mopeds ab, legten uns auf den Boden und schliefen auf der Stelle ein.

Ich weiß nicht mehr ob es ein, zwei oder drei Stunden waren, die wir schliefen, doch fühlten wir uns nach dieser Zeit wieder in der Lage, unseren Weg fort zuführen. Also ging es wieder auf die Straße.

Die Zeit bis nach Kassel verlief dann irgendwie wie im Zeitraffer. Die Landschaft zog an einem vorbei, doch man konnte die Eindrücke nicht mehr wirklich wahrnehmen.

Ohne weitere Pannen ging es weiter bis nach Kassel. Patrick und Marcels Oma empfing uns äußerst herzlich. Geschunden von den Strapazen der letzten zwei Tage freuten wir uns jetzt nur noch darauf, aus den stinkenden Motorradklamotten raus zu kommen, eine warme Dusche zu nehmen und einfach mal nix zu machen. Und so verging der vorletzte Tag, ohne groß an den Mopeds rum zu basteln und einen Plan für den kommenden Tag auf zu stellen.

Der 26.07. war der letzte Tag der Roadtripp-Tour 2008. Nach knapp 2200 gefahrenen Kilometern, 8 Tagen und Nächten und zahlreichen schönen Erinnerungen trennten sich die Wege der „Drei Lustigen Vier“. Drei von ihnen fuhren die letzten 250km nach Ballenstedt. Der Vierte legte die letzten 120km allein nach Bielefeld zurück.

Alle vier kamen wohl behalten und gesund wieder zu Hause an.

Und immer, wenn diese vier Jungs abends mal wieder bei einem Bierchen zusammen sitzen, ist die Tour mit dem Moped nach Italien ein beliebtes Gesprächsthema, dass viele Beisitzenden nervt, aber für uns mit wunderschönen Erinnerungen und Erfahrungen verknüpft ist, die wir nicht missen wollen.