1. März 2014

2010 England

Ein kleiner Trip durch Holland und Belgien (Londontour)

by Marcel Oderwald

ROUTEN_2010_Karte

Wir schreiben das Jahr 2010 und da Ronny schon sein Medizinstudium begonnen hatte und er das Ganze nicht so locker aus dem Ärmel schütteln konnte, musste diese Tour leider ohne ihn stattfinden. Aber da unsere jährliche Tour eine feste Tradition bleiben sollte, entschlossen wir uns mit nur drei Mann die Reise zu wagen. Was wie sich später rausstellte nicht immer so einfach war. Kurz gesagt drei lässt sich schwer durch zwei teilen.Aus diesem und aus urlaubstechnischen Gründen planten wir diesen Trip mit sechs Tagen relativ kurz. Auf dem Programm stand eine kleine Küstentour von Deutschland nach Belgien. Gesagt getan! Patrick und ich brachen am Abend von Ballenstedt Richtung Kassel auf, wo unsere Oma wohnt. Da sich auch Frau Oderwald, wie alle Großeltern, immer über einen Besuch ihrer Enkel und dessen Freunde freut, sollte dies auch für die weiteren Touren, ein gutes Etappenziel sein. Zu zweit kamen wir schnell am ersten Etappenziel ohne nennenswerte Zwischenfälle an.

Mit 8 Mopeds brauchten wir ein Jahr später mehr als das Doppelte an Zeit.

Um am nächsten Tag unser geplantes Ziel kurz vor der holländischen Grenze zu erreichen, machten wir uns pünktlich halb sechs auf Weg. Die ersten 30 km mit Sichtweiten unter 20 m kamen wir mit sage und schreibe 25 km/h voran. Da es David aber anscheinend nicht viel besser erging, erreichten wir unseren Treffpunkt (Paderborn) fast zeitgleich. Achso, David startete sein Tour in Bielefeld, da er drei Jahre zuvor der Arbeit wegen nach Bielefeld ziehen musste. Nach kurzer Umarmung, geschätzten 5 Zigaretten (man hat sich einiges zu erzählen, wenn man sich ein paar Wochen nicht gesehen hat) und einigen kleinen Reparaturen später, konnte der geplante Roadtrip seinen Lauf nehmen.

Nach ca. 100 km machten wir unseren ersten Stop an einem Bikertreff. Ich vermute, dass hier wahrscheinlich alle etwas neidisch auf unsere großen Bikes waren Anders konnte ich mir das Gelächter der anderen Biker nicht erklären. Doch auch hier trafen wir, wie auf all unseren Reisen, auf viele interessierter Gleichgesinnte und man kam wie immer ins Gespräch.

Das ist übrigens einer der Hauptgründe warum wir uns immer wieder diesen ganzen Mist (frieren, nächtelang durchfahren, einige wund geriebene Körperstellen usw.) antun. Es macht einfach Spaß, sich mit neuen Kontakten auszutauschen, Geschichten zu erzählen, zu diskutieren oder einfach mal gemeinsam zwei bis zehn Bier zu trinken. Nun genug, ich schweife ab. Also weiter mit der Tour.

Wir erreichten unser zweites Ziel Kevelaer, kurz vor der holländischen Grenze, fast im Zeitplan und hatten uns somit unser Feierabendbier plus riesiger Pizza verdient. Nach dem zweiten oder dritten fingen wir an unsere Tour zu überdenken. Einfach nur so nach Belgien und zurück, schien Patrick und mir zu diesem Zeitpunkt doch etwas langweilig. „Wir brauchen ein Ziel!“

Ganz spontan kam der Einfall London. „Einmal mit dem Moped am Big Ben vorbei, das wär’s doch!“ Da wir ja nur zu dritt waren und Patrick und ich uns einig waren, wie toll das doch wäre mit der Fähre auf die Insel überzusetzen, musste sich der dritte im Bunde wohl oder übel anschließen. Demokratie mit drei Leuten macht Spaß J.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Brügge. Nach einen der üblichen Tanken-Kaffee-Kippe-Pausen, stellte David fest, dass sein Handy weg war.“Nein, jetzt müssen wir auch noch bis zum letzten Stop zurrück und suchen!“ Doch dann kamen wir auf die glorreiche Idee, dass man ja auch anrufen könnte. Echt clever, WAS? Zum Glück nahm am anderen Ende der Leitung eine freundliche Frau ab, mit der sich David teils deutsch, teils englisch und teils, ich weiß nicht was er da gesprochen hat, verständigen konnte. Jedenfalls kam am Ende des Gesprächs heraus, dass die freundliche Dame das Handy nach Deutschland schicken würde. Wieder ein Beweis für die Freundlichkeit anderer Nationen.

Nun konnte es weiter gehen. Wir erreichten Brügge kurz nach acht am Abend. Zu spät, wenn es nach den Tankstellen in Brügge geht. Nach 8:00 Uhr gibt es hier nur noch Sprit per Selbstbedienung und Karte. Deutsche EC-Karte Fehlanzeige. Nach einigen Versuchen und drei Tanken später, gaben wir es diesen Abend auf, nach Nahrung für unsere Mopeds zu suchen.

Also ab zum Fährhafen, Preise checken. Wir konnten für ca. 40,-€/Person nach England kommen. Schnäppchen dachten sich Patrick und ich, nach kurzer Diskussion mit David war klar die Fähre ging ca. 0:00 Uhr ab.

Die Vorfreude war groß, mit dem Moped auf die Fähre zu fahren. Das wird spannend! Und genau so war es auch. Ein verdammt schönes Gefühl mit seinen Bike auf der Fähre nach England zu sein. Vor der Abfahrt wurde Patrick noch freundlich darauf hingewiesen, dass sein Ausweis nur noch zwei Tage gültig war, aber das sollte uns nicht stören. Der Plan war nach einem schönen Abend in London am nächsten Morgen den Rückweg anzutreten.
Nach einer schlaflosen Nacht (eine Fährenfahrt darf ja nicht verschlafen werden), erreichten wir am nächsten Morgen gemeinsam mit dem Sonnenaufgang England.

Da wir uns vorher nicht allzu viele Gedanken über die Planung gemacht hatten, kamen nun die ersten Probleme auf. Planung ist alles, aber ohne erlebst du mehr. Wie vorhin erwähnt konnten wir am Vorabend nicht mehr tanken. So kam es, dass nach sage und schreibe 2 km auf der Insel das erste Moped stehen blieb. Tank leer. Einzige Möglichkeit, Sprit klauen von Patrick, der hatte dank größerem Tank der MZ noch ca. einen Liter.

Jetzt konnte die Nahrungssuche für die Mopeds weitergehen. 1 km weiter kam der nächste Stop. Mein Tank war nun auch leer. Also ging der Spritklau erneut los. Dann, ENDLICH eine Tankstelle. Nun kam das nächste Problem. „Just pound are possiple“. Also suchten wir einen nahegelegenen Bankautomaten auf. Die Pechsträhne schien nicht abzureißen. Patrick hatte seine Karte vergessen und Davids war nicht lesbar. Es stellte sich heraus, dass es wohl nicht so clever ist seine EC-Karte im Magnet-Tankpad zu lagern. Zum Glück hatte ich meine Karte auch mit, also schnell ein paar „pound“ abgeholt und ab zur Tanke.

Die Weiterfahrt bis nach London machte trotz Linksverkehr keine großen Probleme. Die malerischen Burgen entlohnte uns für die vorherigen Probleme. Geschafft LONDON, das Eingangsschild machte uns glücklich und stolz zu gleich. Die Zeltplatzsuche brachte uns drei Sunden durch die gesamte Innenstadt bis ans andere Ende Londons. Dann stellt sich heraus, dass der gesuchte Zeltplatz ein Hotel war, welches nicht in unserem Preisrahmen lag. „Ach egal, erstmal zum Big Ben“

Jetzt kam die Belohnung für unsere Strapazen der letzen drei Tage. Fast alle Blicke richteten sich auf die Drei aus Deutschland. Ist es nicht ein schönes Gefühl, wenn dein Gefährt mehr Aufmerksamkeit bekommt als sämtliche Nobelkarossen um dich herum. Trotz dass die Luft gefühlte 100 kg wog, da Feinstaub- und Abgasewerte sehr extrem waren. Nach drei oder vier Big Ben Runden und unzähligen kurzen Gesprächen später, holte uns die Realität wieder ein. Wir mussten ja noch einen Schlafplatz finden. Also wurde die Basis in Deutschland angefunkt um uns bei der Suche zu helfen. Da war nichts zu machen, entweder zu teuer oder ausgebucht.

Nach einigen kleinen Diskussion über den weiteren Verlauf, wurde entschieden, dass die geplante Londoner Pub-Tour, wohl leider ohne uns stattfinden musste. Wir entschieden uns für eine weiter Nacht ohne Schlaf. Nach einer der härtesten Nächte überhaupt erreichte wir die Küste. Wir stellten nach nunmehr als 50 schlaflosen Stunden fest, dass sich unsere Nachttour nicht wirklich gelohnt hat. Unsere Fähre fuhr erst 5 Stunden nach unserer Ankunft vom Fährhafen in Harwich ab.

Doch die Krönung kam erst beim Ticketkauf. (Zur kurzen Erinnerung: Für die Hinfahrt zahlten wir ca. 40,-€/Person .) Von dem Preis gingen wir fälschlicherweise auch für die Rückfahrt aus. Fehlanzeige, die Frau am Schalter musste es noch drei mal wiederholen bis wir es geglaubt haben: „Three Seven Five“ 375,-Pfund, das waren umgerechnet ca. 500 Euro. Das Problem war klar! Das ist zu teuer. Doch da wie Anfangs erwähnt, Patricks Ausweis nur noch einen Tag gültig war und David einen dringenden Termin in der Heimat hatte, hatten wir keine Wahl. Wir mussten das Geld auftreiben.

Da ja Patrick seine Karte vergessen hatte und David’s nicht mehr lesbar war, war mein Konto die letzte Chance das Geld heranzuschaffen. Wir fuhren zum nächsten Geldautomaten und siehe da, mein Kontostand lautet 457 Euro. Mit den restlichen Pfund und dem geplünderten Konto ging es wieder zum Schalter. Ein Blick in unsere Portemonnaie’s verriet uns, wir hatten noch ganze 100 € für unsere Rückreise. Mit einer guten Portion Galgenhumor machten wir aus den 10 Stunden Fährfahrt das Beste. Schlafen, Fehlanzeige.

Die Rücktour verlief durch Holland fast reibungslos. Doch dann kam der große Knall, Davids Moped hatte einen Kolbenfresser. Das Problem war nicht ohne weiteres zu beheben. Die Ersatzteilrecherche ergab, dass wir wenigsten 24 Stunden auf einem Reserve-Zylinder warten müssten. Da David aber am nächsten Tag einen Termin hatte, konnte er von Glück reden, dass sich ein Bekannter der gerade in Bremen auf Montage war, bereit erklärt hatte, ihn abzuholen.

An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Peter!

David verbrachte die fünf Stunden Wartezeit (Bremen lag 400 km entfernt) bei einem Schnellrestaurant „zur goldenen Möwe“. Da Peter ja kein Platz für drei Mopeds hatte, beschlossen Patrick und ich uns auf den Weg zu machen.

Ohne Pannen und Dank kurzer Pausen schafften wir es zeitgleich mit David und Peter in Bielefeld anzukommen. Am nächsten Tag war auch für uns der letzte Tag gekommen. Wir machten uns auf den Weg zurück nach Ballenstedt.

Alle Strapazen die das Wetter so mit sich brachte, wie Regen und Temperaturen von 4°C – 25°C, hatten wir schon bei der Ankunft vergessen. Auch wenn während der Tour, öfter das Gefühl der Resignation und der Lustlosigkeit aufkam, war uns sofort nach der Ankunft in Ballenstedt klar, dass es nächstes Jahr wieder heißt:

ROADTRIP !!!!! ROADTRIP !!!!!!!!!! ROADTRIP !!!!!!!!!!!!!!!