11. August 2016

2016 Monaco

Schön und Reich!? – Mit der Simson nach Monaco!

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Wenn man wie wir seit 10 Jahren mit der Simson auf Tour geht, meint man zu wissen was man einpacken muss, welche Ersatzteile man benötigt und was einen erwarten wird. Im Prinzip ist das auch so. Die Planungszeiten verkürzen sich, ToDo-Listen sind schnell geschrieben und auch die Simsons sind mittlerweile so optimiert, dass einen nicht viele Überraschungen erwarten sollten.

Aber naja erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

Vorab

Noch etwa zwei Wochen bis zur Tour und ich stimme mit Marcel die letzten Details für unsere Simsonreise ab. Wir quatschen noch einmal über den Treffpunkt in Göttingen und über die dortige Ankunftszeit. Die Ballenstedter werden sicher etwas früher da sein als Jan und ich, denn er hat den Mittwoch nicht komplett frei und muss daher noch den halben Tag arbeiten. Das ist aber nicht schlimm, da sich die Anderen so noch etwas entspannen können, sollten Sie pannenfrei bis zum ersten Ziel kommen.

In den nächsten Tagen nehme ich mir die Zeit noch einmal Jan‘s Simson SR50 unter die Lupe zu nehmen, da er aus beruflichen Gründen keine Zeit hat. Ich prüfe die wichtigsten, wartungsrelevanten Bestandteile wie zum Beispiel den Luftdruck der Reifen und wechsle noch das Getriebeöl. Ansonsten kann ich nichts Weltbewegendes entdecken. Der Roller macht an sich einen guten Eindruck und lässt sich, soweit man das über einen Roller sagen kann auch gut fahren.

Ein paar Tage bevor es dann losgeht, sammle ich alle meine Sachen zusammen und lege Sie auf einen Haufen, bevor ich sie dann in meine Tasche packe, das hilft mir immer den Überblick zu behalten und nichts zu vergessen. Nachdem alles verstaut ist heißt es dann wie in jedem Jahr: Warten! Und zwar auf die letzten Stunden bevor wir dann endlich abfahren…

Tag 01 – Auf nach Göttingen und noch viel weiter

Es ist Mittwoch der 06. Juli 2016. Jan trifft gegen 16:00 Uhr bei mir ein. Viel ist nicht mehr zu erledigen. Wir besprechen noch kurz die Route, trinken noch einen Kaffee und schreiben den Anderen, dass wir uns auf den Weg machen. So verlassen wir Bielefeld gegen 17:00 Uhr.

Vorbei an Bad Salzuflen, Lemgo und Blomberg bahnen wir uns den Weg in Richtung Höxter. Unsere bisher reibungslose Fahrt wird ganz kurz in dem kleinen Örtchen Uslar gestoppt, da hier die Straße komplett gesperrt ist und keine Umleitung ausgeschildert ist. Aber nach kurzen Beobachtungen des hiesigen Verkehrs stellen wir schnell fest, dass es eine Umgehung über einen Feldweg geben muss. Wir folgen einfach den Autos und sind innerhalb einer viertel Stunde wieder auf Kurs.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Göttingen gegen 19:15 Uhr, wo die anderen bereits eineinhalb Stunden auf uns warten. Wir freuen uns, dass wir endlich wieder im Rahmen der Tour zusammen gekommen sind. Doch leider ist Ronny, ein Mann der ersten Stunde in diesem Jahr nicht dabei, was uns ein bisschen wehmütig an die Tour gehen lässt. Er ist in freudiger Erwartung und gewisse Dinge haben nun mal Vorrang.

Doch ein neues Gesicht kann ich hier begrüßen. Es ist Steven, auch Sobo genannt.

Nach dem wir uns alle begrüßt haben, tanken wir die Mopeds auf und überlegen wie es nun für den heutigen Tag weiter geht. Da es nun schon fast 20:00 Uhr ist, läuft es sofern es weiter geht, auf eine Nachtfahrt hinaus. Allerdings möchte den heutigen Tag auch niemand mit nur etwa 100 km auf der Uhr abschließen. Es kristallisiert sich sehr schnell heraus, dass wir auf jeden Fall noch ein paar Kilometer machen, mit der Prämisse, dass wir anhalten, sobald jemand müde wird. Da wir alle noch nicht viel gegessen haben, bestellen wir von der Tanke aus noch schnell eine Pizza und machen uns dann auf den Weg zum Italiener, damit er fertig ist, wenn wir da sind. Die Pizza ist lecker und genau das was wir jetzt brauchen, bevor wir in die Nacht fahren.

Da es den ganzen Tag zwar sonnig, aber nicht wirklich warm war, beschließe ich bereits meine dicken Sachen anzuziehen. Es ist ja schließlich schon halb neun durch und wärmer wird es bestimmt nicht mehr heute. So, jetzt aber los. An die Simson und auf große Fahrt, wir sind schon ungeduldig.

Wir verlassen Göttingen in die Nacht und das einzig Gute, neben der Zeitersparnis dabei ist, dass der Verkehr abnimmt. Das macht uns das Reisen etwas angenehmer, da nachts die meisten Ampeln abgeschaltet sind und wir so quasi ungebremst durch die Städte fahren können. Wir passieren während unserer Fahrt Hessisch Lichtenau, Spangenberg und Alsfeld. Unsere erste längere Pause von etwa einer Stunde legen wir halb drei in der Nacht in Hungen ein. Bei der Gelegenheit tanken wir auch gleich unsere Mopeds auf und kaufen uns gleich noch ein lecker Käffchen, bevor es dann halb vier weiter geht.

Die Nacht neigt sich bereist dem Ende zu und der Tag lässt sich langsam wieder blicken, während wir uns Frankfurt am Main nähern. Zwischendurch machen wir noch eine kurze Raucherpause und überlegen, ob wir Frankfurt umgehen sollen, oder nicht. Wir kommen zwar wahrscheinlich erst gegen 04:30 Uhr in Frankfurt an, aber keiner von uns kann den Berufsverkehr hier einschätzen. Wir gehen volles Risiko ein und fahren mitten durch. Zu unserem Glück treten unsere Befürchtungen nicht ein und so bleibt Frankfurt nicht mehr als eine halbe Stunde Fahrt im Morgengrauen eines ganz normalen Donnerstags.

In Dreieich machen wir noch einmal eine etwas längere Kaffeepause und gönnen auch unseren Simsons mal eine kleine Auszeit. Bis wir wieder losfahren ist es halb sechs und mittlerweile merkt man schon was man geleistet hat. Langsam aber sicher wird der Verkehr dichter und wir kommen nun ein bisschen langsamer voran. Erschwerend kommt hinzu, dass es nun von Darmstadt aus fast keine Überlandstrecken mehr bis nach Heidelberg gibt und wir so ziemlich an jeder Ampel stehen. Über Bensheim und Weinheim läuft es immer schlechter und wir stecken nun mit stop-and-go im Berufsverkehr fest. Bei der Überlegung was wir nun machen können, schlägt Arndt vor, seine Cousine anzurufen, dass wir vielleicht bei Ihr ein paar Stunden schlafen können. Das wäre natürlich hervorragend, denn wir sind nun wirklich alle richtig durch. Nach dem Arndt seine Cousine Doreen erreicht hatte, bestätigt diese, dass es kein Problem sei, wenn wir vorbei kommen. Zufällig haben sie und ihr Mann Thomas selber gerade Urlaub und sind dadurch zu Hause. Also machen wir uns auf den wunderschönen Weg vorbei am Neckar, in das beschauliche Örtchen Neckarsteinach. Hier werden wir total herzlich empfangen und können uns ein zeltloses Camp im Garten aufschlagen und einen Helm voll Schlaf nehmen.

Marcel und ich schauen uns noch einmal die Karten an und überlegen wie wir weiter fahren sollen. Links oder rechts am Schwarzwald vorbei, ist hier die Frage? Und diese Frage hat ihre Berechtigung. Denn Ben möchte gerne einen Freund in seiner Heimatstadt Karlsruhe besuchen und wir versuchen noch Kontakt zu unseren Simsonfreunden am Bodensee aufzunehmen. Eine halbe Stunde später lassen wir die Karten liegen. Wir machen es den Anderen gleich und schlafen ein bisschen.

Etwa zwei Stunden später so gegen 13:30 Uhr lassen wir uns von unseren Telefonen wecken. Doreen hatte uns in der Zeit ein sehr üppiges Frühstück aufgetan, so dass wir uns reichlich satt essen können. Währenddessen wir unser Frühstück genießen, entscheiden wir uns als Gruppe, dass wir doch über Karlsruhe fahren. Unsere Freunde aus Schaffhausen hatten uns derweil mitgeteilt, dass wir unser Zusammentreffen leider verschieben müssen, da sie momentan selber nicht zu Haus sind. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Nach unserem Essen packen wir das Gepäck wieder auf und machen uns nach einer sehr herzlichen und dankerfüllten Verabschiedung wieder auf den Weg. Dieser wird zwar heute nicht so lang, aber ein bisschen müssen wir noch schaffen.

Wieder auf der Straße machen wir keine langen Pausen, der Plan ist es Karlsruhe hinter uns zu lassen, sonst wäre die Nachtfahrt nicht sehr lohnenswert gewesen. Daher fahren wir auch die ersten 70km nach Karlsruhe am Stück durch. Hier angekommen tanken wir die Mopeds auf. In der Zeit kontaktiert Ben seinen Kumpel. Nachdem wir alles erledigt haben, besuchen wir die Ettlinger und stoßen zusammen mit einem kühlen kleinen Bierchen an. Lange haben wir leider keine Zeit zu verweilen und so machen wir uns nach etwa eineinhalb Stunden wieder auf den Weg Richtung Campingplatz.

Nach weiteren 50km erreichen wir unser heutiges Tagesziel Rheinmünster. Hier fahren wir direkt den hiesigen Zeltplatz an und bauen ca. 15 Uhr die Zelte auf. Nachdem das erledigt und das Nachtquartier eingerichtet ist, machen wir uns auf den Weg zu dem auf dem Gelände liegenden See. Denn bevor wir hier noch was essen, wollen wir uns erst einmal abkühlen.

Viel Zeit haben wir dafür allerdings nicht denn vor dem Halbfinale, Deutschland gegen Frankreich in der Europameisterschaft, wollen wir uns noch frisch machen und essen.

Über das 0:2 brauche ich glaube ich nicht mehr viel sagen, aber nichts desto trotz war es doch ein schöner Abend. Völlig geschafft, von der letzten Nachtfahrt, gehen wir nach dem Spiel in unsere Zelte und schlafen uns so gut es geht aus.

Tag 02 – Der Berg ruft

Der Wecker klingelt, es ist kurz vor sieben, der Blick schweift durch das Fliegengitter aus dem Zelt. Die Mücken sitzen bereits vor der Tür und wollen rein, die Luft ist kalt und der Himmel leicht bedeckt. Eigentlich möchte ich jetzt gerne noch etwas weiter schlafen, aber Arndt und ich haben uns eine halbe Stunde bevor die Anderen aufstehen verabredet, weil wir, bevor es losgeht, noch eine Runde im Teich schwimmen wollen. Ich klettere, an Jan vorbei aus meinem Zelt und genieße den Morgen so gar nicht. Es ist frisch und bei dem Gedanken gleich in kühle Wasser zu gehen, habe ich bereits jetzt keine Lust mehr zu schwimmen. Marcel und Sobo sind bereits wach weil sie nicht mehr schlafen konnten. Die beiden stehen zusammen mit Arndt neben den Zelten und rauchen eine Zigarette. Marcel hinterfragt, ob wir das wirklich machen wollen und wünscht uns auf unsere Bestätigung hin viel Spaß, als wir uns gerade auf den Weg machen.

Der Gang ins Wasser ist wie erwartet unangenehm kalt. Aber nach ein paar Sekunden oberhalb der Gürtellinie hat man sich auch schnell daran gewöhnt.

Wir lassen uns mit unserer Runde im Wasser nicht viel Zeit, auch wenn uns die Temperaturen mittlerweile angenehm vorkommen, aber wir wollen heute noch ein paar Kilometer bis zur- und in der Schweiz machen. Also gehen wir schon bald wieder zurück zu unseren Zelten. Die anderen hatten die Zelte bereits abgebaut und waren im Großen und Ganzen auch schon fertig. Arndt und ich haben noch schnell die Duschen aufgesucht um uns das Teichwasser vom Körper zu waschen.

Schnell unter die Dusche gehuscht und anschließend die Sachen gepackt. Das Handtuch kam zum Trocknen, als Außengepäck an die Simson. Gegen 09:00 Uhr, mit etwas Verspätung verlassen wir den Zeltplatz in Richtung Basel.

Mittlerweile steht die Sonne etwas höher und hat die Luft angenehm erwärmt. Zumindest müssen wir nicht frieren, während wir die flachen Landschaften entlang des Rheins fahren. Wir wollen heute ein paar Kilometer machen und lassen uns die ersten zweieinhalb Stunden und 80km nicht ausbremsen, bis wir die Simsons und die MZ abstellen und in Riegel am Kaiserstuhl eine Brunch-Pause einlegen. Auf dem Marktplatz steht ein Brathühnchenverkäufer, nebenan sind diverse Bäcker, Café und Fleischer. Ein paar von uns wollen einen halben Hahn. Ben und ich machen uns auf den Weg ein paar Brötchen vom Bäcker und ein bisschen Leberkäse und Fleischsalat vom Fleischer zu besorgen. Wir gönnen uns die Auszeit und verweilen, hier an diesem Brunnen für etwa eine Stunde, bevor es wieder weiter geht.

Als wir die Mopeds wieder gesattelt haben und uns wieder auf den Weg gen Süden machen wollen, kommen wir ganze 200m weit, als Bens Simson an der Kreuzung Richtung Bahlingen kurz aufgibt. Wir gehen davon aus, dass der Schwimmer vom Vergaser nur etwas übergelaufen ist, als wir an der Kreuzung standen und daher das Moped versoffen ist. Also, Benzinhahn zu, und treten, bis sie wieder anspringt und dann warten, bis sie wieder das Gas annimmt. Nach fünf Minuten können wir also weiterfahren.

Da wir im weiteren Streckenverlauf der Schweizer Grenze immer näher kommen, beschließt Marcel kurzfristig, nah bei Weil am Rhein, rechts an den nächstgelegenen Supermarkt heranzufahren, um den weiteren Reiseproviant im bezahlbaren Deutschland zu beschaffen. Da wenige Kilometer hinter Basel die Alpen anfangen, will Jan seine Vorderradbremse von seiner Simson SR50 noch einmal nachstellen. Also gesagt getan, machen sich Arndt und Jan ans Werk. Leider ist es nun so, dass Jan dieses verflixte Bremsenproblem hat und zwar, dass wenn man den Hebel an der Nabe einen Zahn weiter stellt, die Bremse viel zu straff ist und der Bowdenzug nicht mehr einzuhängen ist, ohne dass die Bremse schleift. Mist! Aber Irgendwie bekommen die beiden es dann nach etwa 40 Minuten Schrauberei hin, dass die Bremse wieder einigermaßen zieht, aber nicht permanent schleift.

Als alles Werkzeug wieder verstaut ist und Jan und Arndt dann auch endlich ihr Eis gegessen haben, welches wir anderen bereits während ihrer Bastel-Eskapaden genießen konnten, machen wir uns endlich wieder auf den Weg. Es dauert keine halbe Stunde bis wir die Schweizer Grenze und somit Basel erreichen. Da wir von der Nord-Ostseite her nach Basel rein fahren, haben wir das Glück nicht komplett durch die Innenstadt fahren zu müssen. Somit brauchen wir keine 20 Minuten, bis wir die Stadt hinter uns gelassen haben. Das Ganze verlief leider so schnell, dass wir auf einmal mitten auf der A3 sind. Autobahnen sind zwar leider nicht so für Simson-Reisende geeignet, aber in diesem Fall haben wir es mal der Einfachheit halber ausgenutzt… Weiter über die A22 haben wir unsere Autobahnfahrt nach etwa 15km Fahrweg bei Lausen beendet.

Kaum von der Autobahn runter kommt direkt die erste Steigung, die uns ein bisschen auseinander zieht. Die ersten, die den Berg erklommen haben, warten natürlich in dem kleinen beschaulichen Örtchen Ramlinsburg. Fast alle sind bereits oben angekommen nur einer fehlt noch. Der Jan… Es dauert noch etwa eine Minute, bis auch Jan es dann geschafft hat mit seinem SR50 den Berg zu erklimmen.

Nachdem wir den Ort verlassen, führt uns die Straße wieder etwas bergab, auf die B12. Dieser folgen wir dann für ungefähr 25km Richtung Oensingen. Von hier an wird es gemütlich. Die Straßen werden kleiner und die Ortschaften beschaulicher. In der Kleinen Stadt Arch, in der Nähe von Grenchen legen wir unseren zweiten Tankstopp am heutigen Tage ein. Es ist bereits 18:00 Uhr aber der Genfer See ist nur noch etwa 100km entfernt. Diesen wollen wir schon noch erreichen um dort unser Quartier aufzuschlagen. Also tanken wir schnell unsere Simmis voll und machen uns wieder auf den Weg. Bis sich die Gruppe in Aarberg etwas verliert. Der Verkehrsstau und eine kleine Unachtsamkeit sorgen dafür, dass wir Patrick und Sobo verlieren. An einer Tankstelle, die spitz auf der Ecke einer Hauptverkehrsstraße liegt stellen wir die Mopeds ab und warten auf den sich stauenden Verkehr, ob die beiden nachkommen. Nach einer Weile wird es Ben zu bunt und er beschließt mit Arndt zurück zu fahren.

Marcel, Jan und ich bleiben der Weil an der Tankstelle stehen und warten, für den Fall dass sich die vier verpassen. Wir sehen Ben und Arndt gerade hinter dem Kreisverkehr und der Straße, von der wir kamen verschwinden, als Patrick im Gegenverkehr auftaucht. Sobo ist ihm dicht auf den Fersen. Natürlich haben die Anderen sie gesehen. Sie wenden und mogeln sich frecher Weise zwischen den dichten Verkehr. Als die Vier dann geschlossen bei uns ankommen, stecken wir uns noch eine Zigarette an, bevor es wieder auf den Weg geht.

Immer wieder lassen wir im dichten Feierabendverkehr die Autos durch, die einfach schneller sind als wir, uns aber aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens nicht überholen können. Generell kommen wir dennoch zügig voran und schaffen gut ein paar Kilometer. Bis.. Ja bis Carrouge VD.

Ja, bis heute kannte ich den Ort auch nicht, zumal hier wahrscheinlich nicht mehr als 1000 Menschen leben. Allerdings ist es so, dass Marcel, Patrick und ich beim Blick in den Rückspiegel feststellen, dass die anderen nicht mehr da sind. Also machen wir es wie immer in einer solchen Situation. Wir stellen den Motor aus und zünden uns eine Zigarette an. Doch nach dem wir aufgeraucht haben, kommen die anderen immer noch nicht hinterher. Also umkehren. Gute 500m hinter einem leichten Hügel sehen wir Jan und Sobo auf einem Parkplatz am Straßenrand stehen, wie sie an dem SR50 von Jan rumbasteln. Wir fragen die beiden wo die anderen sind?! Sobo meint nur, dass die Beiden gerade bergab an denen vorbeigepfiffen sind. Wahrscheinlich wollten sie auch schauen wo Jan und Sobo bleiben, nur dass sie auf dem Rückweg nicht gesehen haben, dass sie hier stehen.

Da Patrick mit seiner 250er MZ TS die beste Beschleunigung und auch Endgeschwindigkeit hat, muss er für diese Fälle immer herhalten. Und so macht er sich auf den Weg Arndt und Ben zu suchen. Wir schauen uns in der Zeit Jans Simson Roller an, der lt. seiner Aussage, nach einer zügigen Überfahrt eines Speedbreaker keine Leistung mehr bringt. Da wir uns das Ganze nicht so wirklich erklären können, schrauben wir als erstes mal den Vergaser auseinander. Wir gehen davon aus, dass sich vielleicht etwas durch das Gepolter gelöst hat. Was sollte es sonst sein!? Leider können wir hier nichts finden. Überlegen hin und her, was es sein kann. Aber wir finden einfach nichts Plausibles, was nach einem Ruck einen Leistungsabfall bewirken kann.

Nach etwa einer viertel Stunde kommen Patrick, Arndt und Ben zurück. Da wir es nun schon kurz nach halb neun haben, wollen wir auch nicht mehr allzu lang warten. Weil wir nicht wissen wann der Campingplatz seine Türen schließt machen wir uns wieder auf den Weg. Der Roller hat zwar einen extremen Leistungsverlust, ist aber generell noch fahrbereit und wird die letzten 20 km wohl noch schaffen.

Da wir von Norden auf den Genfer See und die Stadt Vevey zukommen, müssen wir noch ein paar Höhenmeter hinter uns lassen, bevor wir auf Wasserspiegelniveau kommen. Hier ist es nur so, dass das Gelände um den See zum Teil sehr steil abfällt und wir die letzten 500m bei 20% Gefälle hinter uns lassen. Das wäre ja im Normalfall gar nicht so schlimm, aber voll beladen ist mir das, als Vorfahrender nicht einerlei. Um die eine oder andere quietschende Trommelbremse mache ich mir schon so meine Sorgen, da der erst Gang auch nicht viel zur Bremswirkung beiträgt. Doch zum Glück kommen wir alle gut behütet unten an.

Nach zwei Kurven kommen wir an dem hoffentlich noch offenen Campingplatz an und wir haben Glück! Zwar ist der Kassenladen bereits geschlossen, aber der Besitzer sitzt mit seiner Frau rotweintrinkend unter seinem Pavillon und genießt den herrlich lauen Abend am See.

Als er uns sieht, ruft er uns zu sich. Er fragt nur kurz wie viele Zelte wir aufbauen und wie viele Duschmarken wir benötigen. Danach zeigt er mit dem Finger auf eine Wiese auf dem Campingplatz, auf der wir aufbauen können und meint nur, dass wir, wenn wir damit fertig sind die Duschmarken holen können. Bezahlung machen wir morgen früh.

Gesagt getan! Die Mopeds leise auf den Hof gerollt und flux die Zelte aufgebaut. Da wir alle noch nicht viel gegessen haben, mache ich mich mit Ben auf den Weg zu der kleinen Bar auf dem Campingplatz. Hier wird uns mitgeteilt, dass nur noch eine halbe Stunde Essen zubereitet wird. Daher beschließen wir uns dazu einfach sieben Baguettes zu bestellen. Auch wenn das Ben nicht wirklich glücklich macht, aber für 12,-€ pro Stück wollen wir ein bisschen unsere Kasse schonen.

Während die Ladenbesitzer unser Essen zubereiten, gehen Ben und ich wieder zu den anderen und helfen weiter die Zelte aufzubauen und die Sachen abzupacken, beziehungsweise regensicher zu verstauen. Es ist zwar kein Regen angesagt, aber man weiß ja nie.

Als letzte Amtshandlung für heute machen wir uns auf den Weg zur Bar. Essen unsere Baguettes, trinken noch ein Bierchen. Für mehr reicht es auch einfach nicht mehr. Aber ich finde nach 13:30 h Fahrzeit und einer Strecke von 350km kann man auch schon mal fertig sein…

Tag 03 – Ein ganz ausgepuffter

Es ist früh, der Wecker klingelt. Wie das so ist im „Urlaub“ habe ich keine Lust aufzustehen. Aber eigentlich wollten Arndt und ich auch hier die Gelegenheit nutzen, eine Runde im See zu schwimmen. Also raus aus den Federn. Heute musste ich Arndt wecken, naja. beziehungsweise Bescheid sagen, dass er aufstehen kann. Wir nehmen nur schnell unser Handtuch, Badehose und gehen in Schlappen zu dem kleinen Bootsanleger, hier am Campingplatz. Dort angekommen, ziehen wir uns gerade die Badehosen an, als uns ein freundlicher Herr, der hier seinen Morgenspaziergang macht auf die aufgestellten Schilder hinweist.

Diese Schilder zeigen schwimmende Leute in einem roten Kreis mit einem Strich durch. Ja, ist schon klar, was das sagen soll. Wir bedanken uns höflich für den Hinweis, stecken uns eine Zigarette an und warten auf Marcel den wir gerade, auf uns zukommen sehen. Als er am Anleger ankommt erklären wir ihm was passiert ist. Marcel findet das so richtig schade und überlegt kurz, ob wir nicht doch einfach reingehen sollen. Doch da wir nicht wissen, warum wir hier nicht baden gehen dürfen, also aus Sicherheitsgründen, weil man hier keine badenden Menschen möchte, oder einfach weil man noch zu viele Schilder hatte, wenden wir uns nach zehn Minuten ab und respektieren die sicherlich überdachte Entscheidung, hier ein Badeverbot auszusprechen. Wir wollen eben auch nicht die sturen Deutschen sein, die meinen sich alles erlauben zu können. Nein! Wir respektieren die Gegebenheiten dieses Landes und vor allem dieses Campingplatzes und gehen duschen.

Als wir an den Duschen ankommen, kommen uns Ben und Patrick entgegen. Sie geben uns wertvolle Tipps zu Benutzung der Warmwasser-Chips und der damit verbundenen Nutz-Zeit für warmes Wasser. Was je nach Campingplatz schon mal zu einer Wissenschaft werden kann. Nachdem wir uns alle soweit fertig gemacht haben, packen wir Sachen und Zelte wieder an unsere Simsons. Jan und ich gehen zwischendurch zu dem freundlichen Campingplatzbesitzer, dem wir erstmal wieder ins Gedächtnis rufen müssen, was wir eigentlich zu bezahlen haben. Natürlich antworten wir wahrheitsgemäß und bezahlen die entsprechende Anzahl an Duschmarken, Mopeds und Zelten.

Nachdem wir bezahlt haben, gehen wir wieder zu den anderen, die soweit fertig sind, mit der Packerei. Wir müssen also nur noch die Moppedsachen anziehen und können dann los. Gesagt getan. Jacke, Helm und Handschuhe an, Brille auf und das Moped bis zum Eingang geschoben. Man will ja freundlich sein und die anderen Zeltplatzbesucher nicht wecken. Dann gibt es kein Halten mehr. Wir geben Gas und freuen uns über den so freundlich beginnenden Tag. Ich fahre erst einmal hinten, da ich die Kamera auf dem Lenker habe, um ein paar schöne Landschaftsaufnahmen zu fotografieren. Ben führt das Fahrerfeld an, da er heute zum ersten Mal das Navi drauf hat. Das klappt auch sehr gut und die ersten 2,7 km kommen wir ohne Probleme voran, als wir den Kreisverkehr eine Ausfahrt zu spät verlassen. Ja ja, Navigieren ist nicht so einfach wie man sich das vorstellt. Dann erkennt man das Display nicht richtig, oder schätzt die Distanzen nicht richtig ein. Sowas geht ganz schnell…

Unsere Fahrt verläuft die ersten 60km nur sehr schleppend. Aufgrund einiger Baustellen und Umleitungen, zusammen mit dem doch etwas dichteren Verkehr, brauchen wir fast eineinhalb Stunden. Trotzdem wollen wir endlich eine Kleinigkeit essen und machen gegen halb elf an einer Motorradkneipe Halt die nach dem gleichnamigen Comic „Joe Bar Team“ benannt ist und uns nur aufgefallen war, weil Motorräder zur Hälfte aus der Wand guckten. Nachdem alle ihre Mopeds abgestellt haben, setzten wir uns draußen an die Tische. Da wir für die Order rein gehen müssen, sehen wir, dass drinnen das ganze Thema fortgeführt wurde und Motorräder zu Tischen umgebaut wurden. Ein cooler Look, wie wir finden und sehenswert für jeden der mal in Vernayaz, an der H21 vorbei kommt. Doch leider gibt es hier nur noch ein paar, in Folie verpackte Croissants, da die Frühstückszeit bereits vorbei ist. Naja, bevor wir gar nichts essen, dann halt das und nen Kaffee pro Nase. Etwa eine Stunde lassen wir es uns hier gut gehen, bevor wir dann wieder weiter fahren.

Es dauert keine 10 km bis wir den Ort Martigny verlassen und sich die Alpen wieder melden. Es geht Berg auf. Und wie. Zwar versuchen wir, das Fahrerfeld so gut es geht zusammen zuhalten, allerdings ist es so, dass aufgrund des unterschiedlichen Leistungsverhaltens in den einzelnen Gängen – eine Simson ist halt nicht wie die andere – aufgrund der unterschiedlichen Fahreigenschaften und der Beladung dazu kommt, dass sich das Feld ganz schön auseinander zieht. Innerhalb der ersten 15 km Strecke und 350 Metern Höhe sieht man beim Blick zurück zumindest mal noch die Anderen. Danach wird es ein bisschen trübe, was das angeht. Wir sammeln uns bei einer Einfahrt an einem Haus nach weiteren fünf Kilometern und einem Höhenunterschied von 280 m. Alle schaffen den Berg. Naja, bis auf einer. Der Jan will mit seinem Simson SR50 einfach nicht hinterher kommen. Wir warten kurz ab, rauchen eine und als dann immer noch nichts passiert entscheiden wir uns den Berg wieder runter zu fahren um zu sehen, wo er bleibt. Nur knappe 6 km zurück finden wir ihn mit dem Motordeckel offen am Straßenrand stehen. Er meint, dass sein Moped zu heiß läuft, da er leistungsmäßig nicht in den zweiten Gang kommt und den Berg im ersten Gang erklimmen muss.
Dieses Phänomen hat sich laut seiner Aussage auch erst seit dem Speedbreaker vom Vortag eingestellt. Ich persönlich glaube allerdings, dass er lieber mal eine S51 kaufen sollte. Naja, auf jeden Fall sind wir nochmal auf Fehlersuche gegangen. Zwar hatten wir auch schon den Fall, dass die Mopeds auf Grund der Höhenlage massiv an Leistung verloren hatten, aber dann war es bei allen so und nicht nur bei einem. Aber auch jetzt konnten wir nichts finden. Wir haben rund um das Thema Vergaser und Ansaugung alles versucht zu testen und zu variieren aber nichts hatte geholfen und zu einer Verbesserung geführt. Naja, nach fast 45 Minuten haben wir dann erst einmal alles zusammengepackt. Jan muss jetzt wohl oder übel im ersten Gang die leichtesten Anstiege hochfahren.

Zwanzig Kilometer weiter, am Stausee „Lac des Toules“, legten wir eine kurze Pause ein. Wir hatten lange vor der Tour schon darüber gesprochen, dass wir an dieser Stelle entscheiden, den Tunnel oder den Pass zu nehmen. Nach einer kurzen Zigarettenpause sind wir uns weitestgehend einig. Wir nehmen den Pass. Zwar ist Jan nicht wirklich davon begeistert, aber das kann man auch verstehen.

Nach ein paar Kilometern und einigen Serpentinen verlieren wir uns wieder aus den Augen. Marcel, Patrick und ich warten auf Sobo und Jan an einer kleinen Haltebucht. Da Arndt und Ben über jede Kurve, die sie hinter sich haben froh sind, fahren Sie weiter. Nach einer Viertelstunde macht sich Patrick auf den Weg Jan und Sobo zu suchen. Nach weiteren 15 Minuten kommt er zurück und erklärt uns, dass Jan uns Sobo durch den Tunnel fahren, weil es mit dem Roller keinen Sinn machen würde, diese Steigung weiter zu fahren. In manchen Kurven würde sogar der erste Gang streiken. Da die anderen Beiden aber schon weiter sind, haben sie sich so abgestimmt, dass wir üben den Berg fahren und uns auf der anderen Seite treffen.

Also geht es weiter. Die nächsten vier Kilometer sind noch einmal richtig anstrengend. Die Motoren lassen immer mehr Leistung mit jedem Höhenmeter und jede Kurve wird anstrengender zu fahren, weil beim Hochschalten keine Kraft mehr am Hinterrad ankommt. Aber immerhin wird es ein bisschen kühler als es noch im Tal war. Hin und wieder liegt links und rechts am Rand Schnee. Nach insgesamt 40 km Anstieg, auf einer Höhe von 2473 m haben wir den „Col du Grand St. Bernard“ erklommen! Oben angekommen treffen wir auch Arndt und Ben wieder, denen wir erzählen, dass Jan und Sobo durch den Tunnel sind. Wir stellen die Mopeds ab und stolz wie Bolle es geschafft zu haben, machen wir ein Etappenfoto am Bergsee, der sich genau am höchsten Punkt der Route befindet.

Hier ist einiges los. Die Touristen parken mit ihren Autos die ganze Durchfahrt zu, echt anstrengend. Ständig fahren Autos auf dieser kleinen Straße vorbei und Fußgänger drängeln sich durch die Blechlawine. Das ist nichts für uns. Wir treten die Simmis wieder an, lassen die Grenze und somit die Schweiz hinter uns und fahren weiter in Italien. Jetzt geht es erst mal Berg ab mit uns. Zu dem anstrengenden Aufstieg eine willkommene Abwechslung. Dennoch können zu steile Abfahrten den Motor oder die Bremsen heiß werden lassen, im schlimmsten Fall sogar beides. Daher haben wir immer die Hand am Gashahn, für ein kleinwenig Zwischengas und gleichzeitig auch an der Bremse.

Dann endlich wird das Gefälle etwas flacher und wir können den „Abstieg“ so richtig genießen. Wir lassen uns den kühlen Wind durchs Gesicht und durch die Finger wehen. Legen uns in die schönen engen Bergkurven und geben Gas. Das ist Freiheit!

Hin und wieder überholen uns Autotuner, die das Driften am Berg üben. Interessant anzusehen, aber sicher nicht ganz ungefährlich, denn die Kollegen kommen regelmäßig mit quietschenden Reifen auf die Gegenfahrbahn. Aber wir hatten Glück und mussten uns an diesem Tag keinen schweren Unfall mit ansehen.

Nach 16 km treffen wir Jan und Sobo wieder, die ebenfalls die Überquerung des Berges heil überstanden haben. Den beiden geht es soweit ganz gut, nur Sobo beklagt sich darüber, dass seine Kupplung Zicken macht. Jan ist von der immer mehr abnehmenden Leistung seines Rollers auch nicht wirklich begeistert. Da wir aber erst 130 km geschafft haben und die Mopeds noch fahrtüchtig sind, machen wir uns weiter. Zurzeit geht es ja noch bergab, was es Jan leicht machen sollte mit seinem SR50 das Tempo zu halten. Das klappt an sich auch ganz gut, allerdings nur für 40 km. Denn nun Plagen uns zwei Dinge… Der anhaltende Hunger, da wir heute noch nicht wirklich was gegessen haben und der immer größer werdende Abstand von Jan.

So machen wir Halt in einer kleinen Nebenstraße von Châtillon. Ben Marcel und Patrick machen sich zu Fuß auf den Weg um etwas zu essen zu besorgen, während Jan, Arndt, Sobo und ich uns am Roller auf Fehlersuche machen. Wir fangen an noch einmal alles zu überdenken und zusammenzufassen, was es sein kann. Wir schauen uns den kompletten Ansaugweg und Vergaser an. Nichts zu finden. Wir experimentieren mit verschiedenen Ersatzvergasern, unterschiedlichen Hauptdüsen. Aber es stellt sich keine Verbesserung ein. Nach dem die Anderen wieder da sind und wir ein bisschen was gegessen haben, schauen wir uns die Zündung an. Also das Blitzgerät raus und abgeblitzt. Aber auch hier blitzen eher wir ab. Es hatte sich nichts verstellt und der Roller macht immer noch seine Zicken…

So gehen zwei Stunden ins Land und wir haben de facto nichts erreicht. Also machen wir uns mit müdem Tempo wieder auf den Weg um noch ein paar Kilometer für den heutigen Tag zu schaffen. Und ein paar trifft es auch ganz gut. Denn nach nur acht Kilometern bleiben wir wieder stehen. Jetzt will Sobos Kupplung nun wirklich nicht mehr. Wir halten an und schauen uns das nächste Problemkind an. Bei näherer Betrachtung liegt der Fehler schnell auf der Hand. Der Kupplungshebel am Motor bewegt sich kein Stück mehr, was wohl an den Druckstangen der Kupplung liegen muss. Zwar ist der Mangel schnell gefunden, aber es hätte zu Abwechslung was mal was Schönes sein können. Die Überlegung ist da, den
Motor zu tauschen, gegen den Ersatzmotor, aber Arndt und ich haben den Ehrgeiz die Stangen und den Hebel irgendwie zu lösen. Das spielt Sobo natürlich in die Karten, denn keiner gibt gern seinen Motor auf. Also packen wir es an und schrauben die Kupplungsseite auf. Wir nehmen die Kupplung runter und drücken mit aller Kraft die Druckstangen mittels des noch festhängenden Kupplungshebels, am Motor vorsichtig raus. Nachdem wir alles los haben, versuchen wir das beanspruchte Material etwa zu entgraten und fetten/ölen alles neu ein. Nachdem der Motor wieder montiert ist und die gelbe S51 wieder läuft, wollen wir uns auf den Weg machen.

Da es zum Zeitpunkt des Stopps bereits 19:00 Uhr war, haben sich Marcel und Patrick sich schon mal auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz gemacht. Nun versuchen wir die beiden zu erreichen, um ihnen nach einer Stunde Bastelei nachzufahren. Sie lotsen uns via Telefon auf eine abgelegene Weidewiese nahe der Stadt Berriaz. Als wir hier ankommen bauen wir schnell die Zelte auf und trinken noch ein, zwei Bierchen die die Drei vorhin eingekauft haben. Da der Roller immer noch nicht läuft, möchte ich mir diesen noch einmal zu Gemüte führen. Zwar stehe ich mit meinem Engagement etwas allein da, weil keiner mehr Lust und Kraft hat, am Roller zu schrauben, aber das Problem muss ja behoben werden.

Ich schiebe mir den besagten SR50 zu Recht und trete ihn an. Damit hatte er keine Probleme und hielt auch einwandfrei das Standgas. Genauso auch jetzt. Allerdings fällt mir ein seltsames pfeifen auf. Ich frage die Anderen ob Sie das auch hören. Sobo meint nur, dass ihm das schon in Châtillon aufgefallen sei. Ich halte meine Hand hinter den Auspuff des Rollers und merke, dass ich nichts merke…

Ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, da wir mit großer Sicherheit den Fehler gefunden haben oder ob ich fluchen soll, weil uns ein verstopfter Auspuff mindestens 5 Stunden gekostet hat?!

Ich baue den Endtopf ab, zapfe für die Reinigung etwas Benzin vom Roller und gebe Jan seinen Endschalldämpfer, Benzin und Lappen in die Hand, damit er seinem besten Stück den Allerwertesten abwischen kann. Eine halbe Stunde später ist der Pott wieder montiert und der Roller zieht bergauf, als hätte er einen Sechszylinder verschluckt!

Jetzt wird es Zeit sich die Hände zu putzen und ein Siegerbier zu trinken! Prost Jungs, morgen geht es voran!

Tag 04 – The Golden Goal

Tag vier unserer Reise, heute wollen wir Monaco erreichen. Zwar gehen wir optimistisch an unsere Tagesroute, da die Macken unserer Mopeds (zurzeit) wieder behoben sind, aber beim Wildcampen muss man es ja nicht riskieren, erwischt zu werden. Daher haben wir 06:00 Uhr bereits alles verpackt und verlassen wir unsere Viehwiese eine knappe halbe Stunde später Richtung Süden. Noch ist es morgendlich kühl auf dem Moped, aber der Tag ist klar und wir haben freie Fahrt. Jans Simson SR50 läuft wieder gut und kann hervorragend mithalten, beziehungsweise davonfahren. Auch Sobos S51 macht keine Zicken mehr und seine Kupplung funktioniert wieder einwandfrei.

Die ersten 50km des Tages kommen wir gut voran. Ja gut, wir haben uns zwar zweimal ein bisschen verfahren, aber das ist im Grunde nicht der Rede wert. Was allerdings viel schwerwiegender ist, dass unsere Tanks immer leerer werden und aktuell noch keine Tankstelle geöffnet hat. Wobei wir oftmals nicht einschätzen können ob diese nur vorübergehend geschossen, oder halt einfach dicht gemacht haben. An der Tanke in dem kleinen Kaff Pramonico, sind dicke Schlösser an den Zapfsäulen und diverse Spinnweben. Daher befüllen wir unsere Spritfresser, in diesem Jahr Arndt, Marcel und seit gestern auch Jan, vorsorglich mit Benzin aus unseren Reserveflaschen und zapfen zur Sicherheit schon mal was bei Patrick ab. Er hat mit seiner MZ TS 250 noch genügend Reserve im Tank. Nach etwa 30 Minuten geht es dann weiter.

Fünf Kilometer später finden wir abermals eine Tankstelle, die geschlossen hat. Doch ein bisschen Glück ist mit uns, denn Kartenzahlung ist möglich. Also machen wir unsere Simmis wieder voll sowie die Reserve und düsen weiter. Nach einer Weile kommen wir gegen 09:00 Uhr in Turins Vororten an. Bis wir diese und Turin selbst hinter uns gelassen haben, vergeht fast eine ganze Stunde. Da wir aber Turin erst einmal hinter uns lassen wollen, beschließen wir hier nicht zu Frühstücken, trotz dass der Magen knurrt. Wir fahren noch gute zehn Kilometer, bevor wir in La Loggia an einem zentralen Platz, an der Straße ein kleines Café sehen und rechts ran fahren. Wir parken die Mopeds mitten auf dem Platz damit wir sie von der kleinen Caffetteria aus gut sehen können. Wir setzten uns an die Tische im Außenbereich und bestellen uns belegte Baguettes und Kaffee zum Frühstück. Während wir warten, beobachten wir den doch sehr belebten Platz und wundern uns über den doch sehr regen Betrieb hier. Hin und wieder schauen Einzelne unsere Mopeds an, bleiben stehen, unterhalten sich zum Teil darüber und gehen wieder weiter.

Endlich kommt unser Essen. Wir sind richtig froh darüber endlich etwas in den Magen zu bekommen. Dabei genießen wir das schöne Wetter und die Atmosphäre an diesem Platz. Eine gute Stunde gönnen wir uns das und reden dabei über den bisherigen und weiteren Verlauf der heutigen Etappe. Als wir weiter wollen, gehe ich mit Jan zum Bezahlen in den Laden. Wir geben wie immer ein gutes Trinkgeld. Als wir uns gerade höflich verabschieden, fällt uns ein, dass wir gar nichts mehr zu trinken haben, für unterwegs. Wir kramen schon nach Kleingeld, als wir den Kellner fragen, ob er uns auch Wasserflaschen „to-go“ verkaufen würde. Da gibt er uns zwei Flaschen und meinte, dass wir diese nicht bezahlen brauchen. Hey es gibt doch echt noch nette Menschen, die nicht nur auf Profit aus sind. Coole Geste! Wir bedanken uns noch einmal bei ihm, bevor wir wieder zu den anderen gehen und die Mopeds satteln um wieder Richtung Süden aufzubrechen.

Weiterhin kommen wir ganz gut voran. Nur leider verbraucht Jan durch die Bastelei mit den Vergaserdüsen nun so viel Benzin, dass er nach 120 km schon wieder frischen Oktansaft braucht. Also halten wir für einen kurzen Tankstopp, füllen direkt alle Mopeds auf und verkleinern Jans Hauptdüse wieder auf Originalmaß. Vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, dass wir die Tanks wieder voll haben, denn wir bewegen uns auf der E74 weiter in Richtung Colle di Tenda. Ab jetzt wird es wieder einmal zerklüftet, in der bisher gut funktionierenden Kolonne. Die Abstände werden wieder mal größer und vereinzelt müssen wir aufeinander warten. Leider verpassen wir dabei die Ausfahrt zum Colle di Tenda, und stehen statt am Fort Central, vorm Tunnel, der uns anstatt über den Berg, mittendurch führt. Da wir aber froh sind den Berg geschafft zu haben, wollen wir nun auch nicht mehr umkehren und bleiben in der Warteschlange der Baustellenampel stehen. Wir warten ca. 20 Minuten, bevor wir endlich weiterfahren können. Wir lassen den gut drei Kilometer langen Tunnel, auf 1800m Höhe hinter uns und damit auch den letzten großen Anstieg auf unserem Weg mit der Simson nach Monaco.

Ab jetzt steht uns unserem Ziel nichts mehr im Wege. Es geht nur noch bergab. Das Wetter ist sonnig und durch die Kühle in den Bergen aber sehr angenehm zu fahren. Etwa 60 Kilometer und einen erneuten Länderwechsel brauchen wir noch, um die Mittelmeerküste Italiens zu erreichen. Mit jedem Kilometer den wir hinter uns legen steigen die Temperaturen.

Endlich an der Küste angekommen, freuen wir uns unserem Ziel so nah zu sein. Dennoch legen wir auf der italienischen Seite der Grenze noch eine Pause ein um Kaffee zu trinken. Wir reden noch einmal darüber was wir nun tun werden. Der ursprüngliche Plan ist es heute in Menton zu bleiben, und morgen nach Monaco zu fahren. Da wir nun so kurz vor dem Ziel sind und der Tag um halb vier noch relativ jung ist, entscheiden wir uns heute noch nach Monaco zu fahren. Nach 30 Minuten stehen wir am Italienisch-französischen Grenzübergang, den wir von dem Imbiss aus schon sehen konnten. Trotz offener Grenzen werden wir kurz angehalten.

Ich sehe von ganz hinten, dass der Polizist Marcel, der ganz vorne fährt etwas fragt. Da ich keine Lust darauf habe alles abzupacken um meinen Ausweis zu suchen, rege ich mich schon wieder innerlich auf, was das jetzt soll. Doch nach einem kurzen Wortwechsel sehe ich wie Marcel dem „Grenzer“ unsere Visitenkarte gibt und er uns dann passieren lässt. Ich denke, nicht schlecht, man kennt uns und wollte sich nur vergewissern, dass wir es sind. Vielleicht können wir in Frankreich überall mit unserem guten Namen bezahlen.

Von hier aus fahren wir die Küste, durch die engen und befahrenen Straßen Mentons entlang. Wir verlassen den Ort nach kurzer Zeit um hinter dem letzten Hügelchen des Cap-Martin endlich Monaco aufblitzen zu sehen. Voller Freude wieder einmal unser Ziel erreicht zu haben, sind die letzten fünf Kilometer nun auch keine Hürde mehr. Am Rande des Fürstentums angekommen, werden wir dieses Mal nicht angehalten. Zwar schauen uns die beiden Grenzkontrolleure hinterher, als hätten Sie noch nie eine Simson gesehen, dennoch können wir in vollem Schwung einfach in die Stadt fahren.

Sauber und aufgeräumt begrüßt uns Monaco und wir fahren auf neuem Asphalt dem Hafen entgegen. Hier angekommen stellen wir zu einem erst einmal unsere Simsons ab und dann fest dass Monaco gar nicht mal so einen interessanten Eindruck macht. Klar wirkt hier alles etwas teurer und gediegener, aber ob teure Autos oder Yachten, irgendwie ist Monaco eine Stadt wie jede andere. Sicherlich, und das wissen wir auch, muss man sich mit der Materie beschäftigen. Da wir das nun aber gar nicht wollen und auch nicht die Zeit dafür haben, beschließen wir uns, nach einer halben Stunde Aufenthalt Monaco, dem Fürsten und den ganzen Steuersündern den Rücken zu kehren, und wieder nach Frankreich zu fahren. Wir steuern unmittelbar den Campingplatz an, um alles einzurichten, aufzubauen, etwas zu essen, um dann das Finale der EM 2016 Frankreich gegen Portugal nicht zu verpassen. Natürlich sind wir in diesem Spiel für die Franzosen, trotz dass sie uns im Halbfinale rausgekickt haben. Aber gute Verlierer können sich auch mit Gewinnern freuen. Und außerdem, wenn Sie uns schon schlagen, dann sollen sie wenigsten auch gewinnen, sonst war das ja alles umsonst…





Endlich oben auf dem Berg, am Campingplatz St. Michel, in Menton angekommen erfahren wir, dass die lokale Kneipe am Platz das Spiel überträgt. Super! Das bedeutet, dass wir die 100 Höhenmeter bis zur Stadt doch nicht zu Fuß bewältigen müssten um eine geeignete Kneipe zu finden. Astrein!

Nach dem Check-In und Bezahlung der Unterkunft teilen wir uns auf um etwas Zeit zu sparen. Ein Teil richtet die Zelte ein und der andere fragt in der Kneipe nach, ob die Kollegen auch etwas zu essen anbieten. Also mache ich mich mit Patrick auf den Weg in das kleine Lokal. Da wir mit unserer Anwesenheit die Belegschaft ohnehin schon beim Essen stören, sind diese dennoch so freundlich uns die Fragen nach einem leckeren Essen uns später einen guten Platz für das Spiel zu beantworten. Sie sagen, dass für das Spiel schon alle Sitzplätze belegt sind und sie uns empfehlen vorher zu essen um noch einen Platz zu bekommen. Und genauso reservieren wir auch und gehen zu den Anderen, die gerade noch die Zelte aufbauen zurück.

Als wir fertig sind gehen wir gemeinsam zum Lokal und bestellen uns Burger, Pizza und Bier. Während des Essens wird die kleine Kneipe immer voller. Wir sind bereits mit Essen fertig, als plötzlich die Gäste kommen, die für unseren Tisch reserviert haben. Wir stellen fest, dass wir doch alle gut an den Tisch passen würden und vergrößern einfach nur unsere Runde um ein paar freundliche Franzosen.

Der Abend ist sehr schön, da wir immer noch voller Freude darüber sind Monaco erreicht zu haben. Das prallgefüllte Lokal untermalt unsere Stimmung und wir haben viel Spaß. Auch wenn wir uns in drei bis fünf verschieden Sprachen versuchen zu kommunizieren entstehen den ganzen Abend keine Missverständnisse. Völkerverständigung kann also funktionieren, wenn man nur will.

Leider können wir uns mit den Franzosen nicht über das Ergebnis des EM-Finales freuen, da die Portugiesen mit nur einem Tor den Cup geholt haben. Schade. Wir hätten uns sehr gefreut. Da die Stimmung nun nicht gerade am kochen ist, kündigt der Wirt relativ schnell die letzte Runde an. Dieser Aufforderung gehen wir natürlich nach und lassen uns nicht zwei Mal bitten. Also noch ein Bierchen und dann ab ins Bett.

Tag 05 – Kurz aber lang

Aufgrund der Tatsache, dass wir heute doch nicht wie geplant einen Tag nach Monaco fahren wollen, haben wir uns schon gestern dafür entschieden etwa 100 Kilometer die Küste Richtung Osten entlang zu fahren. Das hat außerdem den charmanten Vorteil, dass wir auf dem Rückweg nicht dieselbe Strecke fahren. Da wir dementsprechend nur einen kurzen Tagestrip vor uns haben, stellten wir unseren Wecker relativ spät auf neun Uhr.

Nach dem sich alle frisch gemacht haben und das Gepäck verstaut ist, verlassen wir gegen 10:00 Uhr den Campingplatz. Das Wetter ist einfach klasse. Der Morgen ist trotz angekündigter Hitze noch angenehm kühl, die Sonne scheint und die Simmis laufen gut. Doch mit einem haben wir leider nicht gerechnet. Dem hohen Verkehrsaufkommen. Aufgrund der Tatsache, dass die Westliche Nordküste Italiens am Berg gelegen ist, gibt es nicht so sehr viele Ausweichstraßen, wenn man von links nach rechts will, oder umgekehrt. Das bedeutet, dass wir für die ersten 12 Kilometer des Tages eine gute Halbestunde brauchen. So schön die malerische Landschaft auch ist und sie ist wirklich sehr schön, strengt der Verkehr doch ganz schön an. Immerhin haben wir uns auf zweieinhalb Stunden Highway 1 ähnliches Cruisen eingestellt. Aber was soll’s. Wir müssen ohnehin tanken und machen daher die erste Pause in Ventimiglia. Fertig getankt, gemischt und bezahlt geht es wieder weiter. „Komm, lass mal Strecke machen“. Leider zeigt sich, dass das gar nicht so einfach ist. Eine Blechlawine der Tourismusindustrie drängt sich die Küste entlang und wir mitten drin. Etwa 50 Kilometer und zwei Stunden weiter stellen wir unsere Simsons in Port-Maurice ab. Völlig klar, wir wollen baden, und bei der Gelegenheit gleich mal Mittagessen.

Dass hier ein kleiner Bootsverleih und kein Badestrand ist, interessiert uns herzlich wenig. Auch dass wir auf der Abwasserpipeline spazieren interessiert uns nicht. Das Wasser ist klar und angenehm kühl. Einfach wunderbar! Eine willkommene Abwechslung zum mittlerweile doch sehr heißen Stop and Go der Innenstädte.

Als wir uns wieder umgezogen haben, hören wir uns nach einer Gaststätte um. Nur etwa 100 Meter weiter werden wir bereits fündig. Mit großem Hunger auf eine Italienische Pizza, teilt uns der Angestellte, des Ristorante Borgo Antico mit, dass es heute keine Pizza gibt. Uns wird auch gar nicht gesagt, warum nicht. Wir vermuten, dass einer vergessen hat den Pizzaofen anzustellen, oder den Teig zu kneten. Wer weiß es?! Dann halt was anderes. Ich bestelle Tortellini, da man damit nie was verkehrt machen kann, denn selbst wenn sie gekauft sind kann es nicht schlecht sein.

Als das Essen an den Tisch kommt, wird klar, warum man im Ausland nicht unbedingt ein Schweineschnitzel bestellen sollte. Ok, dass es ein Schnitzel natur ist, ist vielleicht gar nicht so schlimm, aber Marcel, Ben, Patrick und Arndt essen es nicht ganz auf, und das soll schon was heißen.

Wir machen im Ristorante kein riesen Fass auf. Wir bezahlen unsere Rechnung und besuchen noch ein Fastfood-Ristorante und geben uns noch ein paar Burger. Wie nahrhaft das ist, darüber muss man sich nicht unterhalten, aber der Geschmack im Mund stimmt wieder. Unser kurzer Mittags-Badestopp in Port-Maurice hat dann am Ende doch fast drei Stunden gedauert.


Nach nur 45 Minuten beklagt sich Ben darüber, dass sein Hinterrad immer mehr eiert. Da das ein Sicherheitsaspekt ist, halten wir direkt im nächsten Ort Alassio an. Hier stellen wir fest, dass sich seine Speichen gelockert haben und auch schon drei bis vier davon fehlen. Hm, nicht so cool! Da wir jetzt nicht unbedingt das Rad neu speichen wollen, entscheiden wir uns dazu, das Ersatzrad von Arndt einzubauen. Daher wird aus der Pause ein Relativ Kurzer Boxenstopp von nur 30 Minuten. Werkzeug raus, Rad tauschen, Werkzeug rein, eine rauchen und weiter. Topp! Auf die letzten 50 Kilometer bis Savona.

Es ist abends halb Sechs als wir nach acht Stunden und etwa 130 Kilometern endlich die Ortseinfahrt Savonas passieren. Wir machen uns unmittelbar auf den Weg zum Campingplatz. Da dieser relativ nah am Wasser gebaut ist, wollen wir uns auf jeden Fall noch mal im Meer abkühlen heute. Dort angekommen und eingecheckt müssten wir als aller erstes mit dem Besitzer des Campingplatzes einen trinken. Es gab verschiedenste Früchte mit fast purem Alkohol getränkt und das alles aufs Haus. Nach und nach holt er noch die verschiedensten Variationen an Spirituosen aus seinem Barschrank. Da wir hier nicht wie die anderen versacken wollen, machen sich Patrick, Jan ich bald auf den Weg zum Meer. Viel ist hier nicht mehr los und der Abend besiegt langsam den Tag, obwohl es noch angenehm warm ist. Nachdem wir im Wasser waren, sitzen wir noch eine Weile am Strand. Wir genießen das Meeresrauchen und denken dabei an Ronny, der diese melancholischen Momente immer so sehr für sich genießt. Wir vermissen ihn, freuen uns aber auch gleichzeitig, dass er nun Vater geworden ist! Da wir für ihn noch ein Video aufnehmen wollen, gehen wir auch bald wieder zu den Anderen zurück, die zwischendurch schon die Zelte aufgebaut haben, mittlerweile aber wieder beim Camp-Chef sitzen. Da wir nun alle zusammensitzen nehmen wir das Video für Ronny und seine Freundin, mit den besten Glückwünschen zur Geburt auf. Wir sind nicht traurig darüber, dass er nicht dabei sein kann, weil der Grund dafür so schön ist. Ein bisschen Wehmut schwingt aber natürlich doch mit.

Wir trinken zusammen mit dem Chef von Camping Charly – Charlys Enkel – noch ein paar Bierchen und lassen den Abend dann ausklingen, denn morgen geht es zeitig los.

Tag 06 – Eine heikle Situation

So jung, 06:30 Uhr der Wecker klingelt. Wir müssen aufstehen, denn heute haben wir nicht nur 330km auf der Uhr, weil wir den Lago Maggiore erreichen wollen, sondern haben noch den einen oder anderen Berg vor uns. Pünktlich aufgestanden, schaffen wir es so demotiviert wie eh und je erst nach eineinhalb Stunden den Campingplatz zu verlassen. Als wir gegen 08:00 Uhr mit unseren Mopeds die Einfahrt passieren, teilt uns der freundliche Kollege mit, dass der Chef von Charlys Camping noch in den Federn liegt. War wohl doch ein bisschen viel gestern?!

Naja, was soll‘s. Ohne große Verabschiedung verlassen wir still und leise das Gelände und treten die Mopeds auch erst vor dem Camp an, damit wir keine Urlaubsgäste belästigen. Wir wollen ja nicht, dass da auch nur ein Italiener einen Grund hat Simson oder uns als Deutsche nicht zu mögen. Schließlich mögen wir ja auch die Italiener und ihre Vespa, vor allem aber ihre Pizza!

Wir drehen noch eine kleine Schleife in Richtung Westen, bevor wir Savona in Richtung Nord-Osten verlassen. Auf dem Weg durch die Stadt überholen uns auf einmal vier Gleichgesinnte auf Ihren Simsonmopeds, alles S51 Modelle. Da wir gerade noch ein bisschen verschlafen sind und ein wenig mit der Route beschäftigt, schaffe ich es im letzten Moment noch ein Foto mit der am Moped montierten Spiegelreflex zu schießen, bevor die vier grüßender Weise an uns vorbei fahren… Schade, hätte mich mal interessiert, wer sie waren und wo sie hin wollen. Denn direkt danach trennen sich unsere Wege. Während sie nach Osten fahren, ändern wir den Kurs nach Norden.

Der Morgen bringt angenehme Temperaturen. Der Himmel zeigt sich leicht bedeckt. Nach Savona geht es unmittelbar bergauf. Wir kommen aber dennoch sehr gut voran. Wir schaffen die ersten 40 km, in etwa 75 Minuten. Dann müssen wir tanken. Wir halten kurz in dem kleinen verschlafenen Ort Tetti an und füllen unsere Simsons wieder auf. Hier haben wir mit etwa 800 Metern Höhe schon fast den höchsten Punkt unserer Tagesreise erreicht. Von hier an fahren wir einige Kilometern auf den Kämmen der einzelnen Hügel entlang und können hin und wieder einige Kilometer ins Land schauen, wenn sich die Bäume lichten. Wir genießen die Landschaften Italiens und halten wacker durch. Wir haben gesagt, dass wir die Frühstückspause erst nach 100 Kilometern einlegen.

Am Ortseingang zu Fossano ist es dann soweit. Wir halten an einem Kleinen Diner namens Café Dreams. Hier bekommen wir von der netten Bedienung Reichlich Baguette, Panini und Kaffee. Das Essen ist köstlich und vor allem frisch zubereitet. Und der Kaffee bringt wieder Motivation. Wir halten uns hier keine ganze Stunde auf, bevor es uns wieder auf die Straße zieht. Beim Zusammenpacken der Mopeds bemerken wir wie es schlagartig dunkel wird. Der Himmel zieht zu und es sieht so aus, als würde es in nicht allzu ferner Zukunft reichlich regen geben. Aus diesem Anlass ziehe ich mir schon mal die Regenhose an. Wenn es dann losgeht, muss ich nur noch schnell die Jacke anziehen. Die anderen legen auch schon ihre Regesachen nach oben.

Durch die kleine Verzögerung mit der Packerei schaffen wir es gar nicht mehr auf trockenen Reifen den Hof zu verlassen. Daher können wir uns gleich den Regenmantel anziehen, bevor es weiter geht. Und so geht es dann auch weiter. Es regnet und regnet und regnet. Aber was soll‘s wir sind hart. Wir fahren weiter. Kurz nach dem kleinen Dorf Pollenzo kommen wir auf eine Ampelkreuzung zu. Ich sehe das rote Licht und denke, dass es vielleicht sinnvoll wäre die Vorderradbremse, die ich sonst ausschließlich ziehe etwas mit der Hinterradbremse zu unterstützen. Also tippe ich mit dem Fuß ganz leicht den Bremshebel an. Unmittelbar in diesem Moment geht mir der Arsch weg. Ich falle. Ich denke sofort, an das was folgt, Ben, Patrick, Marcel,… Ich hoffe, dass die anderen noch irgendwie zum Stehen kommen und bemerke im Rückspiegel, dass es auch da nach einem Sturz aussieht. Als ich dann so auf der Straße liege, geht mein Blick nach hinten. Ich sehe Ben, der es sich mit seiner S51 rechts am Bordstein bequem gemacht hat. Aber nicht lange, denn dann kommt Patrick mit seiner MZ und schiebt die beiden in die nächste Hecke. Krass was alles so in zwei Sekunden passieren kann. Unmittelbar danach richte ich mich auf, stelle das Moped wieder hin und gehe, wie die Anderen auch zu Ben und Patrick. Den beiden geht es anscheinend gut und somit werten wir die Schäden aus die bei den Stürzen entstanden sind.

Körperlich geht es uns soweit gut, außer dass ich das Fußrastengestänge in die Wade bekommen hatte und innerhalb der nächsten Stunden mit einem blauen Fleck rechne, der so groß ist wie Mecklenburg-Vorpommern. Aber Pillepalle! Wir schauen uns die Mopeds an und stellen fest, dass bis auf Bens Fußraste nichts locker geworden ist.

Da er so nicht weiter fahren kann, stellen wir die Mopeds erst einmal zur Seite, dass auf dieser schmierigen Fahrbahn nicht noch ein Auto hinten drauffährt. Wir sehen uns zufuß ein bisschen um und entdecken etwa 100 Meter weiter eine Tankstelle. Wir, bis auf Ben, fahren die Mopeds dahin und stellen uns unter dem Dach unter. Hier machen wir es uns erst einmal bequem und bestellen einen Schnaps, für den Schock und einen Kaffee. Durch ein wenig Smalltalk finden wir heraus, dass es hier einen netten Menschen gibt, der uns vielleicht die Fußraste schweißen könnte. Der Tankwart gibt sich richtig mühe und organisiert einige Menschen die uns bei der Suche nach einer helfenden Hand unterstützen. Interessanter Weise hat die Werkstatt direkt nebenan anscheinend keine Lust mit uns zu sprechen. Denn obwohl jemand da ist, macht keiner auf… Aber dann kommt ein Mann vorbei der anscheinend so eine Art Steinmetz sein muss. Auf jeden Fall sackt er Ben und die Fußraste ein und die beiden fahren los. Wir vertreiben die Zeit mit Kaffee und Rauchen. Nach einer guten halben Stunde kommen die beiden wieder. Sie haben die Trophäe des Erfolges in der Hand. Es scheint alles geklappt zu haben. Ben stürmt in die Tanke und kauft einen Schnaps für sich und den freundlichen Helfer. Wir wollten ihn eigentlich für seine Leistung entlohnen, aber er meinte dass er das nicht will. Ihm selber ist es passiert, dass er in Deutschland mal eine Panne hatte und ihm wurde auch sofort geholfen. Es ist für ihn völlig klar, dass das ganze unter nachbarschaftlichen Freundschaftsdienst abzuhaken ist!

Da wir nun fast zwei Stunden verloren haben und insgesamt gerade einmal 120 Kilometer geschafft haben, wollen wir nun auch nicht lange warten. Einen Vorteil hat es auf jeden Fall, der Regen hat aufgehört. Innerhalb der der nächsten 50 Kilometer haben wir keine großartigen Zwischenfälle. Wir lassen Asti hinter uns und machen in Calliano eine kleine Raucherpause. Auch hier wollen wir nicht viel Zeit verlieren, da wir in ein paar Kilometern ohnehin wieder tanken müssen. Und keine 20 Kilometer weiter ist es auch soweit. Der Roller ist auf Reserve, schafft es aber gerade noch bis zur Tanke nach San Giovanni. Wir tanken schnell auf, machen aber keine lange Pause.

Jetzt haben wir den Status erreicht, dass wir das angenehme mit dem Nützlichen verbinden und nur noch dann Pausen machen, wenn ohnehin etwas anliegt. Da wir und fürs Wildcampen entschieden haben, müssen wir heute definitiv noch einkaufen. Ansonsten gibt es heute Abend nichts zu essen. Gegen einen Zeltplatz haben wir uns aus dem Grund entschieden, da es zum einen schon so spät ist, wenn wir ankommen und zum anderen wir bei Regen die Vorzüge eines Campingplatzes sowieso nicht nutzen. Also sowas wie eine wassernahe Lage, draußen im Biergarten sitzen,…

Auf jeden Fall kaufen wir gegen 17:00 Uhr in Novara die Lebensmittel für den heutigen Abend und morgigen Früh ein. Und es ist erstaunlich, was man noch alles in ein bereits vollbepacktes Moped bekommt, wenn man hungrig einkaufen geht.

Wir warten draußen in der Zeit wo Arndt, Ben und Jan einkaufen sind. Währenddessen fängt es erneut an zu regnen. Als die drei aus dem Supermarkt kommen regnet es immer noch. Aber immerhin ziehen die Wolken seitlich zu unserer Fahrtrichtung. Was bedeutet, dass wenn es aufhört, wir zumindest nicht mehr dasselbe Wetter einholen. Und das machen wir auch. Wir warten, bis es vorbei ist und snacken eine Kleinigkeit. Ist ein bisschen wie bei „Die Sims“. Wenn du am Tag keine Zeit für eine große Mahlzeit hast, dann snackst du halt…

Als der Regen vorbei ist, lassen wir uns auch nicht lange bitten und machen uns aus dem Staub. Etwa 50 Kilometer weiter erreichen wir den Südlichen Zipfel des Lago Maggiore. Und was soll ich sagen, glücklicher Weise kommen wir noch im Hellen am Lago an. Denn die Straßen und Landschaften sind einfach herrlich! Kleine, fast einspurige Straßen schlängeln sich zwischen dem bergigen Gelände hindurch und am See vorbei. Berge, knackige, kurvige Routen, Wasser, hier und da Motorradfahrer, Tunnel, alles was das Bikerherz begehrt! Das lässt uns die Letzten gut 30 Kilometer, bis wir einen geeigneten Schlafplatz gefunden haben fast vergessen. Und es sieht auch fast so aus, als würden wir gar nicht am See schlafen können. Bis wir an einem kleinen, miniparkähnlichen Rastplatz vorbei kommen. Da hier nichts mehr los ist, schlagen wir direkt hier unsere Zelte auf und genießen noch ein bisschen die letzten Minuten im Tageslicht und die schöne Aussicht über den See, in die Berge. Dann bestimmen wir noch wer morgens der Wecker sein soll. Das große Los trifft Sobo, der zur Aufgabe bekommt sich morgens auf einen kleinen Hügel, am Rastplatz zu hocken und laut „kikiriki“ zu rufen, um so die anderen zu wecken.

Tag 07 – Von der Traufe in den Regen

06:15 Uhr. Mein Wecker klingelt. Müde und ohne Drang aufzustehen aktiviere ich die snooze-Funktion. Pünktlich 06:30 Uhr, noch bevor mein Wecker es schafft, höre ich ein „kikiriki“… „kikiriki“… „kikiriki“.

Ich krabbel aus meinem Zelt, richte meinen Blick in Richtung des Geräusches und sehe Sobo auf dem Stein in der Mitte des Rastplatzes hocken wie er Hahnen-like den Weckruf gackert. Herrlich der Typ! So ein richtiger Nasenbär! Aber ich ziehe meinen Hut. Denn ich hätte es entweder vergessen, oder halt einfach nicht gemacht.

Damit wir nicht negativ auffallen, mit den ganzen Zelten hier an der Straße, packen wir als aller erstes mal schnell unsere Klamotten ein. So kann uns keiner mehr nachweisen, dass wir hier ein Wildcamp hatten. Da wir im anschließend auch nicht wirklich was zu tun haben, denn Essen für ein Frühstück haben wir nicht dabei, kommen wir gegen 07:00 Uhr auch sehr pünktlich los. Unsere erste Etappe ist aber nicht sehr lang, denn schon acht Kilometer weiter halten wir nach der Grenze “italiano-svizzera” zum Tanken an. Wir machen einen 20 Minuten Speedstop und geben wieder Gas.

Aber auch diese Runde dauert nicht sehr lang. Denn wiederum nach acht Kilometern in Vira, reißt Bens bereits geschweißte Fußraste wieder ab. Was uns zwangsläufig zum Stehen bringt. Ich will nicht sagen, dass weiterfahren zwecklos ist, aber wem schon einmal die Fußraste abgerissen ist, der weiß das das keinen Spaß macht, ohne zu fahren. Daher versuchen wir die Zeit sinnvoll zu nutzen. Ben und Arndt machen sich auf die Suche nach einer Werkstatt, die Ben vielleicht helfen kann und die Raste erneut schweißt. Parallel dazu gehen wir Anderen in ein kleines Café frühstücken. Die Werkstatt schweißt Ben die Fußraste. Die Naht sieht dieses Mal um Längen besser aus. Und für nur 25,-€ die der Mechaniker für seine Kaffeekasse verlangt ist das ein klasse Ergebnis. Und für einen Schweizer sind 25,- nun mal nur Kaffeekassengeld…

Nachdem Ben und Arndt fertig sind und die Fußraste wieder montiert ist, können auch sie sich zu uns gesellen und ein leckeres Frühstück genießen. Nachdem nun alles fest ist und Mopeds sowie Fahrer aufgetankt sind, können wir uns endlich nach guten 15 Kilometern gefahrener Gesamtstrecke wieder auf den Weg machen.

Die nächsten 50 Kilometer fahren wir ohne weitere Probleme, bis wieder einmal der Berg ruft. Ab Soazza ist der Kampf unserer kleinen Simsons gegen die Schwerkraft deutlich zu spüren. Aber dennoch schlagen sie sich wacker durch und selbst wenn es nur schleppend weiter geht und man um den zweiten Gang echt kämpfen muss, macht das Fahren hier richtig Spaß! Eine Serpentine reiht sich an die nächste und man versucht so schnell man kann die engen Kurven zu nehmen, damit man nicht wieder in den Ersten kommt. Hin und wieder überholen wir uns, da sich jede Simson anders fährt, jeder Fahrer seinen Schwung anders ausnutzen kann und man fällt vor und zurück. So stelle ich mir das bei den Radfahrern der Tour de France vor, nur das die sicher schneller sind als wir.





Auf der Höhe San Bernardino nehmen wir statt dem Autobahntunnel die Passstraße. Ab hier ist die Steigung zwar nicht mehr so steil, aber dafür steht hier ein Mann in oranger Signalweste auf der Straße. Wir gehen natürlich davon aus, dass hier Bauarbeiten stattfinden und wir im schlimmsten Fall umkehren müssen. Bei näherer Betrachtung und auf den zweiten Blick sehen wir, dass der Mann eine Uniform trägt. Wir halten an und warten, auf weitere Instruktionen des Mannes. Er gibt uns im schweizerdeutschen Dialekt zu verstehen, dass wir warten müssen, bis er uns durch lässt. Da er und wir ohnehin warten müssen, frage ich ihn, ob er nicht ein Foto von uns machen kann. Freundlich wie er ist kann er natürlich nicht nein sagen und gewährt mir die Bitte. Nach dem es zwei, drei Mal so richtig laut geknallt hat und wir von der Annahme ausgehen, dass es sich dabei um Sprengungen handelt, fahren wir nach der Freigabe entspannt weiter. Nach ein paar Kurven sehen wir was hier gerade eigentlich passiert ist. Die Schweizer Armee übt hier schießen mit der Panzerfaust, auf Papppanzer auf der anderen Bergseite. Interessant, Interessant! Als wir den nächsten Streckenposten passieren kann man von dem Specktakel schon nichts mehr erkennen. Die Abschirmung zur Geheimhaltung hat also funktioniert…

Mit etwa 2067 Metern Höhe ist der San-Bernardino-Pass zwar nicht der Höchste, den wir bis jetzt erklommen sind, aber mit Abstand der Kälteste. Naja gut, wir haben das Pech, dass wir oben am Bergsee einen leichten kalt kondensierenden Nebel haben und durch die dicke Wolkendecke nicht wirklich viel Wärme ankommt. Nichtsdestotrotz machen wir hier oben, stolz wie Bolle ein Gruppenfoto.

Wohl wissend, dass wir nun gleich wieder bergab fahren, verzichte ich darauf mir wärmere Kleidung anzuziehen, obwohl ich wegen dem Stativ gerade mal meine Tasche offen habe. Also geht es in T Shirt und Jeansjacke weiter bergab. Ich muss sagen, dass die Talfahrt richtig Spaß macht, auch wenn ich extrem friere, weil das Jeansgewebe so gut wie keine Wärme am Körper hält. Egal es macht Spaß.

Erst nach etwa 20 Kilometern guter Bergabfahrt fange ich langsam an mir darüber Gedanken zu machen, dass es hier wahrscheinlich gar nicht mehr wärmer wird. Das schöne Wetter bleibt sicher unterhalb der Alpen. Na toll und ich zittere mir auf der S51 tierischen einen ab. Zwischendurch mache ich mir immer mal wieder die Griffheizung an, weil mir so kalt ist und ich schwöre mir, dass mir das in meinem Leben kein zweites Mal passiert mich auf das zu verlassen, was eigentlich sein müsste.

Nach etwa 50 Kilometern bergab halten wir in Bonaduz an um unsere Mopeds aufzutanken. Hier holen wir uns auch erst mal einen warmen Kaffee. Während wir in fahlen, seicht durch die Wolken scheinenden Sonnenlicht versuchen etwas Wärme zu tanken, ziehe ich mich nun doch warm am.

Nach gut 20 Kilometern machen wir einen Stopp, um uns kurz die Beine zu vertreten. Währenddessen zieht der Himmel immer mehr zu. Es ist zwar momentan noch trocken, aber es sieht durch die meist dichte Wolkendecke arg nach Regen aus. Sobo lässt sich dadurch etwas verunsichern, weil er ausgerechnet heute im Laufe des Tages seine Regenkombi irgendwo hat liegen lassen. Aber Ben hatte ihn bereits vertröstet, dass er bei einem kurzen Schauer auch seine haben könne, da seine Motorradklamotte ja zu einem gewissen Grad auch Wasserabweisend ist. Wir ziehen uns schon mal pro forma unsere Kombi über. Keine zehn Kilometer ist es dann soweit. Als wir gerade in Lichtenstein einfahren, fängt es nach ein paar vereinzelten Tropfen so richtig an zu schütten, das Ganze ging so schnell, dass Sobo es natürlich nicht mehr geschafft hat irgendetwas anzuziehen. Als wir in Balzers in Lichtenstein anhalten im Unterschlupf zu suchen, ist Sobos Jogginghose komplett nass. Auch seine Jacke könne, glaube ich, keinen Tropfen Wasser mehr aufnehmen. Zwar versucht er sich ein paar Müllbeutel um die Beine und den Oberkörper zu binden, aber das klappt heute genauso gut wie bei uns damals auf dem Rückweg von Zwickau 2006. Da wir nun auch schon nicht mehr nur von einem kurzen Schauer sprechen, beansprucht Ben seine Regenkombi nun zu Sobos Nachteil für sich. So muss er leider noch ein paar Kilometer im Regen fahren, bis wir in Vaduz ein einem Fastfood Restaurant halten um uns aufzuwärmen, zu trocknen und etwas zu essen. Wir beraten uns wie es weiter geht und nutzen das kostenlose WLan um uns über das Wetter zu informieren. Der Wetterbericht für die Region sagt, dass es keine gute Idee ist heute mit kurzer Hose draußen zu spielen. Was können wir also machen. Sobo kann keine Ewigkeit mehr mit nassen Klamotten fahren, der Junge holt sich den Tod. Wir beschließen, dass wir es für heute sein lassen und lieber morgen weiter fahren, in der Hoffnung dass der Himmel etwas aufklart.

Während wir uns so darüber unterhalten, was wir machen können, scheinen unser Gespräch, und Sobos Versuch sich zu trocknen ein paar Lichtensteiner Jungs mitbekommen zu haben. Die hatten neben uns gegessen und unsere Misere anscheinend mitbekommen. Da haben Sie nicht lange gezögert und das neonorange Outdoor Outfit geholt, was der eine der Drei immer als Regenanzug im Straßenbau nutzt. Das ist natürlich klasse. Denn dadurch kann Sobo trockenen Fußes weiterfahren. Wir fragen ihn was er dafür bekommt und er meint, dass das schon in Ordnung sei. Das ist seine alte, er hat noch eine neue zu Hause liegen. Super! Wir bedanken uns mehrfach und freuen uns, dass das so gut geklappt hat. Denn so wie es nach unseren Recherchen aussah, gibt es hier kein Geschäft für Motorradbekleidung.

Trotzdem halten wir an unsrem Plan fest nur noch die nötigsten Kilometer bis zu einer bezahlbaren Unterkunft zu fahren. Also müssen wir zumindest mal Lichtenstein und die Schweiz verlassen und nach Österreich fahren. Hier haben wir uns eine Jugendherberge herausgesucht die zum einen entlang der Route liegt und nicht ganz so weit weg ist. Daher kommen wir bereits nach zehn Kilometern gegen 19:00 Uhr an der Herberge an. Trotz dass wir nur 210 Kilometer heute geschafft haben, sind wir total gerädert. Wir checken ein, beziehen schnell unsere Betten, damit wir die Arbeit erledigt haben und gönnen uns noch ein bisschen Erholung. Was so eine warme Dusche ausmachen kann wenn man einfach nur durchgefroren ist. Herrlich.

Nach und nach finden wir uns alle im Gemeinschaftsraum ein. Wir genehmigen uns noch ein paar kleine Bierchen, die uns der Herbergsvater verkauft hat und genießen unsere Unterkunft.

Tag 08 – Auf Regen folgt Sonnenschein

An diesem Morgen lassen wir uns alle Zeit der Welt. Es macht sich bereits gerade nach dem Aufwachen eine Null-Bockstimmung breit. Das Fenster in unserem 20m²-Achtpersonenzimmer ist über Nacht offen gewesen und wir hören bereits, dass es immer noch oder halt schon wieder regnet. Wir quälen uns langsam aus dem Bett und jeder macht so seinen eigenen Kram. Einer geht aufs Klo, einer rauchen, einer packt schon seinen Schlafsack ein und der ein oder andere liegt noch im Bett.

Dadurch gehen wir auch nicht wirklich gemeinsam zum Frühstück. Jan und ich machen uns schon mal auf den Weg nach unten. Wir nehmen uns direkt einen Teller vom Anfang des spärlichen Buffets, packen ein trockenes Brötchen und ein bisschen Wurst und Butter drauf. Doch das allerwichtigste, bevor wir uns an den Tisch setzen, ist der Kaffee. Als wir uns gerade an einen Tisch setzen, kommen Ben und Arndt zur Tür. Auch ihre morgendliche Kantinenrunde sieht ähnlich aus. Nach und nach kommen die anderen zu uns und gemeinsam regen wir uns über den Regen auf und gehen die Route des heutigen Tages durch. Nur knappe 170 Kilometer die wir heute schaffen wollen um Sebo, nicht Sobo, in Landsberg am Lech zu erreichen. Nach dem Frühstück packen wir die restlichen Sachen zusammen, die noch auf dem Zimmer liegen. Außer die Regenkombi, die ziehen wir gleich an. Anschließend werden die Mopeds gepackt, noch eine geraucht und dann geht es gegen neun Uhr wieder auf die Straße.

Die ersten 35 Kilometer bis zum Bodensee legen wir ohne großartige Zwischenstopps zurück. Die Wolken hängen tief in den Bergen und das Wetter verbreitet nicht gerade gute Laune. Es werden halt Kilometer gemacht und leider geht dabei die Landschaft etwas unter, aber was soll‘s. Leider hält uns zu allem Übel der Berufsverkehr ein wenig auf sodass wir bis zum Bodensee fast eineinhalb Stunden brauchen. Und es ärgert mich, dass das Wetter nicht wirklich mitspielt, denn seit 2008 wollte ich immer schon mit dem Moped an den Bodensee und jetzt wo ich da bin, ist das Wetter so bescheiden, dass völlig klar ist, dass wir weder für die malerischen Landschaften, noch zum Baden gehen am Bodensee anhalten. So fahren wir bei Wind und Regen östlich auf der 190 am Bodensee vorbei. Die Wellen peitschen durch den Wind bis auf die Straße und wir lassen den See, getrieben davon endlich in bessere Wetterlagen zu kommen, einfach links liegen.

Gegen elf Uhr erreichen wir die österreichisch-deutsche Grenze. Langsam klart das Wetter etwas auf und der Regen wird weniger. Nach weiteren zehn Kilometern beschließen wir, für unsere erste Pause des Tages anzuhalten. Hier in Heimenkirchen regnet es gerade gar nicht mehr. Das veranlasst die anderen ihre Regenkombi auszuziehen. Ich behalte meine lieber noch an, bevor ich die Jeansjacke nass bekomme. Nach einer halben Stunde satteln wir wieder unsere Simson und geben wieder Gas. Zwar bin ich noch nicht ganz so davon überzeugt, dass es jetzt wirklich aufhört mit dem Regen, aber dennoch genieße ich die regenfreie Zeit. Über Isny im Allgäu und Kempten schlängeln wir uns durch die letzten Ausläufer der Alpen. Ein paar kleinere Hügel nehmen wir zwar noch mit, aber nichts was wir nicht schaffen können. Zwischendurch legen wir noch einen kleinen Tankstopp ein, bevor wir gegen 14:00 Uhr Landsberg am Lech erreichen. Natürlich machen wir, mittlerweile bei Sonnenschein, eine kleine Stadtrundfahrt, da wir ohnehin noch Zeit haben, bevor Sebo von der Arbeit kommt. Anschließend machen wir uns auf zum Bahnhof, wo wir uns treffen wollen.

Da Sebo in der Nähe des Bahnhofes wohnt, müssen wir zum Glück nicht mehr so weit fahren, bis wir die die Mopeds für heute abstellen können. Nach der Begrüßung machen wir uns zu Feier des Tages erst einmal ein kleines Bierchen auf, um uns für den heutigen Abend einzustimmen. Wir packen schnell die Sachen von den Mopeds ab, während Sebo für uns einen Braten in die Röhre schiebt. Nachdem wir mit dem Aufbau des Nachtlagers in Sebos Hütte durch sind, machen wir uns ein bisschen zu Fuß auf, durch die Straßen Landsbergs. Jeder zwei Bierchen auf die Faust und dann setzen wir uns ein bisschen an den Lechwasserfall in Landsberg. Toll und zum ersten Mal heute können auch wir endlich mal die Landschaft genießen. Nach einiger Zeit machen wir uns dann wieder auf den Weg in unser Quartier, nicht dass noch der Braten trocken wird. Gemeinsam decken wir den Tisch und tafeln großzügig auf. Nach dem Essen trinken wir noch ein, zwei Likörchen und werten die nun schon fast hinter uns gebrachte Tour aus. Wir lauschen und gegenseitig unseren Anekdoten und freuen uns, dass, bis hierher alles so gut geklappt hat.

Wir haben viel Spaß und lachen über das ein oder andere Missgeschick, als zum Beispiel Sobo in Italien seinen Schuh während der Fahrt verloren hat und wir uns alle gefragt haben woran es gelegen hat, oder als wir nach tagelanger Suche darauf kamen, dass Jans Auspuff zu ist, anstatt seinem Vergaser. Nicht zuletzt den Sturz von Ben, bei dem zum Glück nichts passiert ist.

Und so leben in dem ein oder anderen Moment auch ein paar alte Geschichten auf die uns während vergangener Touren widerfuhren. Und dann denken wir, mit einer Krokodilsträne im Knopfloch an die Anderen der Drei lustigen Vier, die in diesem Jahr leider nicht dabei waren. Jungs, wir vermissen euch!

Mit jeder Geschichte schreitet der Abend voran und nach und nach geht der ein oder andere ins Bettchen. Es ist wichtig, dass wir gut ausgeschlafen sind den Morgen wollen wir mindestens 300 Kilometer schaffen.

Tag 09 und 10 – Der letzte Ritt

Pünktlich haben wir unsere Wecker gestellt um zeitig wieder auf die Straße zu kommen. Nach und nach stehen wir auf und treffen uns in der Küche. Da wir ihn nicht sehen, gehen wir davon aus, dass Sebo noch im Bett liegt. Doch als er plötzlich mit einer Tüte voll mit Brötchen zur Tür rein kommt wissen wir, dass dem nicht so ist. Ihm war nicht bewusste, dass wir relativ früh los wollen und daher hatte er extra für ein üppiges Frühstück eingekauft. Hmm… Naja, zwar wollen wir heute Gas machen, damit der letzte Tag morgen nicht so stressig wird, aber mit einem gefüllten Magen müssten wir auch nicht mehr extra zum Frühstücken anhalten.

Also packen wir parallel schon mal unsere Mopeds während der Kaffee durchläuft und sparen so die ein oder andere Minute. Sebo hat sich auch einfach nicht lumpen lassen und die aller feinsten Sachen aufgefahren. Verschiedene Sorten Wurst, Käse, es gibt Ei, Bacon, was das Herz begehrt. Wir essen uns an diesem köstlichen Frühstücksbuffet reichlich satt und füllen das Kaffeeniveau auf 100 Prozent.

Aber so schön es auch ist, es muss weiter gehen beziehungsweise fahren. Und das tun wir auch. Gegen 09:30 Uhr legen wir in Landsberg am Lech ab. Dankbar und freudig über die Gastfreundlichkeit von Sebo verabschieden wir uns und fahren winkender Weise vom Hof, vom Bahnhof.

Und wieder einmal beginnt der Tag. Ich habe zur Abwechslung mal das Navi auf dem Lenker und fahre daher vor. Was mir im Großen und Ganzen nichts ausmacht. Jedoch stelle ich schnell fest, dass der gestrige Versuch mein Getriebe nachzustellen anscheinend nicht so richtig seine Wirkung zeigt, wie ich es noch gestern Abend angenommen hatte. Hm naja, ist zwar ein bisschen doof, dass ab und zu der erste nicht richtig rein geht, oder auch mal raus springt, aber es wird schon gehen.

Ja, geht es auch, und zwar genau 30 Kilometer, als mir an einer Kreuzung beim Anfahren der gang raus springt, ich Vollgas gebe und beim hektischen Versuch den Gang wieder reinzubekommen die Kupplung aus der Hand rutscht. Sicherlich sieht meine Quack der Bruchpilot Performance sehr lustig aus, allerdings habe ich im linken Augenwinkel immer noch den LKW der auf mich zu gefahren kommt. Mit meiner gelben Simson auf der Straße liegend bemerke ich, dass der LKW-Fahrer pünktlich zum Stehen gekommen ist. Noch so wie ich auf dem Boden liege, bedanke ich mich mit Handzeichen bei ihm und freue mich über mein Glück im Unglück.

Ich rappel mich wieder auf und schnell kommen auch schon die anderen um wir wieder aufzuhelfen. Wir schieben das Moped an den Straßenrand und heben runtergefallene Einzelteile wieder auf. Bis auf die Fußraste ist an der Simson nicht weiter was verzogen, allerdings will ich jetzt das Problem der Gänge lösen und beginne nach meiner Schockzigarette den Kupplungsseitendeckel abzuschrauben. Ich will den Sitz des Sprengrings der Schaltwale überprüfen, vor dem ich mich gestern schon gedrückt hatte. Als wir einen freien Blick auf die Schaltwalze bekommen, stellen wir fest, dass diese gar kein Problem hat. Das ist sehr schade, denn das eigentliche Problem und zwar dass das Lager der Antriebswelle ausgeschlagen ist, ist viel größer und mal nicht ebenso zu beheben. Dafür müssten wie den Motor spalten. Aber da wir Arndts Ersatzmotor dabei haben, machen wir kurzen Prozess und tauschen das Aggregat. So richtig passt mir das Ganze nicht, ich hätte die Tour schon gern mit meinem Motor beendet, aber Sicherheit geht vor und bevor das Lager und somit der Motor komplett zerstört werden wird getauscht. Dieser schnelle Tausch hält uns dann doch immerhin fast zwei Stunden auf. Wie ärgerlich und dass obwohl wir noch nicht einmal in Augsburg sind. Was soll’s, als es dann gegen 11:45 Uhr wieder weiter geht, können wir ja nun erst einmal durchfahren, wir hatten ja jetzt genug Pause.

Nach nun mehr als fünf Sunden die wir für die ersten 130 Kilometer gebraucht haben, machen wir gegen 15:00 Uhr in Nördlingen eine kurze Pause. Anschließend geht es weiter über Feuchtwangen und Rothenburg ob der Tauber, wo wir die Simsontanks wieder mit frischem Oktansaft füllen.

Es geht weiter und weiter. Der Tag zieht sich wie Kaugummi, denn irgendwie ist ein bisschen die Luft raus. Wir wissen es geht nach Hause und nach den ganzen Strapazen an den vorherigen Tagen und auch heute sind wir irgendwie durch. Das Fahren ist irgendwie teilnahmslos. Zwar sehen wir hier uns da mal ein paar Landschaftliche Highlights aber dann war es das auch schon. Aber immerhin ist das Wetter jetzt trocken und ich muss sagen, dass der Motor von Arndt schnurrt wie ein Kätzchen, was mich sehr erfreut. Endlich eine Sorge weniger!

In Würzburg haben wir etwa 260 Kilometer abgespult und müssen nun endlich mal anhalten um etwas zu essen. Es ist mittlerweile 18:30 Uhr und das Frühstück von Sebo macht schon lange nicht mehr satt. Also stoppen wir und gönnen uns mal einen Döner. Sechs Simsons und eine MZ haben wir in einer Reihe geparkt. Auf der Straße sitzend schnurzeln wir uns lecker die Döner weg. Wir besprechen bei der Gelegenheit noch einmal wie wir streckentechnisch weiter agieren. Denn Jan und ich müssen halt nach Bielefeld und die anderen Chaoten nach Ballenstedt. Da es nun schon etwas später ist, überlegen wir auch, ob wir nicht wieder in die Nacht fahren sollen. Befinden das allerdings für die allerletzte Möglichkeit, wenn wir halt keine passende Unterkunft mehr finden.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt kommen wir durch das kleine Dorf Kothen in der Gemeinde Motten. Hier sehen wir ein Campingplatzschild und fahren rechts ran. Wir erkundigen uns nach den aufzubringenden Kosten für sieben Personen, drei Zelten und diverse Simsonmopeds, aber wahrscheinlich hätten wir die Unterkunft sowieso gebucht. Dennoch sind die Preise in Ordnung. Ein kleiner aber feiner Campingplatz mit einem kleinen Teich in der Mitte und einem sehr gepflegten Eindruck. Bevor die Rezeption schließt, räumen wir noch schnell deren Minibar und nehmen uns noch ein paar kleine Bierchen mit zum Zelt. An den zwei Holzbänken sitzend, die neben unserem Zelt stehen, genießen wir den doch recht kühlen Abend und immer wieder geht einer von uns und gönnt sich eine heiße Dusche. Es ist schön hier und wir genießen den letzten Abend unter freiem Himmel und die letzte Nacht im Zelt.

Es ist der letzte Tag unserer Reise und der heutige Morgen verläuft entsprechend ruhig. Zum einen weil sich unsere Wege schon nach ein paar Kilometern trennen werden und zum anderen weil die Tour heute Abend schon vorbei ist…

Wir packen unsere Sachen, die Zelte und alle anderen Utensilien ein und fahren nach dem wir zum letzten Mal unsere Mopeds gesattelt haben vom Campingplatz ab, Richtung Norden. Nach etwa zehn Kilometern kommt die bereits ersehnte Tankstelle. Wir füllen die Tanks erneut auf. Rauchen noch eine gemeinsame Zigarette und verabschieden uns voneinander. Ich bedanke mich herzlich bei jedem für die tolle Zeit. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich darauf freue alle bald wieder zu sehen und wir uns dann gemeinsam über die Bilder und Erzählungen kaputtlachen können.

Hupend fahren Jan und ich vom Hof auf den Weg von Fulda in Richtung Bielefeld. Zu zweit kommen wir ganz gut voran und machen auch nur noch eine Pause in Fritzlar zum Tanken und natürlich um eine Kleinigkeit zu essen. Gegen 15:00 Uhr treffen wir zu Hause ein und müssen auch nicht lange auf die Nachrichten der anderen warten.

Unsere Abschließende Bilanz verrät, dass wir 2840 Kilometer in zehn Tagen gefahren sind und damit einen relativ bequemen schnitt von etwa 280 Kilometer pro Tag hatten.

Epilog

Wir haben das Jahr 2016 und zum zehnten Mal haben wir unser Ziel erreicht. Seit über 13 Jahren fahren wir nun Simson. Unsere Touren sind nicht einfach nur ein lustiger Zeitvertreib, sondern ein wichtiger Teil unseres Lebens der uns, als Freunde immer miteinander verbinden wird. Wir haben gute und schlechte Zeiten erlebt, waren immer für einander da und haben die interessantesten Kulturen Europas kennen gelernt, die tollsten Landschaften gesehen und immer Hilfsbereite Menschen getroffen. Jetzt sind wir alle etwa um die 30 Jahre alt und unser Alltag hat sich etwas geändert. Der ein oder andere ist mittlerweile Papa geworden und die Zeit die wir miteinander haben wird tendenziell eher weniger. Aber wenn wir uns dann und wann mal wieder sehen, ist es genauso wie damals, als wir in jungen Jahren die Straßen unserer Heimatstadt Ballenstedt unsicher gemacht haben. Ich bin froh darüber, diese Freuden mit Menschen teilen zu können, die mir so sehr am Herzen liegen. Ich bin froh darüber, mich immer wieder an diese gemeinsamen, tollen Zeiten erinnern zu können und zurückzublicken auf eine ganze Reihe von Ereignissen, die wir zusammen erlebt und nicht nur darüber gesprochen haben. Die Zeit war toll und sie wird es auch immer bleiben. Und wenn jetzt der Wind der Veränderung weht, werden wir auch diese Zeit gemeinsam erleben. Wir werden auch dann noch Freunde sein, wenn wir keine regelmäßigen Touren mehr fahren und werden uns auch dann noch daran erinnern, was wir zusammen erlebt und durchgemacht haben.

Aber eine Sache ist noch offen und ich weiß, dass wir als Freunde genau darauf hinarbeiten auch dieses Ziel zu erreichen. Wir werden uns die Zeit nehmen die wir für uns und unsere Familien brauchen. Aber schon in ein paar Jahren wird der Tag kommen an dem wir uns wieder sehen. An dem wir unsere Mopeds erneut rausputzen und uns dieser neuen Herausforderungen stellen werden!

Danke, dass es euch gibt!