1. März 2014

2011 Frankreich

Trip de France

ROUTEN_2011_Karte

by David Straubel

In diesem Jahr hieß es „Ganz oder gar nicht“. Die längste Tour überhaupt. 3.000 km zum Atlantik und wieder zurück – und das in nur neun Tagen. Was das bedeuten sollte, das stellten wir im Verlauf der Tour noch fest.

In diesem Jahr haben wir das Fahrer Team um vier Personen erweitern können. Arndt und Charly mit der S51, Jan mit dem SR50 und Alex mit dem Trabant. Und wenn ich sage Team, dann meine ich das auch so! Vor der Tour hätte ich gedacht, dass sie nicht wissen auf was sie sich einlassen und nach zwei Tagen bereuen, was sie taten. Aber ganz ehrlich! Wir haben uns alle super ergänzt und jede menge Spaß gehabt!

Der Tourplan sollte uns über Kassel, Paris, Orleans, Nantes, die Normandie, Brüssel, Bielefeld und letztendlich wieder nach Ballenstedt führen. In den durchschnittlich 14 Stunden täglicher Fahrzeit wurden wir in diesem Jahr erstmals von einem Trabi, unseren „Lastenesel“, begleitet.

Am 03.08.2011 startete die Tour ca. 18:00 Uhr in Ballenstedt am Harz. Nach ganzen 5 km gab es schon die erste Zwangspause. Bei Charlys S51 mussten die Gänge nachgestellt werden. Aber auch das konnte innerhalb von 15 Min. behoben werden. Das Problem war dann nur, dass die anderen Mopeds teilweise nicht mehr angesprungen sind und geschoben werden mussten. Wenn eine Tour schon so anfängt… Aber wir lassen uns ja nicht unterkriegen!

Nach ein paar weiteren, kleinen Pannen haben wir Kassel, genauer gesagt Hofgeismar, erreicht und konnten gute drei Stunden schlafen, bevor es dann weiterging nach Trier.

Bis nach Trier passte einfach alles, das Wetter war zwar solala, aber wir waren ja gut geschützt durch unsere Regenkombis. Es traten bis nach Trier keine weiteren Pannen auf, „Alles ist gut“. Dachten wir. Denn nach einer kurzen Pause verabschiedete sich Patricks Kickstarterfeder. Während die Anderen schon mal zum Zeltplatz gefahren sind, hatten Patrick und Ronny versucht die MZ wieder zu reparieren. Eine Werkstatt versprach Hilfe, dass Ersatzteil via Expresslieferung am nächsten Tag zu bekommen. So warteten wir am nächsten Tag vergebens, denn er hatte die Feder nicht bekommen. Doof, denn wir waren im Zeitplan hinterher und haben trotzdem nichts erreicht.

Durch die verschenkte Zeit starteten wir erst gegen 15:00 Uhr und schafften auch nur 120 km. Aber wir haben an einem Tag vier Länder bereist! Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich. Wir hatten kurz überlegt die Nacht durchzufahren, aber morgen völlig geschafft in Paris anzukommen, hätte uns wahrscheinlich nichts genützt und so zelteten wir auf einem Kleinen Zeltplatz in Consenvoye für nur 13,50€/p.P. Vielen Dank auch noch mal für diesen super Preis!

Früh um fünf aufgestanden, ging es 06:00 Uhr weiter nach Paris. Gegen Mittag erreichten wir die Hauptstadt. Wir waren froh Paris erreicht zu haben, aber auch genervt, durch den engen Verkehr. Auf der Suche nach dem Eifelturm, hielten noch kurz für ein Foto am Notre-Dame an. Am Eifelturm machten wir eine etwas längere Pause und überlegten, ob wir weiter fahren sollten, oder wie geplant eine Nacht in Paris verbringen sollten. Mit der Rechnung, dass wir noch vor 09:00 Uhr Orléans erreichen würden, machten wir uns auf den Weg. Die Landschaft war sehr trist hier. Felder, Felder, Felder und lange gerade Straßen. Es war schon sehr einseitig, aber dadurch kamen wir auch schnell voran, und erreichten Orléans gegen 08:00 Uhr. „Jetzt erstmal was essen und dann Zelte aufbauen!“. Voller Selbstvertrauen, heute alles richtig gemacht zu haben, fragten wir nach dem nächsten Zeltplatz. Jeder sagte und, dass der Nächste 50 km weit weg sei! Mist, das hätten wir vor der Schließungszeit nicht mehr geschafft. Frustriert und „angepisst“ standen wir im Regen und überlegten, was wir nun machen könnten. „Weiterfahren“, hieß es, wir fahren die Nacht durch! Wir hatten dann kurz vom Ortsausgang bei einem Hotel gefragt, ob wir ein Zimmer für acht mieten könnten. Das fanden die Kollegen an der Rezeption aber nicht so toll, aber sie boten uns zwei Dreibett- und ein Zweibettzimmer zum Preis von drei Zweibettzimmern an.

Frisch gestärkt, ausgeruht und geduscht ging es dann am nächsten Tag nach Nantes. Keine 5 km weiter haben wir das erste Zeltplatzschild gesehen! Und innerhalb der nächsten 50 km sahen wir alle 15 Min. so ein Schild. Aber was solls, dafür hatten wir schönes Wetter. Entlang der Loire fing die Landschaft an, sich allmählich von der tristen, flachen Felderlandschaft in ein sehr schönes Panorama zu verändern. Es gab wunderschöne französische Dörfer, viele Burgen und Schlösschen. Bei Blois ging Arndt’s S51 einfach aus und sprang erstmal auch nicht wieder an. Ein zweistündiger Reparaturversuch ist gescheitert, als Alex die Notleine zog und dem Ganzen Einhalt gebot! „Jetzt reicht’s, wir wollen heute auch noch mal ankommen. Wozu haben wie denn einen Hänger!“ So nahm Arndt im Tabant Platz.

Als wenn das nicht schon reichen sollte, versagten danach auch noch die beiden Mopeds von Charly und Ronny auf der Mündungsbrücke kurz vor dem großen Ziel. Den Schwung verloren, durch den Versuch die Mopeds die Brücke runter anzurollen mussten sie ein ganzes Stück schieben, damit sie von der Straße kamen. Nach einer kleinen Raucherpause sprangen beide Mopeds wieder an als wäre nie etwas gewesen. Gegen ein Uhr nachts und unzähligen Stadtrunden, nach einem geöffneten Zeltplatz, bauten wir unser Lager dann an einem geschlossenen Platz auf. Wir hatten vor, vor dem Besitzer wach zu sein, und die Nacht einfach nach zu bezahlen. Gegen elf standen wir dann auf der Matte… Er hatte uns freundlich begrüßt, bot uns Kaffee an und ließ uns die letzte und die folgende Nacht bezahlen.

An unserem fahrfreien Tag behoben wir, soweit es möglich war die Mängel unserer Mopeds. Arndt bekam einen Austauschmotor und Marcel wechselte zur Sicherheit seinen Zylinder, der schon komische Geräusche machte. Als wir uns am frühen Nachmittag auf dem Weg zum Strand machten gingen wir stolz erhobenen Hauptes, unseren TTfF-Shirts, in einer Szene wie bei Armageddon, mit der Gewissheit gesiegt zu haben. Wir haben den Atlantik erreicht mit unseren kleinen Simsons!

Jetzt hieß es Normandie wir kommen. Auf dem Weg dort hin machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Mont-St-Michel. Die Burg im Wasser haben wir aus Zeitgründen nur von Weitem sehen können, weil sich der Besucherverkehr 10 km staute. Weiter auf dem Weg zum Tagesziel verliefen die Straßen durch wunderschöne Landschaften, kleinere Feldwege und verträumte Dörfer. Und dann passierte es, ein paar Kilometer vor Omaha Beach versuchte mich die Natur aufzuhalten. Ein Dorn, der dich von geschnittenen Heckenzweigen in mein Reifen bohrte, zwang uns wieder einmal zu einer Pause. Doch mit den nötigen Ersatzteilen und Werkzeugen war innerhalb von 15 Min. wieder Luft im Schlauch. Am Omaha Beach angekommen Ehrfurcht vor dieser geschichtsträchtigen Stätte, die 60 Jahre zuvor noch von Panzern überrollt wurde. Nichtsdestotrotz wurden wir als Deutsche sehr freundlich behandelt und durften auch auf dem dortigen Zeltplatz übernachten.

Jetzt lagen noch zwei größere Ziele vor uns. Brüssel und Bielefeld. Insgesamt noch ca. 900 km und noch zwei Fahrtage. Als wir 15:00 in Brüssel ankamen waren wir noch voller Eifer einen guten Tagesschnitt zu fahren, da größere Pannen ausblieben. Doch Brüssel selbst hat uns gute zwei Stunden aufgehalten. So schafften wir nur sechs Kilometer. Um strecke zu machen beschlossen wir, solange wie möglich zu fahren. Sollte der erste Anhauch von Übermüdung auftreten, wollten wir Pause machen und am nächsten Tag weiter fahren. Das Problem bei Nachtfahrten ist immer, dass man nicht viel von der Landschaft sieht, man aber viel Strecke machen kann, wenn man muss.

Wir haben uns dann entschlossen die Nacht durchzufahren und erreichten so gegen 10:00 morgens Bielefeld. Völlig kaputt haben wir uns erstmal ausruhen müssen. Zum Glück war, das kein Problem, da alle bei mir in der Wohnung einen Schlafplatz gefunden haben. Mit ca. fünf Stunden Schlaf machten sich dann die andren Sieben gegen 13:00 Uhr auf den Weg und kamen 18:30 Uhr in Ballenstedt an.