16. April 2014

2013 Kroatien

Mit der Simson in den Süden!

ROUTEN_2013_Karte

by David Straubel

ZU TAG:
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TAG 0

Auf in die Heimat

Ich spüre meinen Herzschlag, als ich den Reißverschluss meiner Jeansjacke langsam nach oben ziehe. Ich bin merklich nervös. Nervös vor Aufregung, was mich erwarten wird. Nervös, weil ich nicht weiß, ob alles gut geht. Zwar haben wir schonmehr als die geplanten 2600 km gemeistert, aber dennoch sind wir nach wie vor mit Simsons unterwegs. Und naja, eine Simson ist halt keine Harley.

Ich habe das Gefühl, dass meine Hände nun schon seit mehr als drei Wochen nach Benzin und Öl riechen. Die letzten Feineinstellungen des Gemisches und die Diagnose möglicher und bekannter Fehlerquellen haben mich in den letzten Tagen und Wochen viel Zeit mit meinem gelben Blitz (oder wie manche spöttisch sagen, Postmoped) verbringen lassen. Vorbereitung ist alles und kann später vor bösem Erwachen schützen. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass man einfach die „Basics“ vergisst. Zum Beispiel so etwas wie den Krümmer richtig festzuziehen.

Ich habe Jan bereits vom Bahnhof abgeholt. Er hat seinen Roller schon vor der Tour zu mir gefahren. Das sollte am Tag der Abreise von Hamm nach Bielefeld eventuelle Verzögerungen durch Ausfälle und Feierabendverkehr vermeiden. Wir packen die letzten Utensilien auf die Maschinen, zurren noch einmal alles fest und wollen uns dann auch bald auf den Weg nach Ballenstedt machen. Trotz aller Absprachen und des Willens zur Pünktlichkeit haben wir es erst 19:00 Uhr geschafft aus Bielefeld loszufahren. Während der Abfahrt gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Ist die Kaffeemaschine aus? Der Fernseher? Der PC? Sind alle Fenster zu? Aber ach, was mache ich mir Gedanken?! Ich habe alles kontrolliert und ändern kann ich es jetzt eh nicht mehr. Nachdem wir die Mopeds getankt haben, verlassen wir Bielefeld. Die 200 km lange Strecke macht uns keine großen Sorgen. Wir kennen den Weg und für uns ist er auch nur Mittel zum Zweck. Die eigentliche Tour beginnt für uns morgen mit den Jungs. Auf dem Weg ist nicht wirklich viel passiert, außer dass er wie erwartet lange gedauert hat. Wir haben zwischendurch ein paar Tropfen Benzin aufgefüllt und es so bis nach Quedlinburg geschafft. Das sparte uns wertvolle Zeit, weil wir so keine Tanke zwischendurch aufsuchen mussten. Nach 200 km und 4:30 h waren wir dann um halb zwölf in Ballenstedt. Eine Kleinigkeit hatte mich aber schon gestört, und zwar, dass Jan mit seinem schrankwandaerodynamischen Roller mehr Zug drauf hatte als ich. Daher musste ich immer in Jans Windschatten fahren, um hinterher zu kommen. Doof für ihn, weil mein Licht heller ist als seins und er dadurch nur seinen Schatten auf der Straße gesehen hat. War wohl doch nicht so gut abgemischt mein Blitz. Am nächsten Tag hatte ich das Problem beheben können, indem ich eine etwas größere Hauptdüse eingebaut habe.

Am Ortseingangsschild haben wir uns dann verabschiedet. Als ich gerade mein Moped bei meinen Eltern in die Garage schieben wollte, kamen Patrick, Marcel und Ronny die Straße hoch gelaufen. Sie hatten auf uns gewartet und uns schon gehört, als wir in die Stadt gekommen sind. Mit meinen Eltern haben wir dann noch ein paar Bierchen getrunken und den nächsten Tag geplant. Denn obwohl es morgen schon losgehen sollte, war noch einiges zu tun. Naja, mit einer Tour ist es wie mit Weihnachten. Man hat es ein Jahr lang vor Augen und -zack- morgen ist es so weit und man hat noch keine Geschenke.

TAG 1

Die Gemeinde versammelt sich

Es ist Mittwoch, der 17. Juli 2013. Am Vormittag bringt Patrick unser neues Begleitfahrzeug zu meinen Eltern. Es ist ein VW T5. Leider konnte in diesem Jahr unser treuer Begleiter Alex, der Trabifahrer, nicht mitkommen. Er hatte ein paar private Dinge zu erledigen. Verständlich für uns, aber dennoch schade, dass er nicht dabei sein kann. Wir bedauern das sehr! Genau so wie wir es bedauern, dass in diesem Jahr Charly und Dennis nicht dabei sein können! Jungs, wir werden an euch denken! Ich sehe Patrick mit diesem Ungetüm von Auto in die Straße meiner Eltern einbiegen und denke mir „Ach du Scheiße! wie soll das denn gehen“. Denn ich kann mich noch gut an Situationen erinnern, wo der Trabi mit seinen 1,51 m durch diverse Engen in Frankreich und Schottland kaum durch passte. Jetzt sollte uns ein Wagen mit einer Breite von über zwei Metern begleiten. Patrick meint nur, ich solle mir keinen Kopf machen. „Bevor wir das erste Mal den Trabi mitgenommen haben, dachten wir auch, dass er ein Hindernis sein könnte und er war es dann doch nicht. Er war eher eine Hilfe, wenn ich dich mal an den Nottransport von Arndt in Frankreich und Dennis in Schottland erinnern darf.“ Ich musste zugeben, dass er Recht hatte. Vielleicht bin ich auch in manchen Situationen etwas übervorsichtig.

Die Hauptaufgabe an diesem Vormittag besteht also darin, die extra montierte Solarzelle auf dem Dach mit entsprechenden Kabeln und Sicherungen zu versehen, damit genug Energie an der zweiten Autobatterie ankommt. Jetzt kann man sich sicher fragen wozu das Ganze. Aber wenn man die Stereoanlage, die  Kaffeemaschine und das ganze Werkzeug sieht, wird schnell klar, wozu wir 220 V aus der Steckdose brauchen. Sicherlich könnte man sich an dieser Stelle streiten, warum man das alles braucht, aber ich habe mir abgewöhnt, mehr als zwei mal nach dem Sinn von etwas zu fragen, wenn es meine eigene Fahrtüchtigkeit nicht einschränkt.

Fast zeitgleich mit Patrick kommen auch Marcel und Arndt bei meinen Eltern an. Patrick muss nochmal los und so widmeten wir drei unsere Zeit der Solaranlage. Ein – zwei Stunden später und ein paar neue Kabel im Auto und es funktioniert. Strom kommt an, wir können packen. Nach und nach wird es voll auf der Heinestraße in Ballenstedt. Ein Moped nach dem anderen trudelt so langsam aber sicher ein. Zuerst Ronny, dann Jan, Patrick und Florian, der in diesem Jahr zum ersten Mal dabei ist. Wer fehlt denn also noch? Natürlich Jonas, unser „VW T5- Safetycar-Fahrer. Jonas hatte sich bereit erklärt unser Begleitfahrzeug zu steuern. Er ist direkt nach der Arbeit los und machte sich auf den 450 km weiten Weg von Heidelberg nach Ballenstedt. Dadurch kam er entsprechend spät zum vereinbarten Treffpunkt. Aber nicht schlimm, weil wir unserer Planung einen halben Tag voraus sind. Man will ja nichts vergessen. Daher sind wir in Gedanken nochmal alles gründlich durchgegangen. Meine Eltern haben für das Warm up ein paar Schnittchen geschmiert. Und auch die Eltern der anderen waren dabei. Auch wenn wir bereits Mitte 20 sind, sind wir doch die Kinder unserer Eltern…

Wir verabschieden uns von unseren Familien und Freunden, machen noch ein paar Startfotos des Teams und dann geht es auch schon los. Es ist ca. 19:45 Uhr, als wir eine ausgedehnte „Verabschiedungsstadtrunde“ drehen und Ballenstedt in Richtung Badeborn verlassen. Das istKroatien_2013_0002 zwar nicht der kürzeste Weg, aber wir müssen noch etwas Motorenöl für den Transporter von meinem Onkel holen. Nach diesem kurzen Stopp geht es aber auch schon weiter. Nach nicht einmal 19 km, kurz nach Holm machte Marcels Moped bereits Zicken. Es haben noch nicht mal alle den Helm abgenommen, da bricht schon allgemeines Gelächter aus. Es ist halt in jedem Jahr ein kleiner interner Contest, wessen Moped als erstes liegen bleibt. Und naja, ich will mal nicht sagen, wir hätten es kommen sehen, aber es war auch nicht überraschend, dass es Marcels Moped war. Er beschreibt ein Stottern und eine schlechte Gasannahme. Also nehmen wir als ersten Ansatz den Vergaser auseinander. In der Schwimmerkammer des Vergasers waren Dreck- beziehungsweise Rostrückstände zu erkennen. In der Annahme, dass diese nur aus dem Tank kommen konnten, spülen wir im Anschluss den Tank durch. Benzinhahn wieder dran, gefilterten Sprit wieder in den Tank, Deckel drauf – fertig. Im Filterpapier zeichneten sich nicht unerhebliche Rückstände von Rost und Undefinierbarem ab. Der Fehler sollte behoben sein und so geht es auch schon weiter. Nach weiteren sechs Kilometern halten wir erneut, dieses Mal aber planmäßig, denn wir müssen Tanken. Schnell den Oktansaft in die Tanks, Öl beimischen und noch schnell einen Schluck trinken, bevor es weiter geht. Die nächsten 40 km verlaufen recht gut. Und dann kam Jans Roller. So machten wir um halb elf irgendwo im Nirgendwo eine kleine Zwangspause. Sicherlich ist Löbejün für dessen Einwohner nicht nirgendwo, aber wenn man nachts auf einer, gefühlt verlassenen Landstraße steht, ist es auch nicht gerade der Nabel der Welt.

Aufgrund der Dunkelheit können wir bereits hier zum ersten Mal die Vorzüge des Transporters testen. Er ist rückseitig mit LED-Zusatzscheinwerfern ausgestattet und liefert uns somit eine sehr gute Beleuchtung zu dieser späten Stunde. Beim Roller hatte sich lediglich die Sicherungsmutter des zweigeteilten Gasbowdenzugs gelockert und ihn somit auf Spannung gesetzt. Dadurch hatte Jan während der Fahrt ein paar Mal einen Gasklemmer. Ein Fehler, der schnell behoben werden kann. Aber jetzt, wo wir eh schon stehen, können wir auch gleich eine Raucherpause machen, was trinken und anderen körperlichen Bedürfnissen nachgehen, dann ging es auch weiter. Die nächsten 10-20 km verliefen problemlos…

„Oh mein Gott, wie konnte das denn passieren?“ Wir haben Jonas verloren! Irgendwie hat unser letzter Mann nicht aufgepasst. Patrick hatte an dem T5 extra schon eine Zusatzbeleuchtung angebaut, damit man ihn im Rückspiegel schneller erkennen kann. Aber Florian ist anscheinend noch nicht in einer so großen Kolonne gefahren, zumindest in der Nacht. Und klar ist, im Zweifel bin ich immer für meinen Hintermann verantwortlich, damit keiner allein zurück bleibt. Patrick und Ronny machen sich auf den Weg zurück um Jonas zu suchen, da wir ihn aufgrund eines Funkloches auch nicht telefonisch erreichen können. Also bedeutet das für den Rest der Truppe Raucherpause. Das kommt Marcel in den meisten Fällen wie gerufen. Ich will nicht sagen, dass er viel raucht, aber zumindest mal gerne. Jedenfalls müssen wir einige Zeit warten, eh wir weiterfahren können und so gibt es eine ausgedehnte Rast auf der Straße. Nach 30 min sehen und hören wir endlich Patrick, Ronny und Jonas heranfahren und es kann weiter gehen.

Und weiter geht es auch. Und zwar ohne weitere Komplikationen und
Zwischenfälle durch bis nach Riesa,genauer Boberzen, wo Jonas‘ Elternhaus steht. Hier werden wir unsere erste Nacht verbringen. Wir erreichen so gegen 02:00 Uhr das Tagesziel, trinken noch ein kleines Feierabendbierchen und liegen dann so nach und nach gegen drei im Bett, denn um halb sechs ist die Nacht vorbei. Nur Ronny, Marcel und Jonas haben es wieder mal ein bissen übertrieben. Sie haben gerade mal eine Stunde Schlaf genießen können, weil sie sich etwas verquatscht haben.

TAG 2

Bekannte und die Ferne

Es ist 05:30 Uhr, mein Wecker klingelt. Total müde drücke ich ihn weg und denke mir: „Ach noch 5 min“. Doofe Idee… Um sechs Uhr kommt Jonas ins Zimmer, in dem auch Florian und Ronny geschlafen haben und meint hektisch, „Leute aufstehen, wir haben verpennt!“, er geht raus und weckt die anderen. Egal wie müde wir sind, jetzt müssen wir raus! Denn um 06:30 Uhr sind wir bei Jonas‘ Schwester zum Frühstück verabredet. Und wenn man auf Tour ist, dann lässt man sich eine sichere Mahlzeit und nette Gesellschaft einfach nicht entgehen. Jetzt heißt es wieder beeilen. Jeder ins Bad, frischmachen, packen und los gehts. Mit einer viertel Stunde Verspätung erreichen wir dann endlich unsere Bekannten und entschuldigen uns nochmal für die Verspätung. Es ist ja Mittwoch und einige müssen halt arbeiten. Der Frühstückstisch ist reich gedeckt, es gibt frische Brötchen, Aufschnitt, geschnittenes Obst und Gemüse, Eier,… Klasse, so kann ein Tag starten. Mit gefüllten Bäuchen und guter Laune geht es gegen halb neun weiter, nachdem wir uns bedankt und verabschiedet haben.

Es geht schon wieder los. Heute haben wir viel vor uns. Zwar ist eine Strecke von 280 km keine sehr große Herausforderung, aber wir haben ein sehr bedeutendes Zwischenziel. Doch dazu später mehr. Nun ist es egal, wie motiviert jeder ist, ohne Benzin kommt man nicht weit und so steuern wir erst mal die nächstgelegene Tanke an. Somit kommen wir schon nach 9 km wieder zum Stehen. Auch wenn wir noch ein paar Kilometer hätten fahren können, wenn man auf einer Tour weniger als die Hälfte im Tank hat, kann es sich schon lohnen die nächste Tankstelle zu nutzen. Wer weiß, wann mal wieder eine kommt. Wir vertanken also 30 min unseres Tages und fahren gegen 09:20 Uhr weiter.

Kroatien_2013_0011Wir kommen gut voran. Gegen 10:40 Uhr, nach 75 km, gibt es die erste kleine Pause, um was zu essen, zu trinken und die Gesäßmuskeln etwas zu lockern. Das Wetter ist super, denn es scheint die Sonne und alle sind gut drauf. Jetzt kann uns nichts mehr aufhalten und wir sind im Tourmodus. Wir haben die nächsten 55 km hinter uns gebracht und befinden uns nun an unserem vermeintlichen Zwischenziel. Und zwar in Eibau Kottmarhäuser, dem Heimatort von Bernd Raffelt. Der Messias der Simson-Reisen. Er war bereits auf dem amerikanischen-, australischen- und europäischen Kontinent unterwegs. Er hat Touren gemeistert, von denen wir nur träumen können und war dabei stets auf sich allein gestellt und auf einem SR80. Wer Interesse hat daran teil zu haben, seine Bücher sind zwar zum Teil noch verfügbar, aber man muss schon suchen, um sie zu bekommen. Jedenfalls haben wir durch Fragen erfahren, dass er mittlerweile im 4 km entfernten Eibau wohnt und wir ihn sicher da finden können. Also nichts wie hin! Wir fahren also ein paar Minuten später in diesen (für uns) geheiligten Ort Eibau ein und drehen laut scheppernd eine ausgedehnte Stadtrunde. Aber uns ist auch klar, dass wir ihm sicher nicht durch Zufall auf der Straße begegnen. Also suchen wir uns erst mal einen geeigneten Parkplatz um unser Mittagessen vorzubereiten und weiteres Vorgehen zu besprechen. Kaum die Mopeds abgestellt, schmiert Ronny erst mal für alle Schnittchen (Es ist immer mal ein anderer Schnittchenbeauftragter), mit der leckeren Wurst von der Fleischerei Münch aus Bad Suderode. Und Ronny macht das echt gut und ist dabei nicht geizig mit dem Belag, guter Mann! Jedenfalls sitzen wir gerade da und essen lecker Wurschtstulle, als da plötzlich eine freundliche Postbeamtin vorbeigefahren kommt. Ich nehme die Beine in die Hand, bevor sie vorbei ist und versuch sie anzuhalten. Ich kann sie erreichen und erkundige mich höflich nach der Anschrift von Herrn Raffelt. Aus datenschutztechnischen Gründen kann sie mir natürlich nicht die genaue Adresse sagen, aber zumindest mal eine Richtung. Das hilft uns weiter. Voller Euphorie bewege ich die anderen dazu ihre Brote aufzuessen und aufzusatteln. Immerhin haben wir hier auch schon eine gute Stunde verbracht. Also die Lebensmittel ins Auto, die Jacken an und los geht es. Wir folgen den Anweisungen der netten Postfrau und keine 5 min später stehen wir vor seiner Haustür.

Kroatien_2013_0016Wir klingeln und sind schon sehr gespannt, ihn endlich persönlich kennen zu lernen. Doch an die Tür kommen seine Nachbarn. Sie teilen uns mit, dass er übers Wochenende mit seinem Moped zu einen Simsontreffen nach Tschechien aufgebrochen ist Naja, was soll man dazu sagen?! Konnte keiner ahnen. Wir hätten uns im Vorfeld ja gern angekündigt, aber es gibt nicht wirklich eine offizielle Anschrift zu finden. Die einzige, die es gibt, ist seine alte und da kam die Post zurück. Immerhin haben wir seine Nachbarn, seine Katze und sein Klingelschild kennengelernt. Ronny meint nur: „Los, weiter Leute. Wir haben noch 150 km vor uns, wenn wir heute noch Kutna Hora erreichen wollen und immerhin ist es schon kurz vor zwei.“Wir sind 28 km weiter gekommen und machen noch eine Planpause. Denn wir kommen der tschechischen Grenze verdächtig nah und es will keiner riskieren teure Internetkosten zu bezahlen. Also die Smartphones auf „Ohne Internet“ stellen, noch eine rauchen und weiter. Man muss dazu sagen, dass diese sogenannten „Kurzen Raucherpausen“ bei acht Leuten (darunter zwei Nichtraucher), zeitlich eine gute halbe Stunde ausmachen können.

Am 18.07.2013 um 15:10 Uhr, nach 354 km bisheriger Gesamtstrecke, lassen wir das schöne Zittauer Gebirge hinter uns und auf einer Höhe von 400 m betreten, oder besser befahren wir Neuland. Tschechien – wir sind da. Und eine Grenze, die heute keine richtige Grenze mehr ist, spart Zeit und Nerven, da die Zollkontrollen weg fallen. Dieses Land ist uns wohl gesonnen. Wir kommen sehr gut durch und müssen nur eine kleine Pause machen, um etwas Benzin aus unserem Kanister aufzufüllen, bevor nach 220 km die nächste Tanke ruft. Hier dehnen wir die Pause dann auch etwas aus und essen direkt unser Abendbrot. Danach geht es flüssig weiter, als Jonas plötzlich den Blinker setzt und links auf einen Parkplatz einbiegt. Dadurch, dass er die meiste Zeit hinten fährt, dauert es etwas, eh sich alle sammeln. Wir fragen ihn was los ist, warum er anhält?! Jonas meinte nur „Ich will nen Softeis“. Na wenn es nur das ist, dafür halten wir doch gern an. Wir dachten all erst, es handele sich um eine Panne, oder ähnliches. Zu Jonas Enttäuschung haben die Kollegen an der Theke leider unser Geld nicht annehmen wollen. Euro fanden sie wohl doof. Aber er sollte noch kommen, der „Real-Softeis-Moment“. Auf den letzten 20 km sehen wir leider keinen weiteren Eismann, so dass Jonas heute leider verzichten muss.

Gegen halb sieben erreichen wir unseren Zeltplatz, checkenKroatien_2013_0024 ein, bauen die Zelte auf, lassen beiläufig den heutigen Tag Revue vergehen und planen bereits den nächsten. Die Streckenvorbereitung läuft, während jeder nach und nach duschen geht. Schön frisch machen, denn warm gekocht wird heute nicht im eigenen Nest. Gegen zehn – halb elf besuchen wir eine nahe gelegene kleine Gaststätte mit Biergarten. Hier haben wir das finale Glück, mit gutem Essen und einer sehr freundlichen Kellnerin den Abend ausklingen zu lassen. Ein paar Bier, Rumpsteaks, Pizzen, diverse sonstige Beilagen und Verdauungsschnäpse später machen wir uns dann auch wieder auf den Weg ins Nachtlager.

TAG 3

Ganz schön auf die Knochen

Bei einer Tour ist es genauso unkomfortabel wie schön zugleich, in seinem Schlafsack im Zelt aufzuwachen. Die erste Nacht im Zelt besiegelt für mich persönlich endgültig den Beginn der Reise. Denn jetzt müssen wir uns zum ersten Mal von ganz unten aufraffen. Und so auch an diesem Morgen… Nachdem der gestrige Abend etwas ausschweifender wurde, haben wir es heute sichtlich schwer aus den „Federn“ zu kommen. Und obwohl wir heute nur 180 km vor uns haben wollen wir mit allen Besichtigungszielen möglichst zeitig in Bratislava ankommen. Denn wir haben extra ein Zimmer im Hostel reserviert um stadtnah untergebracht zu sein und das Nachtleben genießen zu können. Vorher wird aber erst mal zum Gebet angetreten. Das Einpacken und Auschecken auf dem Zeltplatz verläuft nur wenig spektakulär. Und so schaffen wir es mit einer kleinen Verzögerung gegen 08:20 Uhr vom Zeltplatz loszukommen. Keine zehn Minuten und acht Kilometer später sind wir auch schon an unserem ersten Tagesziel. Die Knochenkirche von Kutna Hora. Die Stimmung ist ein wenig wie im Western, als wir am frühen Morgen knatternd auf dem Parkplatz vor der Kirche vorfahren, nur mit etwas mehr Touristen. Wir stellen die Mopeds in der üblichen „Parallelstellung“ ab und schauen uns erst einmal um. Langsam bewegen wir uns Richtung Eingang. Von Ronny, unserem Routenmeister, haben wir nur ein paar Randinformationen zur Kirche. Also genau genommen wissen wir nur, dass da überall Knochen sind. Wir treten also an den Empfangsschalter heran und bezahlen wie zivilisierte Menschen brav unseren Eintritt, um in diese heiligen Hallen zu gelangen. Der Eingang ist noch nicht sehr beeindruckend. Aber nach dem Herabsteigen der Treppen eröffnet sich ein Anblick, bei dem sich die Nackenhaare sträuben.

Kroatien_2013_0032Knochen gestapelt, wohin das Auge blickt. Überall. Fein säuberlich sortierte Haufen. Doch nicht nur das, aus den Knochen wurden anscheinend ganze Kunstwerke geschaffen. Wir sehen ein riesiges Wappen, einen Kronleuchter und verschiedene andere aus Knochen gestaltete Verzierungen. Ein komischer Anblick. Einer Broschüre entnehmen wir, dass der Friedhof der Kirche einmal eine wichtige Rolle für die Menschen in der Region Anfang des 15. Jahrhunderts gehabt haben muss. Durch den Bergbau,diverse Kriege und die Pest herrschte ein akuter Platzmangel. Dies veranlasste die Menschen dazu die Gebeine der Toten in den Gewölben zu stapeln. Nachdem wir uns alles angesehen haben, verlassen wir die Kirche wieder. Wir gehen langsam zu unseren Mopeds und Jonas bemerkt, dass es auf der anderen Straßenseite Softeis gibt. Also war klar, was wir gestern nicht geschafft haben, holen wir heute nach. So bekommt jeder noch schnell ein Pistazieneis und dann geht es auch schon weiter. Mit derselben westernbehafteten Stimmung wie bei der Anreise, verlassen wir diesen schaurigen Ort nach einer guten Stunde wieder. Wir fahren also wieder Richtung Süden, der Sonne entgegen und freuen uns schon darauf, dass wir heute Abend in Bratislava schön einen drauf machen können. Denn am morgigen Tag sind es nur ein paar Kilometer. Das heißt, dass wir sogar ausschlafen können. Super! Patrick hatte schon mal zwischendurch erwähnt, dass seine Fußrasten locker waren. Aber kein „Ich ziehe sie gerade wieder fest“-Locker, eher „es ist eine Schweißnaht gerissen“-Locker. Marcel und ich verständigen uns an vorderster Front, dass wir im nächstgelegenen größeren Ort nach einer Werkstatt Ausschau halten werden, damit Patrick die Fußraste schweißen lassen kann. Knappe 50 km später ist es dann auch soweit. Wir biegen in eine Seitenstraße und aufgrund der Hitze suchen wir uns ein schattiges Plätzchen unter einem Baum. Wir teilen Patrick mit, dass er sich mal auf den Weg machen soll, um eine Werkstatt zu suchen. Aber er meint gesehen zu haben, dass das, was Marcel und ich am Straßenrand sahen, keine Werkstätten sind, sondern nur Verkaufsräume für Gebrauchte. Also lassen wir nichts reparieren. Während der Pause stellt Ronny fest, dass seine Nummernschild-Befestigungsschrauben gegen sein heruntergelegtes Schutzblech geschlagen sind. Das war natürlich großer Mist. Er hatte das Schutzblech in diesem Jahr extra neu gemacht, weil seine erste Konstruktion nicht sehr praktikabel war, was die Verstellung des Rades zum Spannen der Kette anging. Um den Schaden zu minimieren sägen wir die Schrauben etwas kürzer und hoffen dass es was bringt. Auch Marcel schaut noch einmal nach seinem Moped um zu sehen, ob er etwas gegen das Stottern in den oberen Drehzahlen machen kann. Aber er findet nicht wirklich einen sinnvollen Anhaltspunkt dafür.

Patricks Fußrasten Problematik können wir zum Glück 35 km weiter beheben. Nach demEinbiegen auf ein Tankstellengelände meint Arndt zu Patrick, dass er ca. hundert Meter vorher eine Werkstadt gesehen hat. Wir tanken also als erstes die Mopeds der beiden voll und kippen Öl auf, damit sie schon mal schauen können, ob es da die entsprechende Hilfe gibt. Nach dem Tanken stellen wir uns mit unseren Mopeds an die Seite und entspannen ein wenig in der Sonne bei nem Bierchen, ein paar leckeren Wurstbroten und Keksen.

Kroatien_2013_0042Es kommt uns wie eine Ewigkeit vor, die die Beiden nun schon weg sind. Wir können aber im selben Atemzug annehmen, dass sie jemanden gefunden haben, der den Tastenträger schweißt. Nach einer guten dreiviertel Stunde kommen Patrick und Arndt zu uns gefahren. Patrick fragt nur hektisch nach einem 5l-Fässchen Bier. (Unsere eiserne Reserve, wenn die konventionellen Bierreserven verebbt sind.) Aber für eine kostenlose Panzernaht, die noch die ganze Tour halten sollte, kann man schon mal ein Bierchen springen lassen. Ronny setzt sich mit auf die MZ, stellt sich das Fass auf den Schoß und beide machen sich auf den Weg zurück zur Werkstadt. Anschließend wollen Arndt und Patrick natürlich erst mal etwas essen, aber wir konnten wertvolle Zeit sparen, weil Ronny für die beiden schon ein paar Stullen vorgeschmiert hatte. Und so können wir nach einer Verweildauer von anderthalb Stunden weiterfahren. Müssen wir auch, denn wir haben noch 180 km auf der Uhr und es ist schon 13:00 Uhr. Nach der allgemeinen Faustregel wären wir im Optimalfall noch sieben Stunden unterwegs und würden entsprechend um 20:00 Uhr ankommen.

Das Glück ist heute anscheinend nicht auf unserer Seite. Wir wissen nicht, ob es das warme Wetter ist, aber die Symptome von Marcels Moped werden immer schlimmer. Zwanzig Kilometer später müssen wir wieder anhalten, weil das Stottern und die Zicken immer schlimmer werden. Auf einer ausladenden Abbiegung in einen Waldweg bauen wir den Vergaser auseinander, schauen nach, was das Problem sein kann, aber entdecken schlussendlich nichts. Nach einer Proberunde hatte sich nicht wirklich eine Besserung eingestellt und somit wird der gesamte Vorgang wiederholt. Dieses Mal war es bei der Probefahrt besser und wir können die Sachen wieder packen und weiterfahren.

Wie gesagt, der Tag ist verhext! Und so kommt es, dass Marcel nach 25 km plötzlich rechts an einem an eine Kreuzung mündenden Parkplatz anhält. Für mich kam das Manöver nicht wirklich überraschend, was mich aber in genau diesem Moment gestört hat war, dass es dieses mal keinen Schatten gab! Marcels Moped AKA „die Ratte“ hat sich wahrscheinlich gedacht, „ich bin lange nicht mehr negativ aufgefallen“ und musste mal wieder Stunk machen. Marcel meint, dass sein Motor plötzlich Geräusche machen würde, die er so noch nie gehört hat und der Meinung ist, dass es nicht gut sein kann so weiter zu fahren. Also beschließen wir den Kolben und Zylinder abzunehmen, da er auch einen akuten Leistungsverlust festgestellt hat.

Bei der Demontage des Kolbens lässt sich der Kolbenbolzen nicht entfernen. Ai ai ai… das kennen wir doch noch aus Schottland, von meinem Zylinder, als das Nadellager sich tief in die Oberfläche des gehärteten Kolbenbolzens gefressen hat. Gut, dass Arndt wieder sein „Spezialwerkzeug“ dabei hat. Denn statt ewig rohe Gewalt anzuwenden, wissen wir relativ schnell was zu tun ist und können mit einer selbstgebastelten Druckplatte und einer langen Schraube den Bolzen herausziehen. Wir nehmen den Kolben herunter und sehen, was zu erwarten war. Das Nadellager hatte seine besten Zeiten hinter sich und auf den vergangenen Kilometern sicher hier und da mal die ein oder andere „Nadel“ lassen müssen. Dementsprechend zeigt der Kolbenbolzen diverse Muster in seiner Oberfläche. Aber Fehler erkannt, Fehler gebannt. Neuen Kolben-Zylinder drauf und es kann weiter gehen. Auch wenn sich das Ganze nicht sehr dramatisch anhört, diese „kleine Bastelaktion“ hat uns doch ganze zwei Stunden gekostet. Also ist es mittlerweile schon halb vier durch. Die verbleibenden Kilometer haben sich auf 170 km reduziert und die neu errechnete Ankunftszeit beträgt nun halb Zehn. In diesem Zusammenhang hat Jan nach einer demokratischen Abstimmung die Reservierung für das Hostel in Bratislava storniert. Wir wissen, wenn wir Pech haben kommen wir vielleicht auch erst gegen 23:00 Uhr oder später an und dann würde sich das Hostel für uns nicht wirklich mehr lohnen. Daher beschließen wir, direkt unser nächstes Tagesziel Siófok in das Navi einzugeben und uns den Umweg durch das Zentrum von Bratislava zu sparen.

Da sich der Werktag allmählich dem Ende nähert, sehen wir uns gezwungen eine Einkaufsmöglichkeit aufzusuchen. Nach ca. 200 km zurückgelegter Tagesstrecke biegen wir auf den Parkplatz eines an der Straße gelegenen Supermarktes. Ronny, Jonas und Florian gehen einkaufen, während die anderen draußen warten. Das Ganze dauert so lange, dass wir uns schon Sorgen machen, was da drin wohl los ist?! Als ich ihnen gerade entgegen gehen will, kommen die drei zur Tür raus. Florian schiebt einen Einkaufswagen vor sich her, der bis obenhin vollgepackt ist mit tollen Leckereien. Aber ganz wichtig ist natürlich das allseits beliebte Feierabendbier und Energydrinks für eine eventuelle Nachtfahrt. Nach einer Stunde Pause geht es dann wieder auf die Straße. Ab jetzt kommen wir ohne weitere Probleme voran. Aufgrund des sehr zerklüfteten Tankstellennetzes müssen wir nach 270 km ein bisschen Benzin aus dem Kanister nachfüllen. Aber bereits 10 km weiter kommt eine Tankstelle, an der wir wieder alle Mopeds voll machen können. Wir liegen zwar gut in der Zeit, aber wenn es läuft, dann läuft es. Daher machen wir hier keine lange Pause.

Nach ca. 300 km Strecke kommen wir in eine größere Stadt. Und das Ambiente ist einfach klasse. Ich liebe Stadt-Nachtfahrten mit dem Moped. Einfach weil der ganze Rush Hour-Verkehr vorüber ist und diese verhältnismäßige Ruhe den Sound der Mopeds zwischen den Häusern so richtig aufhallen lässt. Und mit acht Mopeds ist das auch cooler als allein. Jedenfalls lässt uns „die Ratte“ wieder einmal eine Zwangspause einlegen. Natürlich habe ich als einziger wieder nicht mitbekommen, wo wir eigentlich sind. Aber glücklicherweise klärt mich Jonas auf. Wir sind in Bratislava…

Kroatien_2013_0050Als ich auf die Uhr sehe, stelle ich fest, dass es hingegen aller Prognosen erst 20:30 Uhr ist. Jan meinte darauf, dass das Hostel gerade mal 500 m entfernt sei. Während sich also Ronny und Marcel ans Moped setzen, um den aktuellen Fehler zu finden, fahren Jan, Patrick und ich zum Hostel und fragen, ob doch noch Plätze frei wären (Unsere hatten wir ja storniert). Wir haben sogar Glück und könnten noch übernachten. Jetzt müssen wir das nur mit den anderen abklären. Aber natürlich hört von den fünf Leuten, die zurückgeblieben sind, keiner sein scheiß Telefon. Nach gefühlten 100 Versuchen fahren Jan und ich zurück. Wir stehen an einer Straße, in die wir nicht einbiegen dürfen und sehen die anderen. Jan meint, dass wir das kurze Stück gerade fahren können. Ich lasse mich also dazu breitschlagen und folge ihm. Wir sind keine 50 m gefahren, da sehe ich im Augenwinkel schon die Rennleitung am rechten Fahrbahnrand starten. Wir kommen gerade bei den anderen an. Ich bleibe direkt mit Helm auf sitzen und warte. In der Hoffnung, dass sie mich vielleicht nicht sehen. Klappt aber nicht. Das Doofe an der ganzen Geschichte war zusätzlich, dass ich meine gesamten Papiere bei Patrick im Hostel hab liegen lassen, das fanden die Kollegen gar nicht gut. Die netten Herren von der Polizei waren ehr schon sauer, weil Marcel ein, zwei Testrunden ohne Helmgedreht hat… Aber wir konnten das Ganze dann ohne Papiere regeln. Mit einem kleinen Betrag von 60 € pro Nase hatte sich der Fall erledigt. Als die Cops dann wieder abgerückt sind, haben wir erst mal eine Lagebesprechung gemacht. Nach dem teuren Spaß mit der Polizei haben wir überlegt, dass wir unser Geld etwas zusammen halten wollen und somit das Hostel zum zweiten Mal stornieren. Hat aber auch den Hintergrund, dass es mittlerweile schon um zehn war und wir mit Einchecken im Hostel nicht vor halb zwölf in eine Kneipe kommen würden. Also machen wir uns wieder auf denWeg, holen noch schnell Patrick ab und verlassen Bratislava.

Knappe 40 km weiter, in Mosonmagyarovar in Ungarn, haben wir wegen einer baustellenbedingten Straßensperre eine kurze Rast gemacht, um im Navi nach einer Alternativroute zu suchen. Nebenbei machen wir direkt noch ein paar Energy-Drinks leer, um fit für die Nacht zu sein. Nach ca. 20 min kommt ein Kerl auf einer Harley mit seiner Freundin auf dem Sozius vorbei. Wir unterhalten uns kurz, bevor er uns anbietet, uns um die Baustelle drum herum zu führen. Super! Wir überlegen natürlich nicht lange und fahren ihm nach. Beim Weg durch die Stadt kommen wir immer wieder durch ganz eigenartige Nebelschwaden. Es wirkt wie Rauchwolken von einem Feuer, weil es auch so unregelmäßig erscheint. Nur dass es nicht verbrannt gerochen hat. Ganz eigenartig…

Als klar ist, dass wir uns wieder auf unser Naiv verlassen können, hält unser neuer Kumpel am rechten Straßenrand an und erklärt uns, dass wir jetzt erst mal ein ganzes Stück nur noch geradeaus fahren müssen.

Wir schaffen noch 30 km, als Marcel nach einer Ampelkreuzung plötzlich wendet und auf einen großen Parkplatz fährt, der für ein Shoppingareal angelegt ist. Jonas steigt aus und fragt, was los ist. Marcel erwidert, dass Florian todmüde ist. Und eins ist klar, wir gehen kein Risiko ein. Wenn sich auch nur einer nicht mehr in der Lage fühlt sicher weiterfahren zu können, dann halten wir an. Und so ist nach 380 km der Tag für uns auch vorbei. Florian fragt, wo wir jetzt zelten wollen und Marcel lächelte nur und sagt, „Wenn du schlafen willst, dann nimm deine Isomatte und hau dich hier hin.“. Ich schau Florian an und habe das Gefühl, er glaubt, Marcel macht ein Scherz. War es aber nicht. Als klar ist, dass wir nicht weiter fahren, ist für uns anderenKroatien_2013_0052 gleichzeitig klar, „Feierabendbier!“. Doof für uns war jetzt, dass wir durch den Energy so fit waren, das wir mit dem Schlafen erst mal Probleme hatten. Vor lauter Langeweile haben wir uns überlegt, wie lustig es wäre, Florians Hupe an seinen Bremslichtschalter von der Hinterradbremse zu klemmen. Wir entschließen uns kurzerhand ein Kabel mit Kabelschuhen zu versehen und es zwischen Hupe und Bremse anzuschließen. Kein leichtes Unterfangen, da Florian direkt neben seinem Moped schläft. Aber mit ein bisschen Geduld und Spucke klappt es dann doch. Jetzt können wir uns wieder unsern Getränken widmen. Und gegen zwei Uhr nachts holt uns dann auch die Müdigkeit ein.

TAG 4

Schöne Aussichten

Irgendwann werde ich frierend wach. Ich schaue mich kurz um und bemerke, dass um uns herum Leute sind. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es gerademal halb vier durch ist. Ich frage mich warum die Menschen so früh einkaufen?! Ich schau mich noch ein bisschen um und frage mich, warum die Leute Tische aufbauen? Oh nein! Wochenmarkt… Ausgerechnet heute! Ich wecke die anderen unter dem Aspekt, dass wir hier wahrscheinlich bald einen potentiellen Stand besetzen. Nach und nach wird einer nach dem anderen wach. Wir sind noch nicht mal alle aufgestanden und da ist es auch schon so weit. Eine ältere Dame versucht uns nachdrücklich zu vermitteln, dass wir hier echt fehl am Platz sind. Wir haben das Gefühl, dass wir in ihren Augen so richtige Arschlöcher sind, weil wir ihren Stammplatz blockieren und sie ja aufbauen will. Unfassbar! Ein ziemlich unfreundliches Marktvölkchen. Also schieben wir die Mopeds gerade beiseite, putzen noch schnell Zähne und sind dann auch bald aufbruchfertig. Beim Packen fällt Florian leider das zusätzliche Kabel an seinem Moped auf, so dass der Spaß mit der Hupaktion leider nicht stattfindet. Aber wir haben es zumindest mal getestet und es hätte funktioniert. Naja, Kabel wieder ab, alles in den Originalzustand versetzt und los, es ist ja auch schon fast vier Uhr!

Wir bemerken schnell, dass die zwei Stunden Schlaf ihre Wirkung völlig verfehlt haben. Wir sind noch ziemlich müde und zerknittert. Nichts destotrotz reißen wir uns zusammen und geben weiter Gas. Nach ca. 45 min Fahrt steigt die Sonne am Horizont auf und wirft ihre Strahlen zwischen Himmel und Erde durch die Wolken. Ein wunderschöner Anblick, der einfach fesselnd ist. Zehn Minuten später sehen wir ein Stück abseits der Straße die Festung Cseszneki.

Wir umfahren sie rechtsseitig und haben das Glück, dass an einer Steigung ein Parkplatz ist, der eine super Sicht auf Cseszneki zulässt. Geistesgegenwärtig fährt Ronny links ran, nimmt den Helm ab und meint, dass es eh Zeit für ein Käffchen wäre und vielleicht ne Kleinigkeit zu essen. Insgesamt lässt es sich hier eine gute Stunde aushalten.Kroatien_2013_0056 das ist ja auch nicht verwunderlich, das Ambiente stimmt halt. Der Weg zum Balaton verläuft weiterhin ohne Komplikationen, außer, dass uns die

Wärme und Müdigkeit zu schaffen machen. Nach 100 km ist es mal wieder Zeit zu tanken. Ronny bemerkt an dieser Stelle, dass gegenüber ein Souvenirshop ist und er generell ein paar Karten für seine Family kaufen möchte. Weil wir erst mal ankommen wollen, vertagen wir das auf später. Zwar wissen wir nicht wirklich, wo wir uns gerade befinden, aber weit kann es nicht mehr sein. Rechter Hand können wir hin und wieder das Wasser durchblitzen sehen.

Kroatien_2013_0064Gegen acht Uhr checken wir am Zeltplatz in Siófok ein. Das war echt klasse, weil wir uns, nachdem wir die Zelte aufgebaut haben, direkt mal ein Bierchen und vielleicht auch den einen oder anderen Schnaps gönnen konnten. Wir haben also schon unseren Spaß vor dem Mittag, natürlich dezent von Musik begleitet. Doof nur für die Ökotruppe von Jugend forscht, die nebenan übernachtet hat. Zum einen hatten unsere Mopeds schon mal für den ersten Weckruf gesorgt und danach unsere Mukke für den zweiten. Den leeren Rotweinflaschen nach zu urteilen, hatten sie den gleichen Spaß wie wir jetzt, bereits gestern Abend. Ein, zwei Stunden später sind Jonas, Florian und ich schon mal zum Balaton gegangen, um die Lage zu checken. Der Rest hat sich ein wenig aufs Ohr gelegt. Natürlich haben wir vorher nochmal nachgesehen, ob die Nachbarn nun alle wach sind, nicht dass da noch einer verschläft. Am Wasser angekommen geht es natürlich direkt rein. Ein bisschen Abkühlung tut gut. Nach der Erfrischung haben wir uns ein bisschen auf die Wiese gelegt und uns gesonnt. Weil mir das zu langweilig ist, nehme ich mir vor, ein bisschen die Gegend anzusehen. Weil Florian mich begleiten will, sagen wir noch Jonas Bescheid, was wir vorhaben. Zwischen dem Campingplatz und dem Freibad, welches wir gerade verlassen, befindet sich so eine Art Touriplatz. Hier gibt es zwei Kneipen, drei Imbissbuden, einen Eismann, ein paar typische Souvenirstrandstände und ein Kinderkarussell. Florian und ich besorgen uns eine Kleinigkeit zu essen und laufen ein bisschen durch die Gegend, bevor wir vorerst zu den anderen auf den Zeltplatz zurückgehen. Dort angekommen legt sich Florian ein wenig hin. Ich bin jetzt zwar auch etwas müde geworden, aber da unser morgiges Ziel Serbien nicht im Navi verzeichnet ist, versuche ich etwas zur Kartenthematik im Internet (übers Handy, im W-LAN, an der Rezeption) herauszubekommen. Das ganze Unterfangen beschäftigt mich gute zwei Stunden. Was ich herausfinden konnte, war der ungarische Grenzübergang, an dem wir uns dann eine serbische Karte kaufen können. Inzwischen, sind die anderen auch wach und wollen zuerst was essen und dann ans Wasser. Als wir am Wasser ankommen, treffen wir Jonas wieder, der in der Sonne eingeschlafen ist und sich tierisch die Beine verbrannt hat. Das sieht echt fies aus! Mit diesen schweren Verbrennungen sollte er auch noch die nächsten drei Tage zu kämpfen haben. Ansonsten ist der Tag so ein richtig schöner Gammel-Bade-Tag. Muss halt auch mal sein.

Gegen Abend haben wir uns überlegt, mal eine „richtige“ warme Mahlzeit zu uns zu nehmen und auf Dosenessen zu verzichten. Also gehen wir in eine der beiden Kneipen. Wir setzen uns an einen Tisch, gucken auf die Pappkarten, die auf den Tischen liegen. Jan fragt Arndt, was er nehmen würde. Er erwidert daraufhin, dass er das Zigeuner Schnitzel nehmen wird. In dem Moment legen alle nach und nach die Karten aus der Hand und entscheiden sich für das gleiche. Wie einfach es ist unter Männern essen zu gehen. Aber wir wären nicht die Drei lustigen Vier, wenn nicht eine Abweichung dabei wäre. Denn Patrick tanzt aus der Reihe und entscheidet sich für das Pfannen-Gyros. Dadurch, dass ich den ganzen Tag nicht viel geschlafen habe, holt mich die Müdigkeit wieder ein. Als die anderen beschließen nach dem Essen noch in die Stadt zu fahren, klinke ich mich aus. Weil sie günstig mit dem Bus in die Stadt kommen würden, müssen sie sich jetzt etwas beeilen, denn der nächste fährt in 5 Min. Ich lehne mich indessen zurück, rauche noch in Ruhe eine, bestell mir noch ein Bierchen und lausche den Klängen der gemieteten Outdoor-Kapelle aus der Nachbarkneipe. Den Abend wird nun Ronny beschreiben. Aufgrund der Tatsache, dass der Rest der Bande erst recht spät wieder am Zeltplatz war, muss es auch sehr interessant gewesen sein.:

»Wie David bereits eben beschrieben hat, haben wir den Plan, diesen Abend noch so richtig einen drauf zu machen. Da der Zeltplatz leider doch etwas entfernt vom Stadtzentrum gelegen ist, sind wir auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Wir bringen in Erfahrung, dass die Busse in für uns nur sehr unbefriedigenden Zeitabständen Richtung Stadt fahren. Daher entscheiden wir uns für ein Großraum-Taxi. Dem Taxifahrer geben wir zu verstehen, heut Abend noch etwas erleben zu wollten. Er weiß direkt wo er uns absetzen muss. Florian macht mit dem Fahrer gleich einen Termin für den nächtlichen Rücktransport zum Campingplatz aus.

Wir verlassen also das Taxi im gut belebten Zentrum von Siófok und der erste Gedanke war: „Was, so kurze Röcke gibt es?“. Die Stadt ist überflutet mit gut aussehenden jungen Damen, die mit ihren Reizen nicht geizen. Der erste Mochito-Stand ist unser und wir bestellen gleich mal eine Runde. Man kann nicht sagen, dass der Cocktail wirklich gut geschmeckt hat – aber billig war er. Ausgerüstet mit einem halben Liter Mochito im Plastebecher machen wir uns auf den Weg durch die Menschenmassen der Partymeile Petöfi Setany. Auf besagter Straße stellen viele lokale Künstler ihre Werke aus, bieten Portrait-Malerei an und verkaufen ihre selbst hergestellte Kunst. In diesem Gedränge dauert es auch nicht lange, bis wir uns gegenseitig verlieren. In Gruppen zu zwei, drei Mann erkunden wir die Umgebung und erfreuen uns so ganz nebenbei des Öfteren am Anblick der lokalen Weiblichkeit. Schlussendlich treffen wir uns alle in einer Art Après-Ski-Bar wieder, welche man sowohl über den normalen Eingang durch eine Tür, aber auch über diverse Fensteröffnungen legitim betreten kann. Hier haben wir noch mal richtig Spaß, tanzen auf den Tischen und dazu gibt es einheimisches Bier und den ein oder anderen Kurzen. Interessanterweise müssen Marcel, Patrick und ich gleichzeitig austreten. Da die WCs alles andere als sauber sind, beschließen wir im nahe gelegenen Park unser kleines Geschäft zu erledigen. Dort angekommen, fällt die Wahl auf ein unscheinbares Gebüsch. Gerade noch rechtzeitig bemerken wir, dass sich im Geäst direkt vor uns etwas „regt“. Da vergnügen sich doch tatsächlich vor unserer Nase zwei Partygänger, die es nicht mehr bis nach Hause ins Bett geschafft hatten. Haben die ein Glück, dass wir sie noch bemerkt haben, sonst wäre es im wahrsten Sinne „feucht“ geworden.

Pünktlich um 01:00 Uhr versammeln wir uns am mit dem Taxifahrer vereinbarten Treffpunkt und lassen uns wieder in Richtung Zeltplatz fahren. Nachdem das Taxi bezahlt ist, kam uns wie so manches Mal in den Sinn: „das kann es doch noch nicht gewesen sein, oder?“.Wir haben großes Glück. Eine der drei Kneipen vor dem Campingplatz ist gerade dabei, ihre „Pforten“ zu schließen (die anderen sind bereits geschlossen). Wir können den Barkeeper doch noch überreden, die Zapfhähne noch einmal zum Laufen zu bringen. Zufälligerweise spricht er auch noch deutsch, und so berichten wir ihm von unserer Tour und denen aus vergangenen Jahren. Anklang findet vor allem der von uns erwähnte Trabant, der in den letzten beiden Jahren unser Begleitfahrzeug war. Er selbst sei großer Trabant-Fan und könnte uns ein oder auch mehrere Fahrzeuge zu einem sehr guten Preis verkaufen. Wir tauschen vorsichtshalber mal Adressen aus. Nach einem letzten „Gute-Nacht-Bier“ vor den Zelten geht es dann auch für die letzten in die Schlafsäcke, denn wir sind sicher, mit David als Weckdienst hätten wir keine Gnade zu erwarten.«

TAG 5

Zu Gast bei Freunden

Es ist morgens halb sieben in Ungarn. Mein Wecker klingelt. Lust habe ich keine. Ich gönne mir und somit der gesamten Gruppe noch zehn Minuten. Dieses Mal klappt es auch. Also heißt es kurz nach halb sieben, „AUFSTEHEN!“. Auch wenn uns allen die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben ist. Wir klettern alle langsam aber sicher aus unseren Schlafsäcken und Zelten, außer Jonas, er hat unter freiem Himmel geschlafen. Träge und zerknittert packen wir unsere Sachen ein und satteln die Mopeds wieder auf. Heute früh ist von unseren Nachbarn nichts zu sehen. Vielleicht haben sie auswärts übernachtet?! Als alle fertig gepackt haben, schieben wir langsam die Mopeds zur Rezeption vor, wir wollen ja niemanden wecken. Als wir unsere Pässe von der Empfangsdame zurückerhalten haben, geht es weiter auf den Weg in die unendlichen Weiten.

Eine halbe Stunde nach dem Start – so gegen 08:30 Uhr – halten wir aber auch schon wieder an. Marcels Moped will heute nicht so richtig voran. Irgendwie komisch. Die ganzen Tage zuvor ist sie doch so gut gelaufen. Als wir anhalten sagt er, dass sie nicht so richtig zieht. Komisch ist, dass das Phänomen auch noch auftritt, als er sie schieben will. Mit seinem Adlerauge hat er natürlich sofort erkannt, dass das Hinterrad schleift. Wir bauen es also auseinander und gucken uns an, was da los ist. Aber obwohl 16 Augen mehr sehen als zwei, haben wir alle nichts Bedenkliches erkennen können. So bauen wir es wieder zusammen. Und als wäre nichts gewesen, dreht es wieder frei, wie am ersten Tag. Wahrscheinlich hat die Bremse sich irgendwie ein bisschen verkantet?! Naja, wie dem auch sei, weiter geht es.

Auf dem Weg müssen wir noch ein, zwei Mal anhalten, um Marcels Moped etwas abkühlen zu lassen, bevor wir gegen halb elf die Donau überqueren. Wir haben jetzt nicht ganz ein Drittel der Tagesstrecke hinter uns gebracht und fast die Hälfte bis zur ungarisch-serbischen Grenze. Ab jetzt kommen wir super voran und müssen vor dem erstem Tankstopp nicht mehr anhalten. Diesen erreichen wir nach 120 km. Ungefähr 30 km vor der Grenze halten wir noch einmal an. Wir suchen einen Supermarkt auf, um eine Creme für Jonas‘ Sonnenbrand zu kaufen, der ihn schon den ganzen Tag plagt. Glücklicherweise befindet sich hier sogar eine Apotheke. Die freundlichen Kollegen vor Ort können uns auch direkt mit einer Wund- und Heilsalbe aushelfen. Aber medizinische Güter werden nicht konsumiert, bevor Ronny – unser angehender Facharzt – einen prüfenden Blick darauf geworfen hat. Er befindet die Salbe aufgrund der Inhaltsstoffe (welche sich aus diversen lateinischen Namen zusammensetzen) für gut. Also gekauft, drauf auf die Beine und weiter nach Tompa, die Grenzstadt nach Serbien.

Ein Uhr nachmittags erreichen wir die serbische Grenze. Das gesamte Verfahren hält uns etwa eine Stunde auf. Zwar nicht die Zollabfertigung, aber die Aftershowparty. Nach der Grenze treffen wir ein paar Leute, die gerade auf dem Weg nach Montenegro sind und aus Deutschland kommen. Sie stellen schnell fest, dass wir auch Deutsche sind und so kommen wir ins Gespräch. Ich weiß nicht, ob wir so bedürftig aussehen oder sie einfach Mitleid haben, als wir ihnen sagen, dass wir auch noch bis nach Montenegro wollen. Auf jeden Fall haben sie uns ein paar Leckereien gegeben. Chips, Obst, Saft, verschiedene Sachen, die uns den Tag noch versüßen sollten. Echt nette Leute! Auch wenn wir es in mden letzten Tagen vergessen haben, da wir es meist nicht mitbekamen, aber heute wollen wir endlich mal ein typisches „Länderwechselbild“, vor dem serbischen Willkommensschild machen.

Kroatien_2013_0086Das Ganze dauert natürlich auch nicht wirklich lange, ist auch nicht schlimm, denn wir wollen weiter. Wir brauchen ja auch noch eine Straßenkarte von Serbien, denn das Navi hat jetzt erst mal Pause. Nach etwa 1000 m sollten wir diese aber auch schon an einer Tankstelle für umgerechnet schlappe 7,00 € bekommen. Was an dieser Stelle sehr positiv auffällt ist, dass es hier zu Lande generell an den Tankstellen so nette Mädels gibt, die die Fensterscheiben sauber machen. Doof für uns, wir haben leider keine Scheiben. Diesmal heißt der Gewinner Jonas.

Kurz nach Subotica sind wir ein wenig vom Weg abgekommen und sind sieben Kilometer in die falsche Richtung gefahren. Ich habe zum Glück meinen Kompass an der Hand und bemerkt, dass die Richtung, in die wir fahren, laut Karte nicht wirklich richtig sein kann. Daraufhin haben wir im nächsten Ort einen jungen Mann gefragt, ob wir richtig seien. Er verneinte diese Frage und hatte uns trotz Sprachbarriere erklären können, wie wir wieder auf die richtige Route kommen. Auf dem Rückweg wird Marcel neben mir langsamer. Ich gucke ihn an, während mein Blick langsam nach hinten gleitet. Ich sehe, wie er erst mit dem Finger auf seinen Tank zeigt und dann mit einer Handbewegung in der Luft von links nach rechts signalisiert, dass derselbige leer ist. Wir müssen also anhalten. Aber komisch ist es dennoch, da wir seit dem letzten Tankstopp gerade mal 80 km hinter uns gelassen haben. Marcel sagt, dass sein Moped auf dem letzten Kilometern richtig gut lief. Er meint, er und sein Moped hätten sich arrangiert und dass er dafür auch einen Verbrauch von 8 l/ 100 km in Kauf nehmen würde.

Zum Vergleich, wir hatten während der gesamten Tour durchschnittlich 3-3,5 l/ 100 km, je nach Fahrer.

Aber glücklicherweise war das die erste und letzte Erscheinung dieser Art. Wahrscheinlich war der Benzinschlauch nicht richtig zwischen Tank und Vergaser befestigt. Knappe 10 km weiter in Kevi, einem kleinen Dorf, in dem man selbst, wenn es in Deutschland wäre, nicht tot überm Zaun hängen will, haben wir uns ein bisschen verfahren. Naja, unsere Karte war halt nur bedingt geeignet für Strecken abseits der Bundesstraßen. Aber Ronny meinte, dass wir ruhig mal ein paar Nebenwege mitnehmen können. Ich persönlich geh bei so was lieber auf Nummer sicher, aber die Demokratie der Gruppe hat halt so entschieden. Aber das ist auch genau das, was es ausmacht. Dass jeder gleichberechtigt ist und jeder seine Gedanken und Ideen einbringen kann. Denn auch wenn zum Beispiel Ronny die Routen plant, weil er sich in den letzten Jahren bewährt hat, tauschen wir immer Zwischenstände aus und jeder kann Änderungswünsche äußern. Naja, ich schweife ab. Zurück nach Kevi.

Dass wir uns verfahren haben, haben wir daran gemerkt, dass wir auf einmal vor einer staubigen, sandweichen Ackerstraße standen. Ein Einwohner der Stadt, den wir nach dem Weg fragten meinte, dass wir zwar theoretisch diesen Weg nehmen könnten, aber er mit Zweirädern sehr gefährlich sei, weil die Straße alles andere als befestigt sei. Aber Patrick, Marcel und Ronny wollten zumindest einmal „the real Offroadfeeling“ erleben.Kroatien_2013_0098Weil aber die anderen keine Lust drauf hatten, mit Gepäck zu stürzen, sind die Drei einmal die Straße reingefahren und wieder zurück. Jonas hat das staubige Spektakel fotographisch dokumentiert. Beinahe sind sie dann auch noch zusammengekracht, aber es ist zum Glück nichts passiert. Jedenfalls sahen die Drei jetzt aus wie Sau, waren aber glücklich. Und wir konnten weiter. Nachdem wir innerhalb von Kevi die richtige Abzweigung gefunden haben, erwarten uns nur noch asphaltierte Straßen. Diese machen zwar den Eindruck von Agrar bedingter Straßen, weil sie zumeist einspurig sind, aber sie lassen sich gut fahren. Hin und wieder müssen wir mal rechts ran, um entgegenkommende Autos durchzulassen. Das kennen wir alles noch aus Schottland. Nach 50 km serbischem Outback kommen wir ca. 30 km vor Bečej, unserem heutigen Tagesziel, wieder auf eine Hauptstraße. Hier treffen wir auch zum ersten Mal wieder auf Zivilisation und einen Eisverkäufer. Alles klar, Kaffee-/Eispause!

Kroatien_2013_0103Der Verkäufer war echtgut drauf und obwohl wir und er kein Wort vom jeweiligen Gegenüber verstanden haben, haben wir uns doch recht gut verstanden. Zumindest bekamen wir, was wir bestellt hatten. Nach dem Bäuschen fahren wir dann wieder Richtung. 15 Minuten später stehen wir in Bečej an einer Tanke und füllen direkt mal Oktansaft nach, bevor wir zur Tante und zum Onkel meiner Arbeitskollegin Diana fahren, zu Seka und Bato. Ich hatte mich in Vorbereitung zu der Tour mit Diana unterhalten, dass doch Verwandte von ihr in Serbien wohnen würden und hatte eigentlich scherzhaft gesagt, dass wir doch da schlafen könnten, wenn es auf dem Weg liegt?! Ohne dass ich da weiter dran gedacht hätte, kam sie ein paar Tage später zu mir und meinte, ach übrigens, ich habe mit meiner Tante gesprochen, ihr könnt da pennen“. OK! Das klingt schon mal super. Nach der Absprache mit Ronny zur Strecke hatten wir einen festen Schlafplatz in Serbien. Ein kleines Problem bestand nur noch. Und zwar ist die Straße, in der die beiden wohnen, noch nicht mal bei Google verzeichnet (bis dahin dachte ich, Google weiß alles). Da ich so ungefähr die grobe Richtung weiß, haben wir dann doch relativ schnell zu ihnen gefunden. Als wir knatternd vor ihrem Haus vorfahren, kommt uns Bato schon entgegen. Und obwohl wir die beiden nicht kennen und sie uns dementsprechend auch nicht, werden wir so herzlich empfangen, wie lange nicht mehr. Nachdem wir die Mopeds und den Wagen auf dem Grundstück geparkt haben, zeigt Bato uns erst mal alles. Als wir dann im Wohnzimmer sitzen und er fragt, ob wir was trinken wollen, zögern wir erst mal ein wenig. Wir haben schon etwas Bierdurst, wollen aber nicht gleich einen schlechten Eindruck machen. Florian sagt, dass er ein Wasser nehmen würde. Als Bato dann die Reihe rum geht und auf jeden zeigt und fragt, was er will, bricht Arndt das Eis und fragt nach Bier. Anschließend wollen alle ein Bier und auch Florian storniert seine Bestellung. Bato sagt nur, „Ach jetzt nimmt er doch ein Bier?!“.

Seka und Bato machen ein bisschen Druck, dass wir gleich erst mal Essen gehen würden, aber wir wollen vor der Dunkelheit schnell ein paar kleine Reparaturen vornehmen. So Sachen wie Kette lockern, usw. Parallel dazu bauen wir noch schnell zwei Zelte auf. Das Angebot, dass alle im Haus schlafen könnten, steht zwar, wir wollen aber keine großen Umstände bereiten. Als wir damit fertig sind, gehen wir ein Stück, um eine Gaststätte zu finden. Entlang am Fluss Tisa, zeigt sich eine Bootsstegatmosphäre mit kleinen Gaststätten und Kneipen. Das Problem ist nur, dass wir schon etwas spät dran sind und die meisten die Küchen schon geschlossen haben. Aber das „good food“ würde uns noch was zu essen zubereiten. Da wir die Karte eh nicht lesen können, bestellten Seka und Bato für uns. Einige Zeit später bringt der Kellner große Platten mit reichlich Fleisch darauf. Das Essen schmeckt hervorragend! Für uns ist klar, dass wir die Beiden zum Essen einladen. Als sich Ronny kurz bevor wir fertig sind heimlich reinschleicht um zu bezahlen, wird ihm vermittelt, dass schon alles bezahlt wäre. Hm doof… Wir erklären den Beiden, dass wir sie einladen wollen, aber da gibt es nichts zu diskutieren. „Wir laden euch ein! Doch wenn einer von euch heiratet, ladet ihr uns zur Hochzeit ein und könnt unsere Gastgeber sein.“, meinen sie nur dazu. Mit gefüllten Bäuchen gehen wir wieder zum Haus der beiden und legen uns dann vor lauter Müdigkeit und mit vollen Bäuchen bald ins Bett.

TAG 6

Ein Bierchen in Ehren…

Dieser Tag fängt super an. Nachdem wir aufgestanden sind und uns etwas frisch gemacht haben, saßen wir wieder an Batos Esstisch. Denn obwohl wir den beiden, wie bereits erwähnt, keine großen Umstände machen wollten, hatten sie uns schon am Vortag gesagt, dass sie extra was fürs Frühstück eingekauft hatten. Aber noch sitzen wir an einem leeren Tisch und Bato fragt, ob wir ein richtiges serbisches Frühstück wollen. Wir gucken uns alle fragend an und nicken ab. Dann holt er Schnapsgläser heraus und schenkt erst mal jedem einen Kräuterschnaps ein. Auch nicht schlecht, denken wir uns. Dann bringt Seka schon das Essen aus der Küche. Es gibt leckere Wurst vom Schlachter, Käse und diverse lokale Spezialitäten. Zwischendurch fragt Bato, ob wir noch einen Schnaps wollen, aber wir müssen dankend ablehnen, da wir ja noch fahren müssen. Er meint daraufhin nur: „Ich muss heute nicht mehr fahren, ich trink noch einen.“

Nach dem Essen gehen wir wieder unsere Mopeds packen. Dabei haben wir schon überlegt, was wir den beiden als Gastgeschenk da lassen können. Da wir nicht wirklich was aus der Heimat dabei hatten, außer unserer sehr leckeren Wurst von der Fleischerei Münch, haben wir ihnen davon etwas da gelassen. Jonas und Ronny, die einkaufen waren, hatten den beiden noch eine Flasche Rotwein besorgt. Kroatien_2013_0121Leider können wir Seka und Bato nicht alles zurückgeben, was wir bekommen haben. Aber ein Foto brauchen wir noch! Und so entsteht vor dem Haus unserer Gastgeber noch ein schönes Gruppenfoto. Wir bedanken uns nochmals recht herzlich, bevor uns wieder der Fahrtwind durch das Gesicht weht.

Die ersten 50 km bis nach Novi Sad kommen wir sehr gut voran. Wir konnten den Weg sehr gut ausarbeiten am Abend zuvor, da Bato noch etwas detailliertere Karten von Serbien hatte. Kurz nach Novi Sad wird das Flache, Mecklenburg-Vorpommern-ähnliche Land, was wir vom Vortag gewohnt waren, ganz plötzlich sehr bergig. Innerhalb von 30 km gewinnen wir fast 450 m an Höhe. Durch den Anstieg kommen wir nur sehr langsam voran. Am Scheitelpunkt des Berges machen wir dann auch direkt eine kleine Pause. Denn nicht nur für uns war der Weg hier hoch anstrengend, auch den Motoren gönnen wir eine kleine Abkühlung. Doch ab jetzt machen nicht nur die Berge den Mopeds zu schaffen, jetzt kommt auch noch die sengende Hitze dazu. Denn ab jetzt wird es täglich zwischen 10:00 und 19:00 Uhr so unmenschlich warm, dass man mit dem Mopedklamotten nur ungern in der Sonne stehen möchte. Auch die Leistung der Maschinen fällt in dieser Zeit deutlich ab. Nachdem wir wieder bergab gefahren sind, sehen wir auch vermehrt Stände mit Melonen und diversen anderen Früchten am Straßenrand. Aber nicht solche Melonen, wie wir hier kennen. NEIN, ganz und gar nicht. Diese waren um einiges größer. Beim ersten Passieren eines solchen Standes ist mir direkt klar, dass ich so eine Melone haben will, bevor wir das Land verlassen.

Gegen halb Zwölf tanken wir wieder mal unsere Mopeds auf und beschließen direkt, dass die nächste Gaststätte, die wir sehen, unsere ist. Wir waren halt zeitig wach und es ist ja auch schon fast Mittag. Unserm Wunsch nach etwas zu essen folgend, fuhr Patrick nicht mal einen Kilometer nach der Tanke rechts ran und führte uns zu einem Lokal, das aussah, als würde man da gut speisen können. Wir setzen uns also hin und bestellen erst mal eine Runde Bier für fast alle. Florian und ich gehen auf Cola. Wir wollten nicht riskieren, dass wir bei der Hitze auf nüchternen Magen einen in der Krone haben. Die freundliche Kellnerin brachte uns die Getränke raus. Wir fragten sie höflich, was wir hier zu essen bekommen würden. Darauf hin erklärt sie uns, dass es hier nichts zu essen gäbe… Naja, dann war der Fall für uns klar. Wir trinken aus und fahren weiter. Während wir so trinken, kommt der Chef des Ladens an unseren Tisch. Er fragt uns, ob wir vielleicht eine Mail in die Heimat schreiben wollen, er hätte Internet da. Coole Sache, da der Datentarif von Jan nur innerhalb der EU gültig war.

Ronny und ich gehen also in seinen Laden, um etwas bei facebook zu posten. Nebenbei fragt er uns, ob wir was essen wollen und wir sagten natürlich ja. Er meint, dass es in der Nähe etwas gäbe und wir das dann in seiner Kneipe essen könnten. Er fragte uns, was wir wollen und macht uns deutlich etwas zu besorgen. Nachdem wir mit Schreiben fertig sind, gehen Ronny und ich wieder zu den anderen zurück und erklären, dass es bald Essen gibt. Problem an der Sache ist nur, dass wir aufgrund von Verständnisschwierigkeiten nicht mitbekommen haben, dass er uns nur sagen wollte, dass wir hier fremdes Essen herbringen dürfen. Irgendwann bekommen wir den Fehler mit und wollen dann auch bezahlen. Als jeder nochmal zur Toilette geht, bin auch ich irgendwann an der Reihe. Ich suche also das Herrenklo auf und schließe ab, tue was getan werden muss und will nun wieder raus. Doof nur, dass der Schlüssel sich von innen nicht mehr schließen lässt. Ich will auch nicht so sehr daran wackeln, dass das Schloss ganz kaputt geht. Gut, ich würde ja durchs Fenster raus, aber das ist leider zu klein für mich. Also mache ich mich bemerkbar. Als die Kellnerin mich hört, schickt sie den Chef ans Fenster, der den Schlüssel holt und mich dann aus der Misere befreit. Das Gelächter der anderen ist natürlich groß, als ich wieder raus komme. Naja, was will man machen…

Als wir bezahlen wollen, ruft die Kellnerin einen Betrag von 15,-€ auf. Naja nicht gerade südländische Preise, aber OK. Jonas und ich legen Jan ans Herz ihr 20,-€ zu geben, weil sie ne Hübsche ist. (Zum Glück hatte sie uns nicht verstehen können.) Als wir uns gerade wieder anziehen wollen, kommt die Gute mit einer neuen Rutsche Bier raus.

Kroatien_2013_0136Wir erklären ihr, dass wir das nicht bestellt haben. Sie zeigt nur auf ihren Chef und dass er das bezahlen würde. Hm… wenn der Chef schon mal ne Hausrunde gibt, kann man auch nicht nein sagen. Obwohl wir noch nichts gegessen hatten, konnten/mussten Florian und ich den anderen jetzt ein bisschen beim Trinken helfen. Nachdem alle Gläser geleert waren, ging es für uns wieder auf die Mopeds. Ob wir dürften, wissen wir nicht. Auf jeden Fall machen wir auch hier noch ein Teamfoto und fahren dann weiter. Immerhin sind hier zwei Stunden ins Land gegangen und wir mussten noch ein paar Kilometer fahren.

Nach 50 km erreichen wir gegen 15:00 Uhr Valjevo. Nach Absprache mit Ronny steuern wir eine „gelbe Straße“ (das sind die kleineren auf der Karte) an, um von dort aus nach Užice zu gelangen. Užice ist die letzte größere Stadt vor unserem Tagesziel, das wir heute am längsten Tag der Reise (350 km) erreichen wollen. Es ist der Zlatarsko See kurz vor der Stadt Nova Varos. Bis dort hin sind es noch ca. 150 km. Natürlich finden wir in Valjevo nicht gleich den richtigen Weg und verfahren uns ein wenig. Das ganze kostet uns dennoch nur 20 Min. Als wir gerade auf dem richtigen Weg stadtauswärts sind, überholt uns an einer Steigung ein einheimischer Mopedfahrer. Hat mich persönlich schon ein bisschen geärgert, dass er bergauf schneller war als wir. Aber diese Gedanken verfliegen schnell, als er uns ausbremst und uns zum Anhalten bringt. Wir vermuten, dass er von der Polizei ist, auch wenn seine äußere Erscheinung nicht darauf schließen lässt. Wir nehmen gerade die Helme ab und unmittelbar versucht er uns verständlich zu machen, wir sollen uns auf die Bierbänke setzten, die vor dem Kaufladen stehen, an dem er uns anhielt. Bereitwillig folgen wir seinen Anweisungen. Wir gucken uns fragend an, was das alles soll, während er in den Laden geht. Gut… erst mal nen Kippchen an und warten, was passiert. Nach einer Minute kommt er wieder raus und hat einen Korb voller Bier in der Hand. Wir schauen uns an, nicken wieder ab und freuen uns über die Gastfreundlichkeit der Serben. Unser Spender freut sich anscheinend so sehr über unsere bloße Anwesenheit, dass er uns einen ausgeben will, um sich mit uns zu unterhalten. Und genau das versuchen wir. Wir zeigen ihm unsere Karte und wo wir heute noch hin wollen. Mit Händen und Füßen wird gesprochen und ich denke, ich untertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir und er sicher nur ein Drittel des anderen verstanden haben.

Zwischendurch telefoniert er immer wieder und immer mehr Leute kommen dazu. Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass sicher 15 Menschen an und um unseren Tisch stehen. Ein Bekannter oder Freund von ihm kommt auch noch dazu. Ab jetzt wird das Gespräch etwas einfacher, denn dieser spricht Englisch. Und so gibt er uns die Empfehlung, dass wir die „gelben Straßen“ lieber meiden sollten, zumal es sicher bald dämmern würde und die Straßen sehr schlecht dort sind. Es ist eine sehr lustige Runde und wir haben viel Spaß und obwohl wir uns nicht kennen und uns kaum verstehen, haben wir uns viel zu erzählen. Noch bevor das erste Bier leer ist, kommt auch schon ein kleiner Junge aus dem Laden, der für Nachschub sorgt. Bei solchen Sachen bin ich meist der Miesepeter.

Kroatien_2013_0151Ich guck Marcel an und zeige auf die Uhr. Er schaut mich lächelnd an und sagt: „Was willste machen?!“, und setzt zu seinem zweiten Bierchen an. Naja, ich habe immer im Hinterkopf, dass wir halt noch gute fünf Stunden fahren müssen und es kann halt auf dem Weg immer was sein.

Als wir das zweite Bier getrunken haben, machen wir unserem Freund deutlich, dass wir langsam weiter müssen. Er und sein englisch sprechender Kumpel bringen uns noch auf den richtigen Weg zur Stadtgrenze. Hier machen wir natürlich noch ein Foto, bedanken uns für die schöne Zeit und fahren dann weiter Richtung Užice, aber diesmal auf einer „roten Straße“.

Ronny hat ab jetzt die Karte und biegt nach 60 km auf eine Nebenstraße ab. Er begründet das damit, dass dieser Weg erheblich kürzer sein muss, als über die Hauptstraße einen Bogen um Užice zu machen. Ich vermute, dass er sich dachte, ein bisschen Outback muss schon sein. Hier kommen wir an einen Anstieg, an dem sogar der T5 zum ersten Mal aufgeben will. Florian und ich haben einen Lauf und versuchen ein paar Meter zu machen, doch wir haben das Gefühl, dass dieser Berg nie enden will, obwohl es gerade mal ein Kilometer war, als wir anhalten. Hier warten wir auf die anderen. Nach und nach kommen alle an. Da das die Einfahrt zu einem Privatgrundstück ist, kommen wir mit dem Besitzer ins Gespräch und erkundigen uns, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Er kann uns das bestätigen und zwei nette Damen, die zufällig vorbei kommen, führen uns noch ein Stück den Berg hinauf, damit wir an der nächsten Gabelung nicht falsch abbiegen.

Wir fahren noch ca. 20 km eine wilde Berg- und Talfahrt und brauchen dafür eine gute Stunde. Die Sonne beginnt schon hinter den Bergen zu verschwinden und soweit südlich geht sie auch merklich schneller unter. Wir wissen, dass wir die letzten 70 km eh nicht mehr schaffen werden, weil wir alle total müde sind. Immerhin sind wir nun schon seit guten 11 Stunden unterwegs und haben 275 km gemacht. Dadurch, dass wir gerade an einem geeigneten Platz zum Zelten sind, nutzen wir die Chance. Noch weiter in die Dunkelheit hinein zu fahren und evtl. keinen Schlafplatz zu bekommen, ist sinnlos. Wir bauen also unsere Zelte auf einem Hügel auf, etwas abseits der Straße. Hier ist viel Platz und nur ein Haus in der Nähe, dessen Anwohner wir sicher nicht stören werden.

Als wir gerade die Zelte stehen haben, kommt ein Mann mit seinem Hund vorbei. Augenscheinlich wohnt er in dem Haus von nebenan. Wir fragen ihn höflich, ob wir hier schlafen dürfen. Aber er macht den Eindruck, dass er kein Wort versteht. Er lächelt nur freundlich und nickt. Danach geht er wieder weg. Eine Weile später kommen mehrere Menschen aus dem Haus. Na toll, jetzt schicken sie uns bestimmt weg. Aber nein. Ein älterer Mann ist dabei, der ein paar Brocken Deutsch spricht. Er meint es wäre kein Problem hier zu schlafen. Er stellt uns ein paar Fragen zur Reise, was wir noch vorhaben und wo wir her kommen. Nach jeder Antwort übersetze er für seine Familie. Kroatien_2013_0181Auf einmal kommt ein Jugendlicher mit einer kleinen 0,5 l Flasche Sprite vorbei, die uns der ältere Herr dann gibt. Wir sollen das mal versuchen, sagt er: „Das ist gut, wenn Tank leer, füllst du rein.“ Wie wir in der Runde stehen, nehmen wir alle einen kleinen Schluck. Puhhh. Das ist ein hochdosierter Selbstgebrannter, gutes Zeug! Unsere neuen Freunde waren wohl der Ansicht, dass wir noch mehr von ihrem Zaubertrank vertragen können. Schon kurze Zeit später kommt ein anderer junger Mann mit einer 1,5l Flasche selbst hergestellten Likör. Wir haben sie im Gegenzug auf ein Bierchen eingeladen.

Sie blieben noch eine kurze Weile und gingen dann aber bald wieder ins Haus zurück. Ihr Hund, wir haben ihn „Doris“ getauft, blieb noch den ganzen Abend bei uns, bis sein Besitzer ihn in den frühen Morgenstunden wieder abgeholt hat.

TAG 7

Wenn’s mal wieder länger dauert…

Kroatien_2013_0182Als ich um halb fünf aus dem Zelt klettere und mich ein wenig frisch mache, bietet sich mir ein wunderschönes Panorama. Unsere Hügellage bietet uns einen atemberaubenden Blick über diese in morgendlichen Nebel gehüllten Berge. Der rötliche Schimmer der aufgehenden Sonne überdeckt die Landschaft. Die Sonne taucht langsam hinter ein paar Sträuchern im Osten auf. Westlich ist der Vollmond noch leicht zu erkennen. Um uns herum öffnet sich die unendliche Weite Serbiens.

Nach und nach kommen alle aus ihren Höhlen gekrochen. Doris ist auch schon wieder da und freut sich uns zu sehen. Wahrscheinlich dachte sie, dass sie noch ein Stück von der leckeren Wurst bekommen würde, wie auch schon am Abend zuvor. Wir packen in Ruhe alles wieder zusammen und gönnen uns noch ein Käffchen. Dann kommt auch nochmal der ältere Herr von gestern und verabschiedet uns. Wir lassen uns die Chance nicht nehmen und überreden auch ihn zu einem Gruppenfoto. Dann machen wir uns wieder auf den Weg.

Die letzten 10 km bis nach Užice sind leichte Kost. In der Stadt verfahren wir uns ein wenig. Aber wir bekommen es schnell mit und wenden wieder. Jetzt sind wir auf dem richtigen Kurs. Kurz nach Užice müssen wir dem T5 etwas Motoröl geben, er hatte sich beschwert und seinen Unmut in Form der leuchtenden Öllampe zum Ausdruck gebracht. Aber nach zehn Minuten geht es auch schon weiter. Jetzt haben wir einen Lauf. Die Straße ist ausladend groß und bietet uns einen wunderbaren Asphalt. Die Mopeds laufen super, beatmet durch die kühle Morgenluft. Eine kurvenreiche Strecke macht das Fahren zum Vergnügen. Nach ca. 60 km ist Jan leer, wir halten kurz an und füllen direkt bei allen was auf. Die nächste Tanke, die wir nach zehn Kilometern sehen, laufen wir an. Aber vor den Tanksäulen hängen dicke Schlösser. Hier ist bestimmt lange kein Sprit mehr durch gelaufen. Naja was solls, erst mal weiter. Nach einem Kilometer kommen wir am Zlatarsko See an. Hier halten wir an einem Restaurant. Wir machen eine ausgedehKroatien_2013_0187nte Frühstücksrast mit Blick auf den See. Super so früh am morgen. Es ist schließlich erst um acht. Wir lassen es uns gut gehen. Wir sind wieder im Rennen und nichts kann uns stoppen. Nach fast 1,5 Stunden verlassen wir diesen schönen Ort und fahren weiter zur montenegrinischen Grenze.Vorher tanken wir noch auf.

Nach etwa 30 km, kurz vor der Grenze, halten wir nochmal an um Zigaretten zu kaufen. Die serbischen Kippen sind günstig und was uns in Montenegro erwartet, wissen wir nicht. Ronny, Jan und ich gehen in den kleinen Laden an der Straße. Der Laden ist ganz typisch, wie man sie halt kennt. Etwas Obst, Gemüse, eine kleine Kühltheke und Kippen. So n kleiner Konsum halt. Wir betreten den Laden und begrüßen die Kassiererin recht freundlich. Eine nette junge Dame. In der „Gemüseabteilung“ sehe ich eine riesige Melone auf der Erde liegen und mache der Verkäuferin verständlich, dass ich diese haben will. Darauf hin macht sie mir verständlich, dass ich sie mal vor zur Wage bringen soll. Hier wird nämlich nach Kilos abgerechnet. Das gute Stück bringt 13 kg! Als wir alles bezahlt haben und somit unsere letzten serbischen Dinar ausgeben, verlassen wir den Laden. Mit der Melone im Gepäck kommen wir zu den anderen. Florian fragte nur, „Wieso hast de denn ne Melone gekauft“. Ich sage zu ihm, dass man ne Melone immer gebrauchen kann. Und es ist besser eine zu haben, als zu brauchen.

Los gehts. Weit kann es bis zur Grenze nicht mehr sein. Wir fahren wieder einen fast 30 km langen Anstieg immer an einer Bergflanke entlang. Ronny und ich sind vorn. Als ich bemerke, dass auf einmal keiner hinter uns ist, gebe ich ihm Bescheid. Wir stoppen und warten erst mal. 

Als nach zehn Minuten keiner nachkommt, meint Ronny, dass wir vielleicht mal gucken sollten. Wir fahren also zurück. Das ganze dauert gute vier Kilometer, bis wir mal wen antreffen. Wir fragen, was los war. Patrick erklärt uns, dass er seinen Stopfen, der das Öl-Nachfüllloch verschließt, verloren hat und jetzt Öl aus seinem MZ-Motor spritzt. Außerdem würde sie nicht mehr wirklich gut laufen und viel zu fettig sein. Nach einer dreiviertel Stunde läuft die gute alte MZ wieder. Nach zehn Kilometern erreichen wir die Grenze. Als wir nach der serbischen vor der montenegrinischen Zollkontrolle stehen, will Jonas uns fotografieren, wie wir halt vor der Grenze stehen. Doof nur, dass das ein Zollbeamter sieht und direkt vermerkt, das er das lassen soll. Schnellen Schrittes geht er auf Jonas zu und ich denke mir, scheiße, jetzt zieht er die Speicherkarte ein… Aber wir haben Glück, er gibt sich damit zufrieden, dass wir das letzte Bild löschen und so dürfen wir Kamera und Karte behalten.

Ansonsten läuft die Grenzkontrolle reibungslos. In der Warteschlange signalisiert uns ein Polizist, wir sollten doch mal mit dem Gas spielen. Das lassen wir uns doch nicht zweimal sagen. Aber der 50 ccm Simson-Zwei-Takt-Sound bringt ihn und seine Kollegen nur zum Lachen. Die verstehen es einfach nicht…

Mittags um zwölf in Montenegro. Die Sonne scheint vom Himmel und die Motoren rasseln schon wieder erbarmungslos. Nach 20 km ist Patricks Öl-Problem wieder akut. Er hält an und stopft das Loch erneut mit Papiertüchern. Immer wieder müssen wir kurz anhalten. Er steckt einen Schlauch rein, so dass das Öl wieder zurück in den Motor laufen kann. Als das nicht klappt und es bei einem 80 cm langen Schlauch immer noch oben raus kommt, hängt er eine Ölflasche dran. Diese ganzen Pausen kosten reichlich Geduld und Kraft. Natürlich kann Patrick nichts dafür, aber es frustriert zum einen, nicht voran zu kommen und zum andern, in dieser Hitze zu brüten. Die montenegrinische Regierung hatte sich nämlich überlegt, an Straßenhaltebuchten keine Bäume zu pflanzen. Ungefähr 50 km nach der Grenze überqueren wir die Đurđevića Tara Bridge. Ein beeindruckendes Bauwerk. Hier halten wir kurz an für ne Zigarette und ein Foto, bevor es weiter geht. Nach der Brücke kommt wieder ein serpentinenreicher Anstieg. Danach biegen wir von der

Hauptroute ab, um wieder einer der „gelben Straßen“ zu folgen. Genau die richtige Entscheidung! Vor uns öffnet sich eine Hochebene, die einen herrlichen Anblick bietet, das Ambiente erinnert stark anKroatien_2013_0217 Schottland, nur sonniger. Hin und wieder stehen westernähnliche Holzhäuser in der Gegend. Gelegentlich sehen wir am Straßenrand Menschen, die Heu zusammenharken. Nach gut zehn Kilometern in der Ebene erscheint auf der linken Seite, kurz nach einer leichten Rechtskurve, ein fast künstlich wirkender blauer Bergsee. Wir fahren daran vorbei, weil es mittlerweile schon halb vier ist und wir noch mindestens fünf Stunden unterwegs sein werden. Kurz danach an der nächsten Gabelung fällt auf, dass wieder jemand fehlt. Wir drehen um und schauen, was los ist. Patrick, Jonas und Arndt stehen am See und betrachten Patricks MZ erneut. Wir vermuten, dass sie einfach zu heiß wurde und etwas abkühlen muss. Als wir so da stehen meinte Arndt, „wenn wir schon mal hier sind, dann können wir auch ne Runde baden gehen…“ Recht hat er! Gesagt getan! Wir schieben nur noch die Mopeds von der Straße und gehen runter zum Wasser. Jetzt kommt es auch nicht mehr darauf an. Und wie wir alle wissen, ein bisschen Spaß muss schon sein! Danach fühlen wir uns super. Das erste Bad nach drei Tagen. Ein belebendes Gefühl!

Kroatien_2013_0255Nach einer guten Stunde Baden geht es also weiter. Einmal kommen wir noch zum Stehen, als Patricks MZ gar nicht mehr will. Er ist schon kurz davor, sie in den T5 zu schieben, als wir die Symptome nochmal durchgehen. Klingt alles nach zu fettiger Einstellung, bzw. zu wenig Luft. Zuerst stellen wir den Vergaser standard nach Handbuch ein. Er beschreibt nach der Probefahrt keine Besserung. Als letzte Instanz bauen wir den Luftfilter aus. Als er von der Probefahrt zurückkommt, sehen wir schon an seinem Grinsen, dass seine TS wieder einwandfrei läuft. Das ist ihm zwar verständlicherweise gar nicht so lieb, aber ist immer noch besser als auf einer Mopedtour Beifahrer zu sein.

Ab jetzt kommen wir wieder super voran. Es ist auch schon fast 18:00 Uhr und die Temperaturen beginnen langsam zu fallen. Das heißt die Motoren rasseln nun nicht mehr so stark. Etwa 10 km weiter kommt eine abschüssige Straße, mit kleinen engen Kurven, auf der Ronny und ich uns ein Rennen liefern. Das ist eine dieser Strecken, wo man so richtig schön heizen kann. Florian versucht zwar noch hinterherzukommen, kann das Tempo aber nicht halten und fällt zurück. Unten angekommen warten wir kurz auf die anderen, bevor wir wieder zusammen weiterfahren. Nachdem wir wieder auf einer „roten Straße“ sind, kommen wir hervorragend voran. Als wir gegen 19:30 Uhr die Stadt Nikšić erreichen, halten wir am nahegelegenen Slansko See und überlegen, was wir nun tun. Wir wissen, dass es bald dunkel wird und wir noch gut 70 km zu fahren haben. Wir überlegen, diese 70 km wieder auf den morgigen Tag zu verschieben. Das kann natürlich nicht wirklich eine Lösung sein, aber die Umstände sprechen für sich. Wir stehen an einer Haltebucht an der Straße, als sich Ronny und Marcel sowie Arndt und Patrick jeweils auf machen, einen nahegelegenen Schlafplatz zu finden. Als sie zurückkommen und berichten, ist relativ schnell klar, dass uns eine Nachtfahrt bevorsteht. Wir wissen aber auch, dass das heute nach dem harten Tag echt gefährlich ist. Aber was bleibt uns anderes übrig?! Wir machen also die letzten Energyreserven leer und geben wieder Gas.

Nach ca. zwei Stunden erreichen wir die Bucht von Risan gegen 22:00 Uhr. Oberhalb der Bucht halten wir kurz an, um das Panorama wirken zu lassen. Eine gute halbe Stunde machen wir dort Pause, bevor wir uns auf einem Zeltplatz niederlassen. Heimlich und leise bauen wir die Zelte auf, damit die Nachbarn nicht wach werden und machen uns noch schön ein lecker Erbsensüppchen. Ronny und Marcel wollten auf ihr Feierabendbier nach solch anstrengendem Tag nicht verzichten. Leider gehen unsere Bierreserven gegen Null. Also machen sie sich nochmal los, um von einer Tanke oder Spät-Shop ein paar Dosen kühles Blondes zu kaufen. Enttäuscht kommen sie nach ca. 40 min wieder auf den Zeltplatz. „Das kann doch wirklich nicht wahr sein, hier gibt es weit und breit kein Bier mehr zu kaufen!“. Somit endet unser 19 Stunden Tag nach 350 km Stecke.

TAG 8

Endziel Kroatien

Als wir morgens wieder früh aufstehen, ist unsere erste Amtshandlung ganz klar Kaffee kochen und danach wird der Campingplatz bezahlt. Dadurch, dass der Campingplatz direkt an der Bucht liegt, gehen ein paar von uns eine kleine Runde schwimmen. Als wir wieder aus dem Wasser kommen, wollen Ronny, Jan, Patrick und ich auch direkt mal duschen gehen. Das Salzwasser muss ja auch wieder runter. Der Campingplatz ist 100 m lang, 10 m breit und verläuft zwischen Straße und Bucht. Er liegt unterhalb der Straße und die Mauer, die das Erdreich von der Straßenseite her zurückhielt, war die eine Seite der Dusche. Die beiden anderen Seiten, waren die Toilette und das Nachbargrundstück. Und natürlich war das Ganze oben offen, mit Duschvorhang nach vorne raus. Von der Straße aus kann man also reinschauen. Jetzt kommt hinzu, dass an der Dusche eine Strippe hängt, die man ziehen muss, damit das Wasser läuft, welches in einem Kanister auf dem Dach der Toilette durch die Sonne erwärmt wird. Sonne gibt es mal gerade nicht wirklich, dementsprechend kalt ist das Wasser. Damit es nicht ständig ausgeht, halten wir uns gegenseitig die Strippe beim Abseifen. Das sind Erlebnisse, die man wahrscheinlich nur auf Mopedtour akzeptiert.

Als wir alle unser Käffchen getrunken haben, fangen wir dann auch langsam an wieder einzupacken. Gegen halb acht verlassen wir dann das Gelände und geben wieder Gas. Kurz durch einen Tankstopp unterbrochen, lassen wir uns aber nicht weiter ablenken und vertrödeln keine Zeit. Heute wollen wir im Plan bleiben, denn wir befinden uns am südlichsten Punkt unserer Reise und alles, was wir jetzt nicht schaffen, können wir auch nicht abkürzen. Außerdem wollen wir uns am Abend in Split amüsieren. Nach 15 weiteren Kilometern blockiert bereits die Kroatische Zollstation die Straße. Aber durch den Eintritt in die EU, Anfang des Monats, ist das Ganze nur noch pseudomäßig betreut. Sie haben es halt nicht geschafft, die Hütten innerhalb von zwei Wochen abzureißen. Andersrum können wir auch mit Stolz behaupten, dass wir wahrscheinlich die letzten Simson-Touristen sind, die das Ganze hier besetzt durchfahren haben. Zwanzig Kilometer nach der Grenze, entlang der Küstenstraße fahren wir talabwärts auf die Stadt Cavtat zu. Hier öffnen sich die Hänge auf der linken Seite der Straße und wir sehen zum ersten Mal das offene Meer. Wir sind endlich da angekommen, wo wir hin wollten. Es ist ein tolles Gefühl.

Ronny beschreibt später, dass er eine Gänsehaut hatte.Das Meer wird uns heute den ganzen Tag begleiten. Es wirkt zum Teil sehr surreal, Kroatien_2013_0249dass wir linksseitig das Meer sehen und auf der rechten Seite fast künstlich wirkende Bergmassive. Die sehr touristisch geprägte Stadt Dubrovnik passieren wir nur rechtsseitig. Wir lassen diesen schönen Altstadtkern an uns vorbeiziehen, weil wir wissen, dass uns das gute zwei Stunden kosten würde. Wir schießen also nur ein Foto aus der Vogelperspektive von der Magistrale aus, fahren dann aber direkt weiter.

Ab halb elf wird es wieder sehr warm und zum Teil selbst beim Fahren unerträglich, wenn die Sonne mit ganzer Kraft gegen die in die Berge gesprengten Hänge drückt. Zum Teil ist es so heiß im Gesicht, als würde man den Backofen aufmachen. Nach insgesamt 125 km kommen wir an die bosnische Grenze. Warum die Kollegen da sitzen, wissen sie auch nicht. Mit einer gewissen Autorität wird zwar verlangt, dass man am Wachhäuschen anhält, aber als wir die Pässe zeigen wollen, werden diese nicht mal angesehen und wir können weiter fahren. Es ist fast 11:00 Uhr, als wir beschließen, in Bosnien direkt Frühstück und Mittag zu machen. Ein Grillimbiss bietet die Gelegenheit dazu. Hier wird uns frisch gegrilltes Steak und lecker Ćevapčići serviert. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite befindet sich ein kleiner Kaufladen. Hier decken wir uns noch mit einer Rutsche Blech-Rouladen, Wasser, Süßkram, Waffeln (weil, Waffeln gehen immer aber nur Neapolitaner-Waffeln), und Zigaretten ein. Gute zwei Stunden gehen ins Land, aber das ist es uns wert. Dafür haben wir innerhalb der ersten 120 km noch gar keine wirkliche Pause gemacht. Aber bereits kurz vor eins geht es weiter. Bereits nach 10 Min passieren wir die zweite Grenzkontrolle und verlassen Bosnien schon wieder.

Die Leidtragenden des heutigen Tages sind die Autofahrer. Wir haben schon eine sehr ausgeprägt Bremswirkung auf andere Verkehrsteilnehmer und daher bilden sich regelmäßig lange Schlangen hinter uns. In den vergangenen Tagen war das zwar auch so, aber heute befahren wir nicht gerade eine Nebenstraße. Hin und wieder fahren wir rechts ran, um die Autos durchzulassen. So versuchen wir ein unnötiges Gefahrenpotential zu vermeiden. Im Vergleich zu den vergangen Tagen haben wir heute nur leichte Steigungen. Das Fahren ist, was das angeht, wesentlich angenehmer. Und so kommen wir bis zum nächsten Tankstopp fast 200 km weit.

Bei der Einfahrt kurz vor Split in den Vorort Stobreč ist ganz klar posen angesagt. Da muss man auch schon mal am Hahn drehen, wenn man an ner Ampel steht. Ich meine, man kann ja auch ein bisschen stolz sein, wenn man fast 2.200 km hinter sich gebracht hat und an dem Ziel ist, wo man auch hin wollte. Aber jetzt müssen wir uns als allererstes einen Zeltplatz suchen. Dem ersten Hinweisschild leisten wir Folge. Nach dem Einchecken, der Vergabe des Standortes und den W-LAN Passwörtern bauen wir direkt auf. Währenddessen überlegen wir, wie wir den Abend gestalten wollen. Entgegen des ersten Planes nach Split zu fahren (mit dem Taxi) überlegen wir uns, hier zu bleiben. Das Publikum des Campingplatzes sieht recht jung aus und so gehen wir davon aus, dass vielleicht an der Strandbar heute noch Party ist.

Kroatien_2013_0262Kroatien_2013_0262Durch unsere frühe Anreise gegen hab fünf bleiben uns noch ein paar Stunden, bevor die Nacht zum Tag wird. Daher beschließen wir kurzerhand, uns ein bisschen an den frisch geharkten Kiesstrand zu legen. Ein, zwei Stunden später gehen wir zu den Zelten zurück und machen uns ausgehfein, so dass wir gegen neun Uhr was essen können und vielleicht eine Kleinigkeittrinken. Arndt hat sich überlegt, das Ganze vor dem Besuch der hausinternen gastronomischen Einrichtungen etwas abzukürzen. Er nimmt, bevor wir losgehen, noch schnell drei kleine Schluck aus der Spriteflasche mit dem Selbstgebrannten. Er beschrieb uns später, dass das schon ein komisches Gefühl war. Betrunken ist er nicht so richtig, aber seine Arme und Beine fühlen sich ganz anders an als sonst.

Ein Teufelszeug dieser selbst Gebrannte.

Wir, OK ich dachte, dass es Sinn machen würde, unsere 13 kg Melone mitzunehmen, da wir diese später an der Strandbar oder direkt am Strand essen könnten. Was wir allerdings nicht wussten war, dass die Lokalitäten auf dem Zeltplatz bereits um 23:00 Uhr schließen. Ausnahmslos alle. Naja, dass war wohl nichts mit fetter Party. Aber was solls. Dann trinken wir nach dem Essen halt noch nen Cola-Whiskey an der Bar und tragen die Melone anschließend wieder ins Auto. Ein wenig anders als erwartet, aber deswegen kein schlechter Abend. Alles in allem fallen wir gegen zwölf Uhr in unsere „Betten“.

TAG 9

Das rauschende Wasser

Heute können wir ja mal ne Stunde später aufstehen. Zumindest haben wir uns das am Vorabend überlegt. Dennoch werde ich fast eine Stunde vor dem Wecker wach. Ich gehe aus dem Zelt und sehe Arndt, den das gleiche Schicksal ereilt hat. Wir wollen die anderen nicht wecken und so beschließen wir, in der morgendlichen See eine Runde schwimmen zu gehen. Also machen wir uns die zwei Minuten Fußweg auf zum Strand. Hier ist natürlich noch nichts los. Das Wasser ist heute etwas flacher als gestern und eine Frau hat sich auch überlegt ein paar Runden nach dem Aufstehen zu schwimmen. Als wir langsam ins Wasser gehen, stellen wir bereits auf „Zehhöhe“ fest, dass es deutlich kälter ist als gestern. Aber wir sind ja keine Mäuse, sondern Männer. Aber wie es immer ist, wenn man erst mal drin ist, ist es gar nicht so schlimm. Anschließend springen wir noch vom festinstallierten Sprungturm, setzen uns ein wenig hin und genießen die Ruhe. Als wir gerade zurück wollen, kommt uns Jan entgegen, der das gleiche vor hat wie wir. Und so haben wir noch ein wenig am Strand gechillt.

Nachdem wir also unsere Sachen gepackt haben, schaffen wir es gegen hab zehn, den Zeltplatz zu verlassen. Die Stadt Split lassen wir nach zehn Minuten hinter uns. Wir sind zwar heute später dran als gestern, aber im Grunde läuft alles gut. Zumindest für die ersten 25 km. Denn nach einer halben Stunde Fahrt ist Arndts Moped außer Gefecht gesetzt. In einer Rechtskurve muss er sich in die Seitenwand seines Hinterrades einen Nagel eingefangen haben. Jetzt müssen wir natürlich den Schlauch wechseln. Doof ist nur, dass Arndt im letzten Jahr, als wir von der Firma Heidenau die Reifen bekommen haben, von unserem örtlichen Reifenaufzieher versehentlich ein MZ-Mantel draufbekommen hat. Den würden wir so schnell nicht runter bekommen. Aber wir haben ja vorgesorgt und ein komplettes Rad im Gepäck. Daher geht der Wechsel relativ schnell. So können wir nach gut 30 Min weiter fahren. Es geht zwischenzieltechnisch zu den „Krka Wasserfällen“. Jan hatte von ein paar Arbeitskollegen einen Hinweis bekommen, dass man sich das unbedingt ansehen sollte.

Bevor wir aber zu den Wasserfällen kommen, tanken wir noch schnell die Mopeds auf. Danach erreichen wir einen großen gut gefüllten Parkplatz, an dem ein Ticketschalter steht. Ein Hotel und ein paar Kneipen zieren das Bild. Das Problem, was wir jetzt haben ist, dass wir nicht mit den Mopeds zu den Wasserfällen fahren dürfen. Nur Shuttlebusse fahren in das Naturschutzgebiet. Der Eintritt liegt bei 12,-€ pro Nase. Der Zwiespalt besteht zum einen in den Preisen und zum anderen darin, dass wir hier gut zwei Stunden beschäftigt sein werden. Während wir über die ganze Sache beraten, habe ich mir endlich die Melone zur Brust genommen. Diese wird säuberlich mit dem guten alten Touren-Klappmesser, welches in den letzten Tagen auch diverse Dosen Erbsensuppe geöffnet hat, aufgeschnitten. Jeder greift beherzt zu und freut sich über die sehr saftige und süße Melone. Und obwohl wir alle großen Appetit darauf haben, schaffen acht Männer es nicht dieses Ungetüm aufzuessen.

Der Schluss unserer Diskussion ist, dass wir eh schon mal hier sind und nun auch da runter fahren sollten. Sonst brauchen wir auch keine Touren machen, wenn wir uns eh nichts ansehen. Einzige Grundvoraussetzung ist, dass wir da unten auch baden können. Nach der Bestätigung durch die Kassiererin kaufen wir Karten, sichern die Böcke und nehmen die Badehosen mit. Die Busfahrt ins Tal habe ich persönlich schon als unser Ende gesehen. So wie die Kollegen da mit ihren Bussen fahren, ist echt nicht normal.

Kroatien_2013_0290Als wir endlich ankommen, geht es direkt zu der Stelle, wo man baden kann. Weil diese ganz unten am Endpunkt der Anlage ist, sehen wir auch gleich alles andere. Ich persönlich muss sagen, dass es ein wunderschönes Areal ist. Sehr zu empfehlen, wenn man mit der Familie unterwegs ist und einen Tagesausflug plant. Aber für Tourenfahrer nur bedingt geeignet. Letzten Endes bereuen wir das Ganze aber nicht. Denn obwohl uns das alles fast 2,5 Stunden kostet, fühlen wir uns nach dem Bad wieder richtig schön frisch. Denn die heiße und staubige Luft und das Zusammenkneifen der Augen wegen der blendenden Sonne macht ziemlich müde.

Innerhalb der nächsten 50 km kommen wir wieder super voran. Und so erreichen wir eine gute Stunde später den Ort Ervenik. Hier halten wir an einer kleinen Kneipe. Außer Melone haben wir heute noch nicht wirklich viel gegessen. Wir gehen rein und fragen die Kellnerin, ob sie uns noch was zu essen macht. Sie versteht uns nicht wirklich gut, aber wieder mal haben wir Glück, denn eine Gruppe junger Kollegen in der Kneipe, die für ihr Feierabendbier dort zusammen gekommen sind, sprechen Englisch und können für uns übersetzen. Jedenfalls macht es den Eindruck, dass die Kellnerin nicht wirklich davon begeistert ist, uns jetzt noch was zu essen zu machen. Aber sie lässt sich breit schlagen. Wahrscheinlich ist in diesem Kleinen Ort ab 14:00 Uhr die Küche normalerweise zu. Kroatien_2013_0292.JPGDas werden wir nie erfahren, aber zumindest macht sie für uns eine Ausnahme. Sie fragt, was wir essen wollen. Und zwei Sachen sind klar. Möglichst viel Fleisch und wenig Aufwand! Um die Wartezeit zu verkürzen, trinken wir schon mal ein Bierchen und geben unseren freundlichen Übersetzern eins aus. Über die Tische hinweg kommen wir ins Gespräch und unterhalten uns, wie sollte es auch anders sein, über die Tour. Wo wir her kommen, welche Wege wir schon hinter uns haben und wo wir noch hin wollen. Es wird auch ein bisschen politisch, weil sie sich freuen, dass sie nun endlich Mitglied der EU sind. Die Frage nach einer Einkaufsmöglichkeit beantworten sie damit, dass sieben Kilometer weiter ein Laden sei, in dem wir was bekommen würden. Nicht gerade sehr zentral, aber man ist ja auf dem Land. Nach einer kurzen Zeit bringt uns die gute Frau Teller und Bestecke raus. Anschließend folgen Platten mit Essen. Es gibt reichlich Ćevapčići und Burger. Sie hat sogar extra einen großen Tomatensalat gemacht. Etwas Brot dazu, spitze! Einfach, aber toll. Nach dem wir gegessen haben und mittlerweile unser zweites Bier weg haben, bezahlen wir mit reichlich Trinkgeld und verabschieden uns anschließend.

Wir machen uns also auf den Weg Richtung Einkaufsladen und kommen unmittelbar nach Ervenik auf eine Schotterstraße. Endlich was für unsere Offroad Fans. Hier habe ich mich selbst und den einen oder anderen schon auf der Straße liegen sehen Ich weiß nicht, ob wir einen Schutzengel haben, aber es ist wie immer nichts passiert. Nach ca. 7 km kommt der besagte Laden, in dem wir was kaufen können. Die Gemeinde, die sich vor dem Laden zum gesellschaftlichen Bier trinkenversammelt hat, sieht uns an wie Cowboys im Saloon. Der Besitzer des Ladens bedient uns freundlich. Wir kaufen hauptsächlich Wasser und Bier, machen uns dann aber direkt wieder los. Denn es sind noch immer 190 km zu meistern, auf dem Weg nach Karlovac, unserem Tagesziel, und es ist bereits halb sieben. Nach ca. 50 km, so kurz vor acht Uhr, halten wir an und ziehen uns festere Kleidung an. Es wird bald dunkel werden und dann ist es schlagartig kalt draußen. Die Straßen sind mittlerweile wieder sehr gut ausgebaut und wir können richtig Gas geben. Daher kommen wir super voran. Außerdem rasseln die Motoren nun deutlich weniger als noch vor zwei Stunden. Jetzt halten wir alle 50 km an, um eine kurze Pause zu machen.

Die Fahrt wird zunehmend anstrengender und eigentlich nur noch Mittel zum Zweck. Der Urlaub ist gefühlt vorbei und wir befinden uns auf dem Rückweg. Das macht es schwierig für die Motivation, da es kein wirkliches Ziel mehr zu erreichen gilt. Nach 285 km entscheiden wir, dass die nächste Schlafmöglichkeit unsere ist. Es ist bereits 22:00 Uhr und es dauert auch noch eine gute Stunde, eh wir was gefunden haben. Dabei sind wir aber nur 15 km vorangekommen. In einer Nebenstraße kommen wir nach zwei Kilometern an ein Maisfeld, wo wir beschließen, auf dem Grünstreifen zwischen Feld und Straße die Zelte aufzubauen, um ein paar Stunden zu schlafen. Halb zwölf ist der Tag vorbei.

TAG 10/11

Alles auf Anfang

Heute müssen wir, komme was wolle, Graz erreichen. Also stehen wir schon vier Uhr auf und fahren fünf Uhr los. Der Morgen ist kalt und durch die Müdigkeit ist es noch extremer. Nebelfelder lassen immer wieder die Brillen Beschlagen. Es ist ganz klar Zeit für die Griffheizung. Nach ca. einer Stunde Fahrt machen wir in Karlovac unsere erste Fastfood-Pause dieser Reise. Die Frühstückspause mit leckeren, frischen Burgen von McDonalds fällt sehr üppig aus. Wir nutzen die vorhandenen Sanitärräume um unsere Körperhygiene nachzugehen. Nach etwa anderthalb Stunden fahren wir weiter.

Die Landschaft beginnt sich nun zunehmend zu ändern. Das trockene „Kroatische Outback“ haben wir hinter uns gelassen und kommen nun langsam aber sicher den Alpen nah. Die Landstriche werden zunehmend grüner und irgendwie auch heimatvertrauter. Es ist kurz vor halb neun, als wir die Kroatisch-Slowenische Grenze in der Nähe von Zagreb erreichen. Wieder können wir einfach passieren, ohne etwas vorzeigen zu müssen. Nur zehn Kilometer weiter stoppen wir um zu tanken. Mir fällt auf, dass mein Moped die letzten fast 2500 km auch nicht ganz unbeschadet überstanden hat.

Kroatien_2013_0309Kroatien_2013_0310MeineGepäckträgerkonstruktion hat mein Schutzblech (es ist wie Ronnys nach unten gelegt) so getroffen, dass es droht in der Mitte abzureißen. Und bevor es meinem Hintermann vor den Helm fliegt, schraube ich es gerade ab. Da jeder Handgriff sitzt, halten wir uns nicht lange auf und kommen nach einer guten halben Stunde Zeitverzug wieder auf die Straße. Unser Mittagessen nehmen wir gegen halb elf zu uns. Wir brauchen langsam aber sicher unsere letzten Vorräte auf. Am nächsten Tag müssen wir die Mopeds in das Auto laden und dafür brauchen wir Platz.

Wir haben bereits 160 km hinter uns gebracht und liegen noch gut in der Zeit. Die Mittagssonne drückt und der warme Fahrtwind lässt uns schläfrig werden. Daher entscheiden wir uns die Pause etwas auszudehnen und noch ein Käffchen zu kochen. Nach einer guten Stunde geht es dann weiter.

Ich hatte im letzten Tourbericht schon mal erwähnt, dass man sich auf gewisse Sachen immer verlassen kann. Wie zum Beispiel, dass Marcels Moped die höchste Reparaturquote hat. Und was mir die Erfahrung der letzten sieben Touren gezeigt hat, ist dass der letzte Tag immer gleich ist. Die Mopeds laufen gut, weil sie durchrepariert sind, man ist erschöpft, und müde von den letzten Tagen. Man ist stolz auf das was man geschafft hat. Aber dieser Stolz kann dieses schwer liegende Gefühl im Herzen, dass die Reise nun schon vorbei sein soll nicht kompensieren. Ja wir wissen, dass alles mal vorbei ist, aber man hat Hoch- und Tiefphasen, emotionale Erlebnisse, gewaltige Eindrücke, ganz besondere Menschen und tolle Augenblicke mit Freunden erlebt, auf die man sich während der ganzen Zeit verlassen konnte. Und heute ist der letzte Tag dieser Erlebnisse…

Nach ein, zwei weiteren kleinen Pausen, erreichen wir dann schließlich Graz kurz nach 14:00 Uhr. Die Sonne drückt gegen die Häuserwände der Stadt und reflektiert die Wärme auf uns zurück. Bisher war das kein großes Problem des heutigen Tages, aber jetzt stehen wir an diversen Ampeln und im Stau. Die ganze Stadt ist eine reine Baustelle. Fast eine Stunde brauchen wir um unsere Herberge zu finden, die wir in Voraus reserviert haben. Jan und ich machen sich auf den Weg, die Kollegen an der Rezeption zu bezahlen, während die Anderen sich bereits daran machen, die Mopeds in den Transporter zu laden.

Kroatien_2013_0323Eine kleine logistische Herausforderung, die wir aber nach gut zwei Stunden im Griff haben. Nach dem alles erledigt ist, nehmen wir die Zimmerkarten und machen es uns bequem, während einer nach dem anderen duschen geht. Am späten Nachmittag haben wir uns dann in der Skybar auf dem Dach der Herberge getroffen, um ein kleines Bierchen zu schlürfen, während wir auf Herrn Schenk warteten. Herr Schenk, Arbeitskollege von Patrick, hatte sich bereit erklärt uns mit einem Neunsitzer aus Graz abzuholen. „Bevor ihr Pfeifen nicht wisst wie ihr nach Hause kommt, hole ich euch ab“, sagte er. Das wir von Graz aus nicht mit den Mopeds weiter fahren, ist keine Notlösung. Wir haben das durchaus geplant. Liegt aber daran, dass wir mit neun Leuten nicht mehr Urlaub auf einen Nenner bekommen konnten. Allein die acht Tage waren für den einen oder anderen schon schwer zu bekommen und für Charlie leider gar nicht drin.

Nach dem wir Herr Schenk telefonisch erklärt haben, wie er am besten durch die ganzen Baustellen kommt, müssen wir auch nicht mehr lange auf ihn warten. Nachdem er seine Sachen in seinem Zimmer verstaut hat, machen wir uns geschlossen auf den Weg in die Stadt um ihn auf ein Schnitzel einzuladen. Anschließend genießen wie noch das Nachtleben von Graz und chillen in einer Beach-Bar zu Livemusik. Ein toller, lauer Abend geht langsam zu Ende.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen ein, checken aus und machen uns mit Herrn Schenk und Jonas als Fahrer auf den Weg in die Heimat.

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