29. November 2015

2015 Portugal

Hohe Berge tiefe Täler!

Mit der Simson zum Atlantik.

ROUTEN_2015_Karte

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Aurelius Augustinus hat wohl mal gesagt:
„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“

Ganz Unrecht hatte der gute Mann damit nicht. Bei uns ist es nur so, dass uns dieses Buch so gut gefällt, dass wir immer sehr langsam lesen, um die Geschichte komplett zu erfassen. Denn die Geschichten unserer Reisen drehen sich nicht um die Ziele die wir uns setzten. Es geht dabei um die Reise selbst…

Tag 01 – Das Große Wiedersehen.

Wer uns kennt und uns in den vergangenen Jahren ein wenig verfolgt hat, weiß sicherlich noch, dass wir alle aus Ballenstedt kommen, diese wunderschöne Stadt nord-östlich des Harzes. Allerdings ist der ein oder andere seit der Schule in eine neue Wahlheimat verzogen. Ob nun Bielefeld oder Dresden, man sieht sich seltener, als noch vor fünf Jahren, als alle noch in irgendeiner Form von Ausbildung steckten. Umso schöner ist es wenn der Tag der Tour näher rückt und wir uns alle wieder sehen!

…Ich bin gerade noch dabei meine Spiegelreflexkamera am Lenker meiner Simson zu befestigen, als Jan mit seiner SR50 um die Ecke gebogen kommt. So wie ich wohnt er mittlerweile auch in Bielefeld. Da ich heute ein bisschen eher Feierabend machen konnte, habe ich mein Moped gerade fertig gepackt. Jan hatte die Vorbereitungen gestern schon getroffen und musste nach der Arbeit nur noch seinen Roller aus der Garage holen und konnte direkt losfahren. Es ist 18:00 Uhr, wir trinken noch schnell einen Kaffee und überlegen, ob wir alles haben, was wir für die Reise brauchen. Ich geh‘ im Kopf noch mal die wichtigsten Dinge durch. Ausweis, Werkzeug, Bankkarten, Klamotten,… ach was soll’s, es wird schon passen.

Jan und ich probieren noch schnell die Technik aus und testen ob die Kamera und das Navi funktionieren und die Handys an den Bordsteckdosen laden. Anschließend, so gegen 19:00 Uhr, machen wir uns auf den Weg nach Trendelburg. Bis dahin sind es nur etwa 110 km. Unser erster gemeinsamer Treffpunkt mit den Anderen aus Ballenstedt. Der Plan ist, uns dort am Campingplatz zu treffen und dann zu überlegen, ob wir da schlafen oder weiter fahren. Doch bevor es endgültig los geht, fahren wir noch schnell die Tanks mit Benzin und die Reifen mit Luft auffüllen.

Die Route ist im Grunde sehr einfach zu fahren, weil es fast nur geradeaus geht. Von Bielefeld nach Lemgo, weiter Richtung Blomberg, Steinheim, Brakel und dann ist es auch nicht mehr weit bis nach Trendelburg. Daher kommen wir sehr gut voran. Unsere erste kleine Pause machen wir in Rheder, kurz hinter Brakel, gegen halb neun.

Dadurch dass Arndt, Charly, Marcel, Patrick und Ronny einen etwas weiteren Weg haben, sind Sie bereits 15:00 Uhr aus Ballenstedt los gefahren. Wir versuchen Sie zwar zu erreichen, um zu fragen, wie es bei ihnen aussieht, aber natürlich geht keiner ran. Das ist ja auch ein gutes Zeichen dafür, dass alles in Ordnung ist und sie gut vorankommen.

Für uns geht die Reise erst einmal weiter. Die letzten 30 km halten uns nicht weiter auf, die Simsons laufen gut und wir kommen gut voran. Dadurch, dass es bereits 21:00 Uhr, an einem Donnerstag ist, haben wir keine Probleme durch den Verkehr zu kommen. Wir erreichen Trendelburg und besagten Zeltplatz etwa 21:30 Uhr. Die anderen sind noch nicht da. Daher nutzen wir die Zeit um uns zu erkundigen, wie hier die Preise für eine Gruppe von sieben Leuten und drei Zelten sind?! …Es hält sich im Rahmen. Etwa 5,00 € müsste jeder bezahlen.

Eine viertel Stunde später kommen die anderen in die Einfahrt des Campingplatzes gerollt und parken ihre Mopeds neben unseren. Als hätten sie gerade fünf Stunden auf ihrem Hintern gesessen steigen Sie etwas kaputt von ihrem Bock ab. Nach freudiger Begrüßung mit Bier und Umarmung, sich endlich im Rahmen der Tour wieder zu treffen, tauschen wir uns nur kurz über die Ereignisse und Vorkommnisse des heutigen Tages aus. Jetzt gilt es eine Entscheidung zu treffen. Geht es weiter in die Nacht rein, oder bleiben wir hier und stehen morgen früh zeitig auf um Strecke zu machen?!

Die Entscheidung fällt relativ schnell. Wir bleiben. Es würde keinen Sinn machen die Nacht auf den nächsten Tag zu verlagern, weil wir vielleicht ab Mittag vor Müdigkeit pausieren müssen. Also sagen wir dem Campingplatzmann Bescheid, dass wir bleiben und ein nettes Plätzchen zum Schlafen brauchen. Aber möglichst nahe dem Ausgang, weil wir das Gelände in der Nacht noch verlassen wollen.

Als uns der nette Herr den Platz zeigen will, gehen wir an unseren Mopeds vorbei. In Sachsen geboren und aufgewachsen erkennt er natürlich die Marke Simson und MZ wieder. Er freut sich über unsere Reiselust und kann kaum glauben, dass wir damit noch 3000 km bis nach Portugal fahren wollen. Nachdem er uns die Stelle für die Zelte gezeigt hat, unterhalten wir uns noch kurz mit ihm, bevor er wieder an die Arbeit geht. Ausruhen können wir uns allerdings noch nicht. Ein paar von uns bauen die Zelte auf, während der Rest das Gepäck umverteilt. Charly stellt noch seinen Vergaser ein. Zum Glück haben die Jungs kurz vor Trendelbug noch ein paar Bierchen gekauft. So wird der Abend nicht ganz so trocken.

Tag 02 – Auf vergangenen Pfaden

Es ist fünf Uhr, mein Wecker klingelt. Weil ich noch keine Lust habe aufzustehen, nutze ich die Schlummerfunktion meines Telefons. Eine tolle Funktion. Noch fünf Minuten mehr? OK! Aber es hilft ja nichts. Also raus aus den Federn. So beginnt der Weckdienst der anderen ab 05:10 Uhr. Es ist noch dunkel, als unser Tag startet. Gut eine Stunde brauchen wir um aus den Federn zu kommen, uns frisch zu machen, die Zelte abzubauen und alles an die Simmis zu schnallen. Mit dieser Stunde beginnt auch langsam der Tag. Es ist frisch. Ich habe mich warm angezogen, damit der Wind nicht durch die Gewebestruktur meiner Jeansjacke drückt und ich verkrampft auf dem Moped anfange zu zittern. Das macht nämlich echt keinen Spaß! Wir beschließen, vor Ort auf ein ausgewogenes Frühstück zu verzichten. Da wir tanken müssen, werden wir bis zur nächsten Tankstelle fahren und unser Frühstück dort einnehmen.

Diese lässt nicht lange auf sich warten. Knappe 12 km nach Trendelburg halten wir gegen viertel sieben an einer Tanke in Hofgeismar an. Als erstes tanken wir die Simsons und die MZ auf. Das ganze nach dem üblichen Verfahren. Tanker, Zähler, Mischer, Schieber… Als Jan bezahlen geht, während Arndt noch das Öl auf kippt, bestellt er direkt ein paar Bockwürstchen mit Brötchen und Kaffee. Und zack fertig, Frühstück. Nach fast einer Stunde Aufenthalt machen wir uns wieder auf die Socken. Wir legen nochmal 25 km drauf und machen eine kurze Pause um die Schlange an Autos hinter uns durchzulassen.

Die nächsten 80 km legen wir dann ohne Staus und Zwischenfälle zurück, als wir plötzlich an einer Vollsperrung ankommen. Hier überlegen wir uns ob wir und eine Umleitung von 15 km in Kauf nehmen sollen, oder es hier weiter geht. Als ein Chopper-Fahrer an uns vorbei kommt und ohne anzuhalten weiter auf die Baustelle zufährt, beschließen wir mal zu beobachten was jetzt passiert. Als er nach einer Zigarettenlänge Wartefrist nicht zurückkehrt, beschließen wir auch durch die Baustelle zu fahren. Schließlich haben wir ja nur kleine Simson Mopeds und eine MZ. Ja sicher voll mit Gepäck, aber immer noch klein. Und ein Gutes muss es ja haben, dass wir in diesem Jahr mal wieder ohne Begleitfahrzeug unterwegs sind. Wir fahren weiter auf die Baustelle zu, als aus der befestigten Asphaltstraße eine Schotterpiste wird. Anscheinend soll hier der Belag komplett erneuert werden. Kein Problem, wir fahren erstmal weiter. Bis her ist ja von unüberwindbaren Hürden nichts zu sehen.

Ich selbst bekomme gar nicht mit, dass Patrick und Arndt einen Waldweg gefahren sind. Auf jeden Fall sind Sie auf einmal weg. Die gesamte Baustelle ist zwar nur zwei Kilometer lang, aber den geschotterten Berg wieder hoch will auch keiner von uns. Daher beschließen wir erstmal weiter zu fahren, in der Hoffnung, dass die Beiden am Ende der Baustelle wieder auftauchen. Eine Kurve weiter tauchen Baufahrzeuge und Bauarbeiter auf. Na toll… die werden sicher nicht erfreut sein, dass wir die Hinweisschilder für die Vollsperrung missachtet haben. Naja, aber höflich wie wir sind fragen wir, ob wir passieren dürfen. Der freundliche Bauarbeiter im Bagger meint, dass er selbst auch Motorrad fährt und unsere Lage versteht und wir sollen ruhig durchfahren. Bedankend geben wir ihm eine Karte von uns und fahren weiter.

Kaum ist die Baustelle vorbei steht Arndt wartend am Hang, oberhalb der Straße an der rechten Seite. Als das Verhältnis zwischen Straße und Waldrand flacher wird, stößt er wieder zu uns. Er erzählt uns, dass Patrick sich überlegt hatte, einen anderen Weg zu fahren, den Arndt aber als unsinnig empfand und lieber Richtung Hauptstraße weiter fuhr.

Also Zwangspause nach der Baustelle. Es ist 10:00 Uhr und wir haben fast 120 km hinter uns gelegt und warten jetzt auf Patrick. Der wiederrum nicht an sein Telefon geht. Charly nutzt derweil die Zeit um seinen Schwimmer im Vergaser einstellen umso vielleicht das Problem zu beheben, dass Ficki, seine S51 immer im Standgas absäuft… Als Patrick endlich zurück ruft, ist das Signal in der Talsenke nicht wirklich gut. Aber schließlich gelingt es uns gegenseitig unseren Standpunkt, anhand von Straßenschildern klar zu machen. Patrick ist durch seinen Waldweg etwas weiter vorn auf die Hauptstraße gekommen und wartet da. Wir müssen die Straße also nur weiter fahren und werden auf ihn treffen. Keine zwei Kilometer später, steht er an der Einfahrt der zu Berg Sackpfeife führt… Keine Zeit anzuhalten, wir geben wieder vollgas!

Sechzig Kilometer weiter machen wir eine Mittagspause. Das wird auch höchste Zeit denn es ist bereist 12:00 Uhr und seit der Bockwurst heute früh gab es keine feste Nahrung außer vielleicht ein paar Schokoriegel, die wir noch in der Simson versteckt hatten. Wir nutzen die Gelegenheit und tanken direkt die Mopeds voll. Parallel fragt Patrick im nebenstehenden Imbiss, was es zu essen gibt. Die anderen tanken auf, parken um und setzen sich auf die schweren Holzbänke vor dem Imbiss. Patrick sagt uns dass er sich Schnitzel mit Pommes entschieden hat. Ob das OK wäre? Alle stimmen ihm freudig zu. Auf das Essen wartend, fällt Patrick auf, dass wir auf dem Weg nach Frankreich 2011 bereits an demselben Imbiss gegessen haben. Wir schauen im Navi nach und stellen fest dass die Route des heutigen Tages sehr, sehr nah an der von vor vier Jahren liegt. Trotz der erneuten Fahrt auf den alten Pfaden ist uns die Strecke wieder genauso neu wie damals. Und aufgrund modernerer Navigation unterscheiden sich die Wege ja auch in ein paar Abschnitten.

Vollgegessen und getankt bis oben hin, kann es weiter gehen. Gut die Hälfte der heute geplanten Strecke ist bisher geschafft. Wir verlassen gerade mal den Ort Höhn, als unser Weg durch die nächste Vollsperrung blockiert wird. Dieses Mal gibt es straßensperren-bedingt kein Durchfahren. Wir müssen drum herum. Glücklicher Weise finden wir einen kleinen Feldweg, der sich dann in einen Waldweg entwickelt. Es ist langsames aber entspanntes Fahren. Der erdige Boden und die ruhige Umgebung schaffen eine richtig idyllische Atmosphäre. Viel Zeit verlieren wir dabei nicht, denn nach einem kurzen Abschnitt im Wald kommen wir nach der Baustelle wieder auf die Hauptstraße.

Alles läuft klasse, die Mopeds sind aufgetankt und wir haben etwas gegessen. Also Vollgas Richtung Süden! Ja…. Aber nur ca. 10 km dann fällt Charly der Krümmer vom Motor. Ist eigentlich kein wildes Thema, wenn mal der Krümmer abfällt. Das liegt dann meist daran, dass sich die Überwurfmutter vom Zylinder löst. In diesem Fall würde man die Mutter wieder fest ziehen und weiter geht es. Allerdings ist bei Charly die Bördelung, die den Krümmer in der Mutter hält, abgerissen. Also muss improvisiert werden. Gut eine Stunde passen Charly, Arndt und Ronny den Krümmer wieder so an, dass er nicht durch die Mutter rutscht und es weiter gehen kann.

Nach 40 km überqueren wir den Rhein bei Koblenz. Auf der Brücke halten wir kurz an um ein paar Bilder der tollen Landschaft aufzunehmen. Wozu hat man schließlich eine Schnellwechselplatte für die Spiegelreflex am Lenker?! Also Foto gemacht und weiter geht es.

Auf dem Weg nach Saarlouis entscheiden wir uns dafür in Losheim am See zu übernachten, weil unser Plan in der Saar baden zu gehen, uns von einem freundlichen Herrn an einer Tanke, ausgeredet wird. In Losheim angekommen gehen wir einkaufen und kontaktieren Jonas, der uns von Heidelberg aus für einen Abend mit dem Motorrad besuchen will, um ihm mitzuteilen, dass sich der Plan etwas geändert hat.

Wir haben die Einkäufe erledigt, die Sachen verstaut und fahren schnurstracks zum Zeltplatz. Hier angekommen buchen Jan und ich den Jugendcampingplatz, mit dem Bewusstsein, dass Marcel und Ronny die Musik heute Abend etwas mehr aufdrehen können. Am Jugendcampingplatz angekommen, müssen wir erstmal die Scherben von Bierflaschen bei Seite räumen, um die Zelte aufbauen zu können. Nach dem Aufbau der Selbigen warten wir bis Jonas kommt. Damit wir endlich zum See können. Als Jonas eintrifft, ist die Freude groß! Wir nehmen ein paar Bierchen mit, gehen in richtung See und und schwimmen noch eine kleine Runde, brvor wir dann wieder zum Zeltplatz gehen.

An sich verläuft der Abend recht ruhig. Das einzige, was unsere Nacht kurz unterbricht ist die Schlägerei im Nachbarcamp. Ansonsten können wir uns aber nicht beklagen…

TAG 03 – Dem Regen entgegen

Die 380 km von gestern stecken uns heute noch in den Knochen. Das merkt man schon. Daher kommen wir auch erst gegen 08:00 Uhr vom Zeltplatz weg. Da unser Bargeld langsam zur Neige geht wollen wir, bevor wir heute über die Grenze fahren, noch Geld abheben. Wir beschließen, das am besten gleich zu tun. Während Jan und die Anderen zu einer Sparkasse fahren, beschließen Charly, Ronny und ich, dass wir noch was zu Trinken für die Fahrt kaufen wollen und suchen in der Zeit einen Supermarkt. Charly wartet draußen an den Mopeds und ich gehe schnell mit Ronny rein. Weil nur Wasser ein bisschen langweilig ist, kaufen wir zur Sicherheit noch ein paar Snacks, für den kleinen Hunger zwischendurch.

Nach dem Bezahlen sehen wir durch die Schaufensterscheibe wie die anderen schon auf dem Parkplatz auf uns warten. Wir satteln die Mopeds und machen uns auf den Weg. Wenn alles gut läuft, wollen wir heute gut ein Drittel der in Frankreich zu fahrenden Strecke klar machen.

Der Tag beginnt sonnig und heiter. Die Straßen sind ruhig, da am Samstag kein Berufsverkehr unterwegs ist. So kommen wir bereits 40 Minuten später an der Deutsch-Französischen Grenze an. Jan hält eigentlich nur an, damit wir ein tolles Foto für später machen können. So eins, was man sich dann mit allen anderen Grenz-Mopedfotos an die Wand hängt, vielleicht sogar in schwarz-weiß, mal sehen…
Und wie das so in Pausen ist, es wird erstmal eine geraucht. Dabei fängt Charly an nochmal seinen Vergaser nachzustellen. So ein Vergaser ist auch echt unangenehm einzustellen, wenn die Standardwerte nicht greifen. Weil du immer etwas einstellen musst, fahren musst, um zu sehen wie sich die Veränderung auswirkt und dann evtl. nochmal nachjustieren musst… Ätzend! Ich selbst habe bestimmt drei Wochen damit zu Hause verbracht. Ich habe was eingestellt, bin dann zur Arbeit, habe zu Hause wieder nachjustiert, usw… Dann geht es mal ne Zeit lang, dann ändert sich das Wetter… Naja auf jeden Fall haben wir deshalb fast eine Stunde an der Grenze verbracht…

Nach insgesamt 110 km kommen wir gegen 12:00 Uhr in Pont-à-Mousson. Hier wollen wir eigentlich eine Kleinigkeit essen. Allerdings hat Ronny erhebliche Probleme mit seiner Kupplung und würde diese gern schnell nachstellen. Er schraubt den roten Deckel von der Kupplungsseite runter und sucht vergeblich seine Madenschraube. Diese findet er dann in dem Deckel selbst. So wie es aussieht war die Schraube mit der M6er Mutter nicht richtig gekontert und hatte sich daher gelöst. Ein schnell zu behebendes Problem. Schraube wieder rein, Kupplung einstellen, Schraube feststellen, Deckel wieder drauf und weiter geht es nach 30 Minuten…

Die nördlich gelegenen französischen Straßen sind Fluch und Segen zu gleich. Sie sind unmenschlich langweilig, weil sie immer nur geradeaus gehen, aber so schaffen wir heute wenigstens Strecke. Langsam macht sich der große Hunger breit. Und so halten wir gegen 13:00 Uhr in Toul bei einer Fastfoodkette und gönnen uns ein paar Burger. Circa eine Stunde halten wir uns mit dem Mittag auf. Warum auch nicht?! 150 km haben wir ja bereits hinter uns und liegen noch ganz gut in der Zeit. Von Toul aus geht es weiter, ab in den Süden… der Sonne müssten wir zwar nicht entgegen fahren, denn sie ist bereits in voller Stärke da und scheint uns auf den Helm, aber wir haben ja mit Hitze gerechnet. Auf jeden Fall kommt es wie es kommen muss, dass in der Hitze Marcels Auspuff immer lauter wird und er ihn festziehen muss. Sowas passiert natürlich immer in Gegenden wo keine Bäume stehen. Da das Gewinde vom Krümmer nicht ganz so toll aussieht, beschließt Marcel den Krümmer mit Draht zu sichern. Das Ganze lässt uns eine nette halbe Stunde in der Sonne sitzen und warten.

Aber jetzt geht es ab! Die nächsten 85 km sind die unseren. Wir kommen innerhalb von 90 Minuten bis nach Langres. Hier überlegen wir eine etwas ausgedehntere Kaffeepause zu machen und fahren in den Altstadtkern. Wir fahren soweit es Sinn macht in die Stadt und suchen uns einen Parkplatz. In Sichtweite unserer Mopeds finden wir ein kleines Lokal. Wir setzen uns an die Tische davor. Die Kellnerin ist uns freundlich gestimmt. Mit Händen, Füßen und ein bisschen Englisch-Französisch-Deutsch bekommen wir was wir brauchen. Während wir so sitzen und den heutigen Tag bewerten, meint Charly, dass seine Fußrasten locker sind. Da heute Samstag ist, sehen wir eine Dringlichkeit diese ggf. heute noch schweißen zu lassen, bevor sie ganz abfällt. Denn die Qualität der heutigen Materialien ist nicht die allerbeste. Und ich hatte das Gleiche ja bereits ein Jahr zuvor in Polen…

Wir fragen die nette Kellnerin, ob sie vielleicht weiß wo hier eine „garage“ (franz. Werkstatt) ist. Sie erklärt uns den Weg und glücklicher Weise liegt er in der Richtung in die wir auch müssen. Wir teilen uns auf. Charly, Patrick und Arndt, machen Sich auf den Weg die Werkstatt zu suchen. Jan, Marcel und Ronny fahren einkaufen. Ich habe die Ehre mich an die Straße stellen zu dürfen und zu koordinieren, dass keine an der anderen Gruppe vorbei fährt. Also warte ich…

Nach ca. 45 Minuten kommen die Drei von der Werkstatt. Ich sammle Sie, oder sie sammeln mich ein und wir fahren zu dem Supermarkt an dem die Anderen warten um die eingekauften Dinge zu verstauen… Wir packen alles zusammen und kommen dann nach fast zweieinhalb Stunden in Langres gegen viertel acht wieder auf die Straße.

Nach zwei Stunden und 90 km weiter erreichen wir Dijon. Leider können wir den leckeren Senf nicht verkosten weil gegen 21:00 Uhr bereits alles geschlossen hat. Das ist auch der Grund warum wir uns an der Tanke selbst helfen müssen und hier kein Tankwart mehr auf uns wartet. Da es bereits dunkler wird, überlegen wir was wir nun machen. Weiter fahren oder Camping? In Dijon würde es planmäßig einen Campingplatz geben, allerdings würden wir unseren Vorsprung von ca. 80 km wieder verlieren. Dadurch, dass es anfängt zu regnen und wir die Zelte nicht im Regen aufbauen wollen, fahren wir erst einmal weiter in der Hoffnung, dass das Wetter etwas aufklart.

In Beaune machen wir einen kurzen Bushaltestellenstopp. Es regnet nach wie vor. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist ein Hotel. „Le Home“. Leider sieht es geschlossen aus. Wir sind genervt. Es ist kalt geworden, durch den Regen. Wir fahren weiter. Ich mache zwischendurch immer wieder meine Heizgriffe an, von denen ich nie geglaubt hätte, dass ich sie brauchen werde. Nach weiteren 20 km und einer gesamt Strecke des heutigen Tages von 383 km machen wir unsere letzte Rast für den heutigen Tag an einer Tankstelle an einer Hauptstraße. Wir fangen gar nicht an auszupacken. Wir stellen die Mopeds unter das Dach der Tanke, nah an uns heran. Wir legen uns auf den erhöhten Steig, direkt an der Hauswand des Tankstellengebäudes und versuchen ein paar Stunden die Augen zuzubekommen. Es ist 00:00 Uhr und wir sind nach 16 Stunden Fahrzeit völlig erschöpft.

Tag 04 – Bertas epic fail.

Ich öffne die Augen. Ich registriere, dass die Anderen auch gerade erwachen. Es ist ungefähr sechs Uhr und noch nicht ganz hell. Charly sagt, dass die Kassiererin gerade die Tanke geöffnet hat und es vielleicht besser wäre, wenn wir langsam mal aufstehen und nicht wie die Landstreicher vor ihrer Tanke schlafen. Zustimmend stehen alle auf und richten ihre Regenkombis. Wir nutzen die Gunst der Stunde und bestellen gleich erstmal Kaffee. Nachdem wir uns darüber geärgert haben, dass es immer noch regnet und wir den Kaffee ausgetrunken haben, fahren wir los.

Es regnet, die Laune ist scheiße. Aber zum Glück kann sich jeder auf seinem Moped, unter seinem Helm ärgern, ohne dass es die gute Laune der gesamten Gruppe zerreißt. Aber leider nur für 17 km. Dann müssen wir anhalten, weil Patrick und Arndt zurückgefallen sind. Nach ca. 10 Minuten kommt Arndt nach. Er erklärt uns, dass er Patrick hat zurück fahren sehen. Wir gehen davon aus, dass er evtl. etwas an der Tanke hat liegen lassen und warten erstmal. Leider hat Patrick auch kein Telefon dabei. Nach einer halben Stunde beschließen wir ihm mal entgegen zu fahren. Keinen Kilometer weiter steht er am Straßenrand und versucht verzweifelt seine Berta wieder in Gang zu bekommen. Bisher erfolglos. So wie es aussieht hat Arndt sich verguckt. Patrick ist gar nicht zurück gefahren. Seine Karre ist einfach ausgegangen.

Wir schieben das Moped ein paar hundert Meter weiter unter ein Vordach einer Firmeneinfahrt. Innerhalb der nächsten fünf Stunden zerlegen wir fast einmal die komplette MZ. Tauschen jedes Teil einzeln und versuchen es erneut. Aber sie will nicht laufen. Manchmal springt Sie kurz an, hält das Gas, und säuft dann ab. Wir tauschen jede Komponente der Zündung, bauen den Auspuff ab, reinigen den Vergaser… Wir können einfach nichts finden, aber dafür so einiges ausschließen. Immerhin. Dennoch gehen unsere Überlegungen sogar soweit die MZ abholen zu lassen. Und als hätte sie das gehört, fängt sie an das Standgas stabil zu halten… Da sie immer wieder ausgeht, beim Versuch anzufahren, schieben wir sie aus Ratlosigkeit einfach über diesen Punkt hinweg. Und auf einmal, als sie warmgelaufen ist, geht alles wie gewohnt. Wir können es nicht fassen und packen schnurstracks unsere Sachen ein, laden die Mopeds auf und hauen da ab. Es ist 13:00 Uhr und wir haben noch nichts geschafft heute. Wenigstens hat der Regen mittlerweile nachgelassen…

Das Wetter klart inzwischen auf und wirkt auch stabil. Aber das Gefühl nicht weit gekommen zu sein bleibt. Leider erschwert das Verkehrsaufkommen auf der Hauptstraße nach Lyon die Situation zusätzlich. Immer wieder müssen wir anhalten, um die Autos durch zu lassen. Trotzdem fahren wir fast 100 km am Stück bis nach Saint-Romain. Hier tanken wir auf und nutzen die Pause direkt um eine Kleinigkeit zu essen, bevor es wieder weiter geht.

Heute haben wir viel aufzuholen und machen nur Pause, wenn es mal wieder Zeit wird. Also jemand muss, oder einfach der Arsch weh tut. Unser Glück ist, dass das Wetter bis nach Lyon trocken bleibt. Aber in Le Chambon-Feugerolles, gut 50 km südlich von Lyon, hängen die Regenwolken in den Ausläufern der Cevennen. Ja richtig, langsam geht es los mit den Steigungen. Noch halten wir zwar das Niveau unserer deutschen Mittelgebirge, aber wir ahnen schon was auf uns zukommen wird. Doch so sehr wir uns auch freuen können, jetzt heißt es erstmal die Regenkombis anziehen. Das ist zwar nervig, aber einmal nasse Klamotten bekommt man sie bei regnerischem Wetter nicht wieder trocken, auch wenn man danach die Kombi anzieht. Wir müssen ja immer davon ausgehen, dass wir unsere Klamotten in Vorzelten trocknen müssen…
Wir fahren weiter, das Wetter bleibt durchwachsen und wir hoffen auf Besserung. Weil wir nicht wieder in die Nacht fahren wollen, entscheiden wir uns ab acht Uhr einen Campingplatz aufzusuchen. Wir orientieren uns nach Schildern und finden dann auch einen. Fünf Kilometer von der N88, am südlich gelegenen Hang vor der Stadt La Séauve-sur-Semène. Ein richtiger Campingplatz wie wir ihn kennen ist das nicht wirklich. Denn wir fahren an den Kuhställen des Bauers vorbei, um zu unseren Schlafplätzen zu gelangen. Als wir anhalten, kommt eine ältere Dame auf uns zu. Sie fängt auf Deutsch, mit französischem Akzent, an unsere Mopeds abzuzählen. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Sieben Leute? Fragt Sie. Ja, antworten wir. Das macht dann….42 Euro. Sie ist sehr freundlich zu uns, zeigt uns wo wir die Zelte aufbauen können und wo wir duschen können. Wir erzählen ihr unsere Geschichte, wo wir her kommen und wo wir noch hin wollen. Außerdem fragen wir sie, ob es die Möglichkeit gibt etwas zu Essen, hier auf den Berg liefern zu lassen. Sie verneint unserer Frage und sagt, dass es dafür ein bisschen spät sei. Anscheinend hat sie Mitleid mit uns, denn später bringt Sie uns noch zwei Tafeln Schokolade, Chips, Käse und Baguette vorbei. Wir freuen uns über das Abendbrot und nehmen es dankend an. Nachdem wir die Zelte aufgebaut haben schauen wir uns noch ein bisschen die Umgebung und die Täler an, die uns umgeben. Zum Glück regnet es gerade nicht. Nach und nach gehen wir, einer nach dem anderen ins Bett. Wir hoffen, dass wir morgen die Kilometer aufholen, die wir heute nicht geschafft haben. Denn 225 km an einem Tag ist wahrlich keine Glanzleistung.

TAG 05 – Weit überm tiefen Tal

Der Plan für heute ist pünktlich aufzustehen um schnell weg zu kommen, um ein bisschen mehr Strecke zu machen als gestern. Mein Wecker klingelt 05:30 Uhr. Ich stelle wie gewohnt die Schlummerfunktion ein und dreh mich nochmal rum. Unterbewusst bemerke ich wie mich jetzt schon das Wetter ankotzt. Dicke Tropfen fallen auf unser Zelt. Ich habe keine Lust gleich aufzustehen, um die Anderen zu wecken. Unsere Zelte stehen leider so weit auseinander, dass ich den ganzen Campingplatz aufwecken würde, wenn ich rufen würde um die andere wach zu bekommen. Ich meine gut, es wären ja nur acht weitere Personen hier…
Zu dem kommt, dass es draußen noch stockfinster ist und es überhaupt keinen Sinn machen würde im Dunkeln die Zelte abzubauen. Also lasse ich den Wecker nochmal bis 06:30 Wecker sein und schlafe über meinen Frust, meine Jeanshose gleich im Regen anziehen zu müssen, mit der Hoffnung im Rücken, dass das Wetter dann vorbeigezogen ist.

Anderthalb Stunden später…
Das Wetter ist immer noch genauso wie um fünf. Aber was soll es. Ich stehe langsam auf. Schließlich wird es ja auch mittlerweile etwas heller. So finde ich wenigstens schon mal den Weg zum Klo. Auf dem Weg dahin klopf ich mal vorsichtig an die Zelte der Anderen, um sie zu wecken. Ich höre nur ein kümmerliches „Jaaa?“ antworten. „Aufstehen!“, sage ich, „Heute ist ein toller Tag und wir müssen weiter!“ … „Hmmmm“. Ist wiederum die Antwort.

Naja ich mache mich erst einmal ein bisschen frisch. Packe so langsam meine Sachen zusammen, so dass das Zelt leer wird. Jan ist mittlerweile auch aufgestanden um sich fertig zu machen. So habe ich Platz im Zelt, um meine Sachen wenigstens ein bisschen regengeschützt einzupacken.

Nach und nach haben alle ihre Sachen an. Das Camp wird wieder leerer und ähnelt mehr und mehr dem Anblick von gestern Abend, bei der Anreise. Währenddessen wechseln sich mehr und weniger Regen immer wieder mit Nebel ab. Manchmal komme ich mir vor wie bei Asterix. Ist es bei euch auch mal nicht neblig? Ähh, ja, wenn es regnet…

Acht Uhr ist dann endlich Abfahrt. Keiner hat so richtig Lust darauf. Es ist neblig, diesig und kalt. Aber was soll‘s wir müssen weiter. Wir fahren durch kleine Orte, und bergige Landschaften, soweit wir das in dem dichten Nebel erkennen können. Patricks MZ zickt schon wieder ziemlich rum. Immer wieder verschluckt sie sich und will fast absaufen. Da das kein Zustand ist und Patrick immer wieder gefährlich mit dem Gas spielen muss, beschließen wir uns ein Fleckchen für die Reparatur zu suchen. Patrick hat die Vermutung, dass der Choke sich verklemmt hat. Wir finden eine Bushaltestelle die überdacht ist und nutzen die Gunst der Stunde. Wir tauchen prophylaktisch die Zündkerze und sehen uns den Vergaser an, schon wieder…
Es ist nichts Auffälliges zu sehen und Arndt und Ronny versuchen Berta und Patrick anzuschieben. Nichts. Wieder in die Haltestelle, wieder nachsehen, was wir schon gefühlte 1000 Mal geprüft haben. Und den Vorgang wiederholen… Und nach fast 30 Minuten vergebenen Versuchens läuft sie als sei nichts gewesen. Aber gut. Wir hatten schon Angst, dass wir hier wieder fünf Stunden verbringen. Aber nein! Wir freuen uns und es kann weiter gehen im eisigen Nebel.

Nach gut 70 km in den Bergen umgeben von Wolken und Regen wird es langsam Zeit zu tanken. Zum Glück finden wir eine kleine Tankstelle in Cayres. Hier merken wir, dass wir uns irgendwo im Nirgendwo befinden. Wenn Menschen an Tankstellen mehrere 20l Kanister voll machen, weißt du, dass hier echt wenig los ist, geschweige denn eine hohe Population. Das ist in der Regel der Hinweis rechtzeitig tanken zu gehen. Auch wenn man vielleicht noch die Hälfte drin hat… Während wir so am Tanken sind und unserem üblichen Ablauf folgen, höre ich ein mächtiges Gepolter. Ich schaue nach links und entdecke Jan, wie er hektisch um mein umgestürztes Moped wuselt. Es hatte beim Aufbocken anscheinend keinen richtigen Halt und ist dann auf die rechte Seite, von Jan weg auf den Boden gefallen. Ich meine was soll‘s. Eine Erinnerung mehr im Tank, die Armaturen wieder einstellen und weiter. Das Meiste geht doch eh aufs Gepäck. Ärgerlich war nur, dass der Tank noch offen war, weil noch Öl getankt werden musste. So wurden meine Handschuhe benzingetränkt. Das doofe bei Benzin ist halt das es kalt ist. Das musste ich bei dem Wetter erst recht nicht haben… Das Gute war, dass an der Tanke keiner weiter über den Regenbogen gemeckert hat, den Jan da so schön auf die Straße gemalt hat. Puhhh Glück gehabt!

Weiter geht es. Nach dem Tankstopp wird der Nebel immer heftiger. Für mich sind das ja Wolken, die anderen Lachen mich für die Bezeichnung wiederum aus. Aber wenn mich später mal einer Fragt, dann bin ich mit meinem Moped einmal durch die Wolken gefahren, darüber hinweg und wieder nach unten durch. Klingt doch toll oder?! Aber ob Wolken oder Nebel, wie sehen jedenfalls immer weniger und dass ist echt Mist. Denn zum einen ist es gefährlich für uns. Denn, wenn wir unseren Vordermann sehen wollen, müssen wir gefährlich dicht auffahren, was auf diesen kleinen, engen Bergstraßen nicht so cool ist. Zum anderen sieht uns der entgegenkommende, sowie der rückwärtige Verkehr nicht wirklich. Und die Kollegen die hier wohnen geben Vollgas. Die kennen ja auch die Strecke. Charly kommt auf die gute Idee die Warnblinker anzuschalten. Diese sind wesentlich heller als dieses 5 Watt Rücklicht. So werden wir vielleicht etwas besser gesehen.

Nach insgesamt 120 km halten wir an einer, unserer Meinung nach, übersichtlichen Stelle um ein kurzes Päuschen zu machen. Das Fahren ist doch echt anstrengend. Und ob es nun regnet, oder nicht das Wasser sammelt sich auch bei Nebel überall. Während der Pause stellen wir fest, dass das hier oben sicherlich echt tolle Landschaften wären, wenn man was sehen würde. Im Grunde sind diese kleinen Bergstraßen auch jene, auf denen das Mopedfahren richtig Spaß macht. Ronny nimmt die Kamera und führt wieder sein Videotagebuch, welches wir später zusammenfassen wollen. Während dessen klart langsam der Boden auf und der Nebel verzieht sich. Es scheint zwar nicht gleich die Sonne aber innerhalb von zehn Minuten können wir wieder mehr als 50 Meter gucken.

Weiter so! So kann es bleiben. Dadurch dass sich Regen und Nebel verzogen haben, kommen wir wieder etwas besser voran. Jetzt ist es auch nicht mehr ganz so kalt und man kann das Fahren und die Landschaft genießen. Aber langsam treibt uns der Hunger in die nächste Pause. Wir finden hier oben in den Bergen leider keine Kneipe, oder einen Imbiss um mal was Richtiges zu essen. So halten wir nach 190 km an und durchsuchen unsere letzten Reserven nach Süßigkeiten um den ersten Hunger zu besänftigen.

Ein paar Kilometer weiter kommen wir in einen kleinen Ort. Hier sehen wir von weiten, eine Bikerkneipe. Hier wird es was zu essen geben. Denken wir. Dachten wir… Nur Buffet zu Preisen die für trockenen Salat einfach nicht tragbar sind. Um nicht unhöflich zu wirken, bestellen wir einen Wein und hauen anschließend wieder ab.

In Millau angekommen halten wir an dem erstbesten Imbiss den wir sehen. Er ist Teil einer Minigolfanlage. Die haben hier super Essen zu super Preisen. Klops in Baguette mit Pommes für umgerechnet nur fünf Euro. Einfach herrlich! Das ist seit fast 230 km und fast 10 Stunden Fahrt unsere erste richtige Nahrung und es wurde auch Zeit! Wir verbringen die Wartezeit damit die Zelte etwas zu trocknen, denn ab und an kommt die Sonne raus, und sich in ein nasses Zelt legen ist nicht gerade der Hammer!


Nach dem Essen füllen wir an einem Supermarkt noch schnell unsere Vorräte auf, bevor es dann weiter geht Richtung Autobahn 75. Denn wir wollen über das „Viaduc de Millau“, die längste Schrägseilbrücke der Welt. Glücklicher Weise lässt uns der Mann im Mauthäuschen ohne tiefgründiger Fragen zu stellen passieren. Denn wie in Deutschland dürfen wir auch auf französischem Boden nicht über die Autobahnen fahren. Die Fahrt von der Mautstelle zur Brücke selbst hat einen unglaublichen Spannungsbogen. Denn die vier Kilometer lassen die Brücke am Horizont immer größer in Erscheinung treten. Bis sie dann im vollem Glanze vor dir steht. Wie der König der Welt fühlst du dich, wenn du mit deinem kleinen Moped bereits 1400 km hinter dich gelegt hast um jetzt über ein so monumentales Bauwerk zu fahren.

Als wir die nächste Abfahrt der Brücke verlassen, fährt Ronny rechts ran. Er hat vor lauter Freude seine Fußraste abgetreten und will diese wieder fixieren. Kabelbinder müssen dafür erst einmal herhalten. Fast 20 km weiter halten wir das letzte Mal an, um zu tanken, bevor wir dann auf einem kleinen Hügel an der D999 in der Region Rebourguil, unter dem Sternenenzelt übernachten.

TAG 06 – Die Feder ist mächtiger als das Schwert

Es ist noch nicht ganz hell als gegen sieben der Wecker klingelt. Langsam wachen alle nach und nach auf. Das Wetter ist vielversprechend. Also zumindest regnet es nicht. Es dauert ein bisschen eh wir alle nach und nach fertig werden, aber dafür werden wir auch mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt. Es sieht toll aus, wie die Sonne vermeintlich an den Berghängen hochklettert, um über sie hinweg zu sehen. Als sie es dann endlich geschafft hat, sind auch wir so weit, um abzufahren.

Es geht, wie ist es auch anders zu erwarten, weiter Richtung süd-west. Wir starten bei dem besten Wetter was man sich wünschen kann. Es ist trocken und wir haben die Sonne im Rücken, noch ist es ein bisschen kühl, aber dafür gibt es ja dicke Sachen. Die ersten 20 km kommen wir prima voran. Wir schlängeln uns an den Bergen und Tälern entlang, während wir die Cevennen langsam wieder verlassen. Ich halte an einer nicht-asphaltierten Parkbucht an, um noch ein Bild des schönen Panoramas zu machen.
Da Patrick nicht ganz zufrieden mit seiner Bremse ist, will er diese gerade etwas nachstellen. Leider sieht er nicht den Scheißhaufen nicht der direkt neben seinem Moped ist und tritt volle Kanne rein. Aber das soll ja Glück bringen. Charly ist von den Fahreigenschaften seines Mopeds auch nicht gerade beeindruckt und beschließt indes, seine Vergasernadel noch mal etwas anzupassen. Irgendwie ist gerade jeder mit sich selbst beschäftigt, als Charly auf einmal auffällt, dass die Feder für seinen Vergaserschieber weg ist. Sofort sind alle in heller Aufruhr. Denn was es bedeutet wenn die Feder weg ist, ist den meisten hier klar. Sollte das Problem nicht zu lösen sein, dann kann Charly sein Gas nicht mehr dosieren, er würde im Grunde immer Vollgas geben. Und das wäre echt uncool. Jeder sucht mit. Aber bloß aufpassen wo man hintritt! Außer Patrick. Er macht erst seine Bremse in Ruhe fertig. Nach dem er das erledigt hat und beim Schieben seines Mopeds, um die Bremse zu testen, noch mal in den selben Scheißhaufen tritt, hilft auch er der Gruppe mit suchen.

Da wir seit fast 20 Minuten eine Feder suchen, fahren Ronny und ich in die nächste Stadt um vielleicht in einer Werkstatt Hilfe, also eine Feder, zu bekommen. Das Ganze führt uns zu einem Stil-Fachverkäufer, der uns nicht weiter helfen kann, aber einen Motorradhändler am Ortsausgang empfiehlt. Nur ein paar Kilometer, sagt er. Da der Ort Lacaune bereits nach 2 km vorbei ist und wir noch keinen Händler gefunden haben, fahren wir weiter fast 20 km in den nächsten Ort. Hier ist zwar kein Motorradhändler, aber immerhin eine Autowerkstadt. Der freundliche Besitzer, kann uns zwar keinen 100 prozentigen Ersatz für die Feder geben, aber etwas, was sich dem annähert, was wir brauchen. Mit der neuen Feder im Gepäck fahren wir die 20 km so schnell wie möglich wieder zurück nach Lacaune. Hier angekommen, versuchen wir die anderen auf dem Handy zu erreichen. Sie gehen nicht ran und wir somit in der Annahme, dass sie auf dem Weg hierher sind. Wir kaufen in der Zeit, in der wir warten müssen, ein paar Croissants für alle. Schließlich haben wir ja auch noch nichts gegessen heute…

Als uns die anderen erreichen, essen wir gerade unser Frühstück auf und beschließen dann vorerst mit der Notlösung zu leben, die Arndt sich überlegt hat. Er hat einen Bowdenzug auf Länge geschnitten, zu einem Oval gebogen und als Federersatz in den Vergaser geschraubt. Da es anscheinend funktioniert und wir notfalls noch, Bowdenzüge und die nicht ganz so passende Feder von dem Werkstattbesitzer haben, fahren wir vorerst weiter. Es ist schließlich schon fast 12:00 Uhr und wir haben gerade mal 30 km geschafft. Zwar versuchen wir es 20 km weiter noch einmal an einer Tankstelle, aber vergebens. Also holen wir uns nur ein Eis und fahren dann wieder weiter.

Endlich, es scheint als hätten wir die bösen Geister vertrieben. Wir haben gute 80 km am Stück hinter uns legen können, ohne Zwischenfälle. Weil es mal wieder Zeit wird den Hintern zu entlasten, halten wir für eine Pause in einem Feldweg an. Da man am Horizont bereits die Pyrenäen sehen kann, möchte Patricks seiner Vorderradbremse auch wieder ein bisschen Leben einhauchen und beschließt den defekten Bowdenzug zu ersetzen. Zum Glück hat er ein Set Original MZ TS250er Bowdenzüge gekauft. Schade ist nur, dass der für die Bremse leider zu kurz ist. Und so muss er den Lenker soweit nach unten drehen, dass wenn er einschlägt mit den Knien an den Lenker kommt. Aber wenigstens geht die Bremse wieder. Und mal ehrlich, wer schlägt denn beim Mopedfahren ein? Da legt man sich doch in die Kurve!

Wieder kommen wir ein ganzes Stück voran. Zwar müssen wir noch einmal zum Tanken anhalten, aber durch unseren mittlerweile routinierten Ablauf sind wir dabei ziemlich zügig. Unsere Fahrt wird erst wieder unterbrochen, als es langsam anfängt bergig zu werden. Arndt hat das Problem, dass er beim Anfahren ein komisches Geräusch hört. Wir vermuten sofort die Kette. Nach erster Betrachtung macht diese aber einen guten Eindruck. Bei näherer Betrachtung des Mopeds fällt uns auf, dass eine Speiche gebrochen ist und am Kettenkasten schleift. Wir können diese Speiche schnell herausdrehen und den Fehler so erstmal beheben. Das Schleifen und die Geräusche beim Anfahren sind weg. Und so geht es immer weiter Berg auf.

Auf dem Weg nach Andorra müssen wir immer wieder anhalten, um die Autos durch zu lassen. Die meisten Autofahrer sind nicht gerade darüber erfreut, dass wir sie Berg auf so langsam aufhalten. Als wir endlich den Pas de la Casa, die französisch-andorranische Grenzstadt erreichen können wir unseren Augen kaum trauen. Das sieht aus wie little Las Vegas. Überall sind Leuchtreklamen und Geschäfte, es wird mit günstigen Preisen geworben. Es wirkt total surreal. Wir verzichten darauf den Tunnel zu nehmen und fahren über den Port d’Envalira. Er ist der höchste Straßen-Gebirgspass der Pyrenäen, mit einer Höhe von 2407 Metern. Bevor wir den Berg überwinden machen wir noch einen Schnappschuss mit dem Stativ, fürs Touralbum, bevor es weiter geht. Als wir die Bergkuppe überwinden sieht es so aus als könnten wir über die ganze Welt sehen. Die fast untergegangene Sonne strahlt gerade noch zwischen den Bergen und den Wolken hervor. Es hat den Eindruck, wenn man mit dem Flugzeug abhebt und die Sonne geht gerade am Horizont unter. Es ist toll, ein atemberaubender Anblick. Nur langsam lassen wir und den Berg Richtung Andorra la Vella runter rollen, um diesen Anblick so lange es geht genießen zu können.

Als nächstes folgen freilaufende Kühe, und Hotelanlagen die vor Prunk nur so strotzen. Man kann schon gut erkennen, dass hier viel Geld investiert worden ist. Wir lassen uns weiter rollen, bis wir an der nächsten Tankstelle ankommen. Denn obwohl wir nicht ganz leer sind, wollen wir die Mopeds gleich für den nächsten Tag frisch machen. Außerdem lohnt sich das ganze preislich. Während sich der ein oder andere mit Alkohol oder Zigaretten eindeckt, suchen ein paar von uns ein Hotel in der Nähe. Leider sind die nächsten alle ausgebucht, sodass wir auf einen Campingplatz zurückgreifen, an dem wir bereits vorbeigefahren sind. Hier können wir alles aufbauen, während Patrick nochmals seine Bremse überprüft. Das gemeinsame Bierchen lassen wir uns auch hier nicht nehmen. Wir freuen uns, dass wir es schon so weit geschafft haben. Aber der Härtetest kommt morgen, wenn wir einmal quer durch die Pyrenäen wollen…

TAG 07 – Hohe Berge tiefe Täler

Pünktlich 06:30 Uhr klingelt der Wecker. Wir sind ein bisschen träge und packen in aller Seelenruhe zusammen. Kurz vor acht kommen wir in Canillo los. Die zwölf Kilometer bis nach Andorra la Vella geht es weiter bergab. Im Grunde müssen wir nur bremsen. Alles kein Thema denn unsere Bremsen sind ganz OK und Patrick hat eine sehr gute Motorbremse, die er unterstützend mit dazu nehmen kann. Nach weiteren sechs Kilometern, haben wir bereits Spanien erreicht. Und schwups, haben wir innerhalb von nicht mal zwölf Stunden ein ganzes Land durchquert. In Spanien genießen wir das Wetter. Es ist toll, wir haben so um die 22°C schätze ich und die Sonne scheint. Dafür, dass es erst halb neun ist, eine angenehme Temperatur. Je weiter wir südlich aus den Pyrenäen raus fahren, umso mehr öffnet sich das Land. Wir folgen der N-260 ein Stück westwärts den Bergen entlang. Auf der linken Seite tuen sich weite Täler auf. Wir nutzen den Zeitvorsprung durch die Bergabfahrt und machen nach den ersten 40 km eine kleine Rast. Wir genießen die Aussicht auf das Dorf El Pla de Sant Tirs und den Fluss El Segre.

Wir bleiben nur eine viertel Stunde, denn wir haben heute noch viel vor! Als wir uns gerade wieder auf den Weg machen wollen, hat Marcel ein kleines Problem seine Gänge reinzubekommen. Er verschaltet sich, als es plötzlich einen lauten Knall gibt. Das Moped säuft zwar nicht ab, aber seit dem macht es eigenartige Geräusche. Damit meine ich diese Art Geräusche, bei denen man sich normaler Weise aus dem Nachbarort abholen lassen würde, bevor man damit noch fährt… Aber naja, was soll’s. Es muss ja weiter gehen… Da ist kein Drumherum kommen. Aber sollten Zylinder oder Motor gravierenden Schaden genommen haben, hätten wir ja noch einen Ersatzmotor mit. Also weiter, auf die nächsten Vierzig!

Zwischendurch müssen wir immer mal wieder anhalten, damit alle zusammen finden. Denn die Berge ziehen die Gruppe ein ganz schönes Stück auseinander. Manche Steigungen sind echt eigenartig. Sie sehen meistens gar nicht mal so steil aus, aber man kommt einfach nicht voran. Ob das wohl manchmal am Wind liegt?!

Ich bin gerade der letzter der Gruppe, als Marcel und die Anderen auf einen Rastplatz kurz vor Sort fahren. Wir haben heute noch nichts gegessen und uns während der Fahrt schon abgesprochen, dass wir in Sort was essen wollen. Als wir anhalten frage ich Marcel, wo Patrick und Jan geblieben sind. Er meint Jan hatte sich rumgedreht. Die beiden werden sicher gleich zurückkommen.
– Manchmal ist das so, wenn man vorne fährt und sich plötzlich wundert, dass keiner mehr da ist. Dann wartet man kurz und wenn keiner kommt, fährt man zurück –
Als wir allerdings Jan anrufen um zu fragen wo die beiden bleiben, sagte er nur, dass sie bereits in einem Café sitzen. Da wir, wie die beiden aber auch schon bestellt haben, müssen wir unser Frühstück wohl getrennt einnehmen.

Während wir unsere Baguettes und unseren Kaffee genießen beobachten wir einen spanischen Trucker, der sich über irgendetwas aufzuregen scheint. Der Kollege muss echt grimmig sein. Als er über das Tankstellen-Rastplatzgelände zu seinem LKW geht bemerkt er unsere Mopeds.

SIMSON?! Ist das Simson? Fragt er uns. Ja natürlich. Aber woher kennst du Simson. Er erzählt uns, dass er bulgarische Lastkraftwagenfahrer wäre und je nach Saison für deutsche Firmen fährt. Daher kennt er die Marke. Und weil er eine in der Familie hatte, als er Jugendlich war. Wir kommen mit Luca unserem nicht mehr so schlecht gelaunten Brummifahrer etwas ins Gespräch, was das Wetter und die Route angeht. Denn aktuell sind wir noch in der Findungsphase was die nächsten Schritte angeht. Wir haben ab Sort, der Ort in dem wir uns ja gerade befinden, eine Alternativroute geplant. Für den Fall dass wir bis hierher hinter dem Plan liegen, würde uns diese Route unterhalb der Pyrenäen entlang führen. Wir würden dadurch viele Steigungen und gut 100 km Strecke sparen. Dadurch, dass wir ja im Plan liegen, müsste man meinen, alles klar, mit Vollgas in die Berge. Aber so einfach ist das nicht. Die vielen Ausfälle, haben einiges an Überstunden gekostet, damit wir im Zeitplan liegen. Und wir haben immer noch das ein oder andere Restrisiko mit Charlys Vergaser, sowie Patricks und Marcels Motor…
Luca sagt, dass es die nächsten 30 km durchaus machbar sind und im Tal entlang führen. Starke Anstiege sollten uns nicht begegnen. Und so entscheiden wir uns durch die Pyrenäen zu fahren und das Risiko einzugehen. Was das Wetter angeht, meint er nur, wir sollen die 25°C und Sonne genießen, denn er muss heute noch nach Zaragoza da wären 40 Grad. Nach dem wir unser Essen verputzt haben, bedanken wir uns bei Luca und machen uns auf die Socken, Jan und Patrick zu suchen.

Die beiden halten sich nur zwei bis drei Kilometer weiter am Rande der Stadt in einem Bistro auf und genießen ihren Kaffee mit Baguette in der morgendlichen Sonne, halb elf in Spanien. Warum auch nicht.

Wir bestellen ohne lange zu zögern die Rechnung und satteln wieder auf. Mit dem Gefühl, dass heute ein guter Tag wird, verlassen wir Sort nach Norden. Und was will man sagen, fast auf den Kilometer genau hatte Luca Recht, denn nach 32 km kommt der erste Anstieg hoch zum Port de la Bonaigua, auf 2072 m Höhe. Um die Gruppe wieder aufrücken zu lassen warte ich ab, bis eine leichte Senke kommt, damit Arndt, der den Ersatzmotor geladen hat, auch wieder richtig in Schwung kommt. Also halte ich an einer Stelle an, die mir gut erscheint. Charly hält unmittelbar hinter mit. Als wir so stehen, bemerke ich, dass ich das Moped abbremsen muss. Aber nicht wie erwartet, um nicht nach vorne, sondern nach hinten zu rollen. Die Straße beherbergt zwei unterschiedliche Anstiege. Daher hat man das Gefühl, dass es an manchen Stellen bergab geht. Aber eigentlich geht es immer bergauf. Oder es ist einfach die dünne Luft und die Müdigkeit, die uns Dinge sehen lässt?!

Nach 20 km legen wir einen Tankstopp in Vielha ein, bevor es dann weiter geht zu unserem nächsten „Alternativ-Checkpoint“, Bossòst. Hier hätten wir die Möglichkeit die Pyrenäen, nach zwei Drittel der heutigen Tagestour von 275 km nördlich nach Frankreich zu verlassen, um den bevorstehenden Bergen zu entgehen. Allerdings entscheiden wir uns bereits auf dem Weg dorthin die geplante Route zu nehmen, da wir so gut vorangekommen sind. Als wir Bossòst erreichen, ist es erst 14:00 Uhr und wir müssen nur noch 100 km fahren, um das Tagesziel Barèges zu erreichen.

Noch vor Bossòst führt uns also der weg hart links, steil Berg auf nach Bagnères-de-Luchon und somit wieder auf französischen Boden. Straßenschilder teilen uns mit, dass es jetzt 8 km bergauf geht. Das macht Mut. Die Anstiege ziehen uns immer wieder auseinander. Hier macht sich jeder Vorteil in Bezug auf Motorleistung und Gesamtmasse bemerkbar. An der falschen Steigung verschalten oder den Gang nicht richtig reinbekommen, kann dich schnell mal in den Ersten verschlagen. Und einmal drin gefangen, kommst du so schnell nicht mehr raus.

Ein weiterer Berg den wir auf dem Weg nach Arreau überqueren müssen folgt auf dem Fuße. Immer wieder machen wir kurze Stopps, ob auch alle noch da sind und keinem was passiert ist. Es wird dann auch nicht komplett angehalten. Wenn der letzte durchgefahren ist, fahren die, die gestoppt haben wieder weiter. Aber wir haben auch diesen Hügel erfolgreich gemeistert. Nach der Abfahrt können sich die Motoren erst einmal wieder erholen, denn wir fahren fast 15 km im Tal. Aber der nächste Berg lässt nicht lange auf sich warten. Das Schlimme sind ja nicht nur die Fahrten bergauf, das geht zwar auf die Motoren, aber sollte sich ein Motor verabschieden, dann bleibt man halt einfach stehen. Sollte bergab aber mal eine Bremse adieu sagen, dann geht es halt schnell mal bergab mit dir. So schnell will da dann doch keiner von uns runter…

Immer wieder überholen wir Radfahrerbanden, kein ungefährliches Unterfangen auf solch engen Straßen. Einer von den Kollegen ist so krass im Training, dass er uns eine Zeit lang begleitet. Also an den leichten Steigungen im Tal überholt er uns, bergab wir ihn. Das geht schon ein bisschen hin und her. Aber im nächsten Dorf angekommen, fegt er im Affenzahn zur Tränke der örtlichen Kapelle um den ganzen Kopf einzutauchen. Verrückter Hund!

Sainte-Marie-de-Campan ist mit rund 850 m der letzte Ort im Tal vor den nächsten 17 km Aufstieg zum Col du Tourmalet auf einer Höhe von 2115 Metern. Wir müssen also fast 1300 Höhenmeter überwinden. Und das merkt man auch. Die Motoren sind warm, die Luft ist dünn und es geht im Schnitt mit 20 km/h voran. Wenn man nicht wie Jan im Ersten gefangen ist. Der letzte Sammelpunkt vorm Berg ist der nicht ganz fertiggestellte Kreisverkehr im Skiort La Mongie. Ein bisschen Schmunzeln müssen wir ja schon, als Jan als Letzter angetuckert kommt. Aber wie das so ist mit den kleinen Sünden, trifft uns direkt dieselbe Strafe. Von La Mongie aus geht es ohne Anlauf direkt weiter. Zu unserem Pech sind die Kurven so eng, dass wir keinen richtigen Schwung bekommen. Das bedeutet, dass wir mit nicht mehr als im ersten Gang die nächsten 5 km anfahren dürfen. Super! Echt toll! Noch besser allerdings und das habe ich in meiner zwölfjährigen Mopedzeit noch nie erlebt, dass wir mit fast verreckenden Mopeds am Col du Tourmalet ankommen und die Passanten, die die letzten Strahlen der Sonne und die tolle Landschaft genießen wollen uns freudestrahlend zujubeln. Und wieder haben es die kleinen symphatischen Mopeds in die Herzen der Menschen geschafft.


Stolz wie Oscar, steigen wir von den Mopeds ab und positionieren diese für ein Foto. Jetzt nehmen wir uns auch die Zeit die Landschaft so richtig zu genießen. Und das tun wir auch…

Nachdem die Motoren abgekühlt sind, machen wir uns auf den Weg die letzten 18 km des Tages zu fahren um nach Barèges zu kommen. Eine letzte steile Abfahrt, bevor dann auch die Bremsen endlich ihre Ruhe haben. Am Campingplatz ist dann Arbeitsteilung angesagt. Patrick und Ronny machen sich auf den Weg in die Stadt, um herauszufinden, wo und ob wir heute noch etwas zu essen bekommen. Charly, Arndt und Jan bauen die Zelte auf und Marcel und ich schauen uns den Zylinder von Marcel an. Dieser zeigt leider akute Verschleißerscheinungen durch Kolbenklemmer auf. Allerdings beschließen wir es drauf ankommen zulassen und schrauben den Bums wieder zusammen. Notfallvarianten hätten wir und schließlich hat er in diesem Zustand fast 250 km hinter sich gebracht.

Als wir mit der Reparatur fertig sind und derweil die anderen die Zelte aufgebaut haben, folgen wir Patrick und Ronny nach Barèges. Wir treffen sie an einer kleinen Bar. Sie sitzen draußen und haben bereits etwas zu essen bestellt, weil der Koch demnächst die Küche schließt. Gut für uns denn keine zwei Minuten nach dem Bier kommt schon das Essen. Wir lassen es uns gut gehen und sind echt stolz darauf die Pyrenäen bezwungen zu haben. Wir sitzen noch eine ganze Weile im Außenbereich des Lokals, bevor wir wieder zu den Zelten gehen…

TAG 08 – An den Pyrenäen vorbei

Als ich die Augen öffne und die Welt um mich herum realisiere, kommt mir ein bekanntes Geräusch in die Ohren. Es sind Regentropfen, die an die Zeltwand klopfen. Und wieder habe ich keine Lust bei diesem Wetter aus den Zelt zu klettern und dreh‘ mich noch einmal um. Es ist ja nicht so, dass es ein bisschen tröpfelt. Nee, es blitzt und donnert und geht so richtig ab.

Glücklicher Weise zieht das Gewitter relativ schnell vorbei, sodass wir bereits eine halbe Stunde später aufstehen können, ohne direkt durchnässt zu sein. Als ich mich beim Packen meiner Sachen mit Arndt unterhalte meint er, dass er schon seit halb sechs auf den Beinen ist. Wir haben es gerade halb acht. Ich frage ihn, ob er nicht mehr schlafen konnte?! Er meinte nicht so gut. Da hatte er sich überlegt eine Runde spazieren zu gehen und sich die Umgebung anzusehen. Als er gerade 200 m unten an der Flussbrücke war zog das Gewitter auf und hatte ihn völlig überrascht. Mit den Beinen in der Hand ist er dann zurück zum Zeltplatz um sich unterzustellen. Aber viel geholfen hat es nicht, sagt er. Er war völlig durch. Er meinte, dass er eigentlich heute mal mit warmem Wasser duschen wollte, aber naja, das kann man sich nicht immer aussuchen.

Der Himmel ist noch wolkenbehangen und ab und zu hören wir das Donnergrollen des Gewitters. Ich habe die Befürchtung, dass es heute wieder den ganzen Tag regnet, weil die Wolken in den Bergen fest hängen. Momentan regnet es zwar nicht, aber es sieht nicht so aus, als würde sich das halten. Dennoch nutzen wir die Gunst der Stunde und packen unsere Klamotten und die nassen Zelte zusammen. Gegen neun Uhr schicken wir Patrick auf die Straße sein Moped warmlaufen zu lassen, damit wir nicht komplett fertig sind, sollte er Probleme haben. Schließlich hatte er diese immer wenn wir Regen hatten. Ist vielleicht ein Schönwettermoped…

Und was passiert? Genau das. Er bekommt die MZ nicht an. Bei dem Versuch bergab anzurollen, verlieren wir ihm immer mehr aus dem Sichtfeld. Daher rollen wir langsam hinter her. An einer Einfahrt, fast einen Kilometer unterhalb des Campingplatzes hält er dann an. Wir fangen an die üblichen Verdächtigen nachzuprüfen. Also Vergaser und Zündkerze. Patrick will auch unbedingt die Sitzbank abnehmen, weil er seinem Kabelsalat nicht vertraut. Aber wie soll Wasser unter die Sitzbank gelangen, wenn das Moped über Nacht stand?! Naja egal, runter damit. Auf den ersten Blick sieht alles echt gut aus. Also zumindest nicht ungewöhnlich. Wir prüfen also jeden Verbinder und Kontakt einzeln um herauszufinden, ob es an der Elektronik liegt. Fast eine Stunde sind wir dabei alles zu testen, bis plötzlich wieder ein Zündfunke kommt. Tatsächlich, ein loser Kontakt. Also los, den wackeligen Kabelschuh ersetzen und dann geht es weiter. Wir haben schon wieder genug Zeit verbastelt und wollen heute noch Pamplona erreichen.

Als nach 30 km Ronnys Denna nach mehr Benzin verlangt als noch da ist, müssen wir kurz anhalten um ihr wieder etwas Kraftstoff zuzuführen, den Charly in kleinen 2 l Flaschen am Moped transportiert. Glücklicher Weise kommt nach ein paar Kilometern auch direkt eine Tankstelle in Argelès-Gazost. Das ist nicht unwichtig, denn wenn ein Moped leer ist, sind es aufgrund gleicher Verbrauchswerte und Tankgrößen die anderen auch bald. Wobei man sagen muss, dass Denna und Ficki in diesem Jahr sehr durstig sind, im Verhältnis zu den anderen.

Zwanzig Kilometer weiter erreichen wir den Ort Lourdes. Hier ist heute Wochenmarkt, somit ist die Stadt völlig überlaufen. Sicherlich werden sich hier auch viele Touristen aufhalten, da sie die Stadt wegen der Mariä-Empfängnis-Basilika besuchen. Dafür haben wir leider keine Zeit. Ja so ist das Leben wenn man langsam reist. Da hat man zwar viel Zeit wären der Fahrt, darüber hinaus allerdings nicht. Ich meine ich will das jetzt nicht verteufeln, aber wenn wir uns hätten die Kirche ansehen wollen, dann wären wir mit dem Auto, oder Motorrad da. Also weiter geht es. Wir verlassen Lourdes gegen 11:30 Uhr und langsam macht sich Hunger breit. Wir halten also im 40 km entfernten Izeste an, um Croissants und Pizza zu essen und Kaffee zu trinken.

Gut das wir uns gestärkt haben, denn nur 30 km weiter will der Roller nicht mehr. Er säuft einfach nur noch ab. Aber da wir Jan seinen Roller ja bereits kennen, gehen wir ganz fest vom Vergaser aus und dass sich wieder mal der Schwimmer in seine Bestandteile zerlegt hat. Wir lassen also Jan sein Problem beheben, dafür braucht er uns nicht. Wir trocknen in der Zeit ein wenig die Zelte, und ein paar Klamotten die in den letzten Tagen auch nass geworden sind. Die Frau, in dessen Einfahrt wir stehen, macht gar keinen so überzeugten Eindruck. Denn als wir anfangen auf ihrem Grundstück die Zelte auszupacken, stellt sie sich repräsentativ auf ihre Veranda und guck sich die Sache ganz genau an. Allerdings kommt sie nicht auf uns zu. Und weil wir ja nicht vorhaben da zu übernachten, sehen wir uns auch nicht gezwungen ihr eine Erklärung abzugeben. Nach fast 40 Minuten läuft Jan sein SR50 wieder und wir können weiter.

Um eine kleine Radlerpause zu machen, halten wir in Larceveau-Arros-Cibits an einer Kneipe auf eine kleines panaché und genießen die Sonne. Man gönnt sich ja sonst nichts. Als wir wieder weiter fahren, kommen wir gerade einen Kilometer voran, bevor der Roller wieder Stunk macht. Marcel und Ronny, beschließen direkt an dem Laden, an dem wir gerade vorbei gefahren sind etwas für heute Abend zum Essen einzukaufen, in der Zeit wo wir den Roller reparieren. Bei einer kurzen Analyse der durch Jan aufgezählten Symptome, ist Arndt schnell klar, dass das Moped keinen Sprit bekommt. Um den größten Anwenderfehler ausschließen zu können, schauen wir in den Tank. Und… wir können ihn einschließen. Anscheinend ist der Tank leer gelaufen, als der Schwimmer defekt war. Klingt eigentlich ganz logisch, aber man muss in der Situation erstmal darauf kommen, dass es so einfach ist. Also füllen wir den Ersatzsprit von Charly drauf. Nach dem die Anderen vom Einkaufen wieder da sind, packen wir die Zelte, die wir nochmal in die Sonne gelegt haben, wieder ein und fahren weiter.

Wir haben Glück bis hier her. Das Wetter hält sich gut. Aber dadurch, dass wir uns westwärts, nördlich an den Pyrenäen entlangbewegen, luken doch ab und an mal ein paar dunkle Wolken hinter den Bergen vor. Wir lassen uns natürlich nicht davon einschüchtern und fahren immer weiter mit dem Ziel Porto zu erreichen.

Ich fahre grade hinten, als auf einmal unsere Vorräte, die die Jungs gerade eingekauft haben, einzeln auf der Straße liegen. Das wirkt fast wie bei Hänsel und Gretel. Nur das unsere Brotkrumen aus Chips und Waffeln bestehen. Da Autos hinter mir fahren, kicke ich die Sachen nur von der Straße, und bremse nicht, um sie aufzuheben. Arndt, der das Ganze auch gesehen hat und ich fahren langsam rechts ran. Und sammeln die Sachen langsam wieder ein. Als wir wieder fahren liegt immer mal wieder Proviant auf der Straße. Zum Glück ist noch keiner drüber gerollt. Ich packe die Sachen in meine Jacke. Die anderen warten auf uns und wollen eigentlich schon weiter, als sie uns nachkommen sehen. Arndt und ich geben Handzeichen, dass sie warten sollen. Ich frage Charly, ob sein Moped sich heute komisch fährt, er sagt, nee wieso? Dann zeige ich ihm, was ich in der Jacke habe… Wir packen die Gegenstände wieder in die Tüte und sichern das Ganze dann richtig ab. Nicht das noch der gute Camembert abmarschiert…

Die letzten 100 km vor Pamplona werden nur durch einen Tankstopp unterbrochen, sodass wir 20:44 Uhr das Stadtzentrum von Pamplona erreichen. Marcel und ich machen uns auf den Weg ein Hotel zu suchen. Wir wollen uns die Stadt ansehen und nicht außerhalb auf einem Campingplatz übernachten. Relativ schnell finden wir auch etwas zu einem moderaten Preis. Vor der Tür gibt es Parkmöglichkeiten und wir haben nur fünf Minuten Fußweg bis zur Stadt.

Wir gehen zurück zu den anderen die das Hotel für geeignet halten. Sicherlich könnte man am Pilgerweg Camino de Santiago, eine sehr günstige Unterbringung finden, aber wir wollen noch ein bisschen was sehen und nicht suchen. Daher checken wir ein. Als wir gerade unsere Zimmer betreten, lege ich meine kompletten Taschen erst einmal ab. Ein bisschen rücksichtslos, denn ich habe meine Kamera auf den Hotelsessel gelegt. Leider meint sie sich selbständig machen zu müssen und begrüßt mit ca. 15 km/h das Hotelparket. Nicht so cool. Denn Bilder machen ist ab jetzt nichts mehr möglich.

Warum lange trauern, das Leben geht weiter und die Bars von Pamplona warten schon auf uns. Was wir noch nicht wissen, heute gibt es in den ganzen Bars und Kneipen Angebote, sogenannte pinchos con cerveza, also Bier und Snacks zum keinen Preis. Das ist echt super. Und wir genießen das Nachtleben wie die Meisten hier und sitzen mit Bier und Snack auf den Straßen Pamplonas.

TAG 09 – Später Start und langes Ende

08:00 Uhr – Check Out. Wir haben unsere Sachen bereits nach unten gebracht. Und wollen in den nächsten zehn Minuten los. Ich stell gerade noch das Navi auf das heutige Tagesziel ein. Alle sind schon ungeduldig. Als ich endlich fertig bin, stehen die anderen bereits in den Startlöchern. Jeder kickt sein Moped an, außer Patrick. Die MZ gibt einfach keinen Ton von sich. Wir verlassen die Startblöcke und setzten uns wieder auf die Spielerbank. Wir packen unser Verbandzeug aus und verarzten das verwundete Herdentier.

Wieder einmal können wir nichts finden. Ab und zu gibt sie ein paar Töne von sich und verstummt anschließend wieder. Wir basteln an der MZ und schieben sie über eine Stunde die Straße hoch und runter. Es ist verhext. Es kommt der Moment, an dem das Moped einfach wieder läuft. Anfangs ein bisschen holperig, daher sagen wir Patrick, er soll um die Häuser kreisen, solange wir uns wieder abfahrbereit machen. Also Helme auf, Jacken an und noch einen Blick zurück auf den Parkplatz vor dem Hotel, ob auch nichts liegen geblieben ist. Unsere Mopeds laufen, Patricks auch und wir verlassen Pamplona mit anderthalb Stunden Verspätung.

Es ist bewölkt aber trocken. Die erwartete spanische Wärme ist in Pamplonas Vorland noch nicht ganz angekommen. Es ist zwar nicht kalt aber schön warm ist anders. Die Landschaft bietet noch einige Erhebungen die wir erklimmen müssen. Das Niveau der Pyrenäen erreichen wir zwar nicht mehr, aber die Mopeds haben an der einen oder anderen Stelle doch schon noch zu kämpfen.

Damit wir die verlorene Zeit in Pamplona aufholen, fahren wir wieder etwas länger ohne Rast. Wir kommen sehr gut voran, aber nach zwei Stunden Fahrt ist es dann doch an der Zeit für eine Pause.
In dem Ort Marañón, westlich von Cabredo, fragen wir einen an der Straße stehenden Mann, ob es hier im Ort eine Bar oder ein Restaurant gibt, wo man vielleicht einen Kaffee kann. Er zeigt mit dem Finger hinter uns, in eine Seitenstraße. Da, sagt er, vielleicht 100 Meter. Wir bedanken uns höflich und fahren rechts der Hauptstraße in die Nebenstraße. Es geht über eine Brücke. Nach der Überfahrt liegt der dazugehörige Fluss unmittelbar linksseitig von uns. Die Stühle und Tische der Bar stehen auf der anderen Straßenseite des Lokals am Rande des Flusses. Wir fahren auf der Straße zwischen Tischen und Lokal her und parken unmittelbar dahinter. Die Gruppe setzt sich an die Tische. Ronny und ich gehen rein und bestellen sechs Kaffee und einen ColaCao. ColaCao ist die Marke die Kakaopulver in Spanien vertreibt und statt Cacao, nennen die Spanier die Marke des Herstellers. So wie wir Tempo als synonym für Taschentücher nutzen. Jedenfalls bezahlen wir 7,20 € für alles und runden auf neun auf. Wir nehmen die Getränke und gehen wieder zu den Anderen. Da die Atmosphäre so Idyllisch ist, beschließen wir, einen können wir noch. Marcel, Patrick, Ronny und Jan nehmen dieses Mal einen Wein, Charly einen ColaCao und Arndti und ich einen Kaffee… Warum auch immer macht das Ganze wieder 7,20 €. Wieder runden wir auf neun auf. Kaum sitzen wir wieder draußen, bringt uns der Chef des Ladens geschnitten Brot, spanische Salami, Käse und Oliven raus. Wir versuchen ihm mittzuteilen, dass wir das gar nicht bestellt haben. Er meint nur, dass das OK ist und auf’s Haus geht. Super. Wir bedanken uns recht herzlich und genießen den Moment mit Wein und Brot. Über eine Stunde machen wir Pause. Wir unterhalten uns mit den Leuten in der Bar. Diese wollen uns dazu überreden hier zu bleiben, weil ein Fest in der Stadt ist. Lust hätten wir ja schon, aber leider die Zeit nicht, denn 200 km wollen wir noch schaffen heute.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machen wir uns wieder auf den Weg. Nur ist dieser nicht sehr lang. Da die MZ schon wieder nicht will, stoppen wir nach 10 km um zu reparieren.

Arndt will die Zeit nutzen, um nach seinem Hinterrad sehen, was sehr unruhig läuft. Ein erster Blick auf das entlastete Hinterrad gibt nichts Gutes preis. Es sind mindestens fünf weitere Speichen defekt. Ohne lange darüber nachzudenken, bauen wir das Ersatzhinterrad ein, was Arndt an der Kiste befestigt hat, wo der Ersatzmotor drin liegt. Als wir mit dem Wechsel fertig sind, ist Patrick mit der MZ immer noch ratlos. Mittlerweile vermuten wir, dass die MZ vielleicht einen Riss im Motor hat und immer Nebenluft zieht, wenn sie zu kalt ist. Denn das Phänomen ist bisher immer dann aufgetreten, wenn die Maschine kalt war. Der Plan ist also nun die MZ soweit anzuschieben, dass sie warm wird, in der Hoffnung, dass Sie dann wieder läuft. Glücklicher Weise geht es bergab und wir sind genügend Leute, die Patrick abwechselnd schieben können. Nach 20 Minuten vollen Einsatzes geht die Theorie auf uns wir können tatsächlich weiter fahren.

Über Miranda de Ebro fahren wir weiter bis in das kleine verschlafene Städtchen Poza de la Sal. Hier geht es von der Hauptstraße ab, nach oben, durch die kleinen verwinkelten Gassen in den Kern der Stadt. Die Anwohner scheinen etwas aufgebracht zu sein, wegen dem Krach den die Mopeds machen. Im Ort werden anscheinend religiöse Vorbereitungen für den Nationalen Feiertag Mariä Himmelfahrt getroffen. Wir erklären ihnen, dass wir in zehn Minuten wieder weg sein werden und versuchen sie dadurch milde zu stimmen. Wir wollen nur schnell einen leckeren Wein für heute Abend kaufen und suchen den nahegelegenen Supermarkt auf. Allerdings ist es gar nicht so einfach den richtigen Wein zu finden, denn die Kassiererin kann kein Englisch und mein Spanisch reicht auch nicht aus. Daher suchen wir ein paar junge Leute, die unser Gespräch einigermaßen übersetzen können. Auf diesen Weg finden wir was wir brauchen und können den Ort wieder verlassen und den Seelenfrieden wieder herstellen.

Unmittelbar nach Poza de la Sal geht es bergauf und das nicht zu wenig. Wir überwinden nicht ganz 500 Höhenmeter und kommen auf die Hochebene Meseta Central die fast 1000 Meter hoch ist. Hier oben ist es weitsichtig, windig und kühl. Die Straßen führen weit geradeaus. Noch ist es hell, aber auch wenn wir sie nicht sehen, wissen wir, dass die Sonne bald kein Licht mehr auf die Hochebene werfen wird. Das ist auch der Grund warum wir auf den letzten 100 km nach Cervera de Pisuerga nur noch zwei kleine Pausen machen. Wir wollen den Campingplatz erreichen, bevor er vielleicht schließt.

Das der Campingplatz schließt, ist unser geringstes Problem. Auch in Cervera de Pisuerga wird Mariä Himmelfahrt gefeiert und die Stadt ist überaus belebt und voll von Menschen. So auch der Campingplatz. Aber wir haben Glück und die Dame am Empfang gibt uns das letzte Stückchen freies Land das ihr zur Verfügung steht. Da es bereits 22:00 Uhr ist und wir in dem Restaurant, am Campingplatz noch was essen wollen, beeilen wir uns mit dem Zeltaufbau. Nach einer halben Stunde steht alles bereit und wir machen uns auf den Weg in die Gaststätte. Da diese voll ist fragen wir die Bedienung ob wir auch draußen sitzen können. Sie meint dass um diese Uhrzeit nicht mehr draußen bedient wird. Nach dem wir ihr und ihrer Chefin unsere Geschichte erzählen und dass wir seit dem Frühstück nichts richtiges mehr gegessen haben, scheint sie Mitleid zu bekommen und willigt ein. Die nächste Herausforderung ist die Speisekarte. Ja gut, siete cervezas por favor, ist klar. Aber was ist mit dem Essen? Ensalada will keiner von uns und die Fleischgerichte sind nicht ganz eindeutig. Zum Glück kann der Nachtwächter, der uns zum Zeltplatz geführt hat, ein bisschen Englisch. Das Ende vom Lied sind zwei gemischte Fleischplatten und Pommes extra.

Wir bleiben für den heutigen Abend am Campingplatzrestaurant sitzen und gehen nicht in die Stadt zur Fiesta. Wir gönnen uns den Wein, den sich Ronny ausgesucht hatte, aus Arndts Emaille Becher und sitzen noch ziemlich lange an den Tischen der Gaststätte, bis schließlich einer nach den anderen in sein Zelt geht.

TAG 10 – Wir sind die Picknicker

Puhhh… Kalt… und der Kopf hämmert…
Anscheinend war der Rotwein doch nicht so gut… Zumindest nicht in den Mengen und wenn man am nächsten Morgen wieder früh aufstehen muss…

…Wie mein Vater schon immer gesagt hat, der Säufer und der Hurenbock frieren im dicksten Winterrock und es ist echt kalt. Wobei ich nicht glaube, dass das am Alkohol liegt, sondern eher an den nur 15°C die wir heute früh haben. Ich will nicht aufstehen, es ist doch so schön warm im Schlafsack…

…Ach, was soll es denn werden. Wir wollen ja weiter. Also hoch! Raus aus den Federn! Die anderen sind zum Teil bereits wach und machen sich frisch. Ich gehe auch erstmal die Waschräume aufsuchen.

Bis wir alle mit allem fertig sind, vergehen fast anderthalb Stunden. Ein bisschen peinlich, weil wir den Pförtner gestern gefragt haben ob er nicht ausnahmsweise den Campingplatz für uns schon halb acht aufschließen kann, weil wir ja am nächsten Tag fast 300 km machen wollen. Und jetzt fahren wir erst viertel zehn los. Naja, kann man nicht ändern.

Die Tatsache tanken zu müssen, kann man auch nicht ändern. Daher suchen wir noch in Cervera de Pisuerga die heimische Tankstelle auf. Wie immer folgt der übliche Ablauf. Einer tankt, einer rechnet, einer mischt das Öl, der Rest schiebt die Mopeds. Als wir gerade wieder die Jacken zumachen, um während dieser kühlen Morgenfahrt nicht zu frieren, kann ich auf einmal meine Handschuhe nicht mehr finden. Nichts zu machen. Nicht bei den Zapfsäulen, nicht auf den Packtaschen, auf dem Moped und auf der Erde… Ich denke, das kann doch nicht sein! Patrick und ich fahren zurück zum Campingplatz. Auch hier liegen die Handschuhe weder an der Stelle wo wir geschlafen haben, noch anderswo. Völlig nervös machen wir uns wieder auf den Weg zu den anderen. Ich habe die Handschuhe im Grunde schon abgeschrieben. Das einzige, was mich gerade nur extrem stört, dass es jetzt saukalt wird, an den Händen. Ich richte noch einmal meine Jacke, mein Nierengurt und Halstuch. Was passiert? Mir fallen die Handschuhe runter. Boar! Ich Idiot! Ich habe mir die Handschuhe anscheinend nur schnell in die Jacke gesteckt, so wie die Chips, die Charly verloren hat und habe da nicht mehr dran gedacht… Und für solche Sachen geht dann die eine oder andere halbe Stunde am Tag drauf.

Auf fast 1000 m Höhe geht es fast nur gerade aus, dafür kommen wir die ersten 90 km sehr gut voran. Die Stimmung auf der Straße ist angenehm, die Sonne lässt sich ab und an mal zwischen den Wolken blicken und gelegentlich sehen wir die Berge des Cordillera Cantabrica (Kantabrisches Gebirge), die die Hochebene Meseta Central nördlich zum Atlantik abgrenzen.

Unsere ersten Kaffee des Tages trinken wir der Bar Anoma, in Villahibiera. Wir essen eine Kleinigkeit und wärmen uns in der Sonne etwas auf, bevor es wieder weiter geht. Dieses Mal bis in das 70 km entfernte La Bañeza. Hier müssen wir wieder mal auftanken. Wir gönnen uns ein kleines Eis, obwohl es heute nicht wirklich warm ist. Die Ebene verlangt uns temperaturtechnisch schon was ab. Mollig warm ist es heute auf jeden Fall nicht. Wir hatten uns von Spanien schon etwas anderes erwartet. Auf jeden Fall essen wir unser Eis auf, rauchen noch eine Zigarette und machen uns dann wieder auf den Weg Richtung Porto.

Immer wieder sehen wir, aktivierte Wassersprenger auf den Feldern, obwohl es teilweise sogar nach Regen aussieht. Aber anscheinend halten die Berge im Norden und Westen die Wolken von der Ebene fern. Das Land sieht mittlerweile generell sehr vertrocknet aus. Ab und zu halten wir auf diesen trockenen Ebenen kurz am Straßenrand an, um den Hintern etwas zu entlasten und vielleicht ein bisschen Notproviant zu essen. Denn eine vollwertige Mahlzeit hatten wir heute noch nicht.
Unser erstes richtiges Essen, das wir heute bekommen sind Burger in einem Imbiss am Lago de Sanabria. Dem nördlich der Stadt Puebla de Sanabria gelegenem See. Wir genießen das Rauschen des Wassers und unser Essen. Bei einem leckeren Bierchen überlegen wir, was wir heute noch machen. Eigentlich wollen wir ja hier schlafen, aber die Stimmung an diesem See lädt nicht wirklich zum Baden ein. Es ist kühl und so richtig idyllisch ist es hier irgendwie auch nicht. Da wir gut vorangekommen sind, wollen wir den frühen Abend ausnutzen und versuchen heute noch so weit wie möglich an Porto heranzufahren. Damit wollen wir erreichen, dass wir in Porto mehr Zeit haben um die Stadt zu genießen. Denn schließlich werden wir den Abend dort unseren Fahrern Marc und Alina verbringen.

Die Beiden sind bereits einen Tag nach uns mit dem Bulli, in den wir die Mopeds für den Rücktransport laden wollen, von Bielefeld nach Porto gefahren. Eigentlich hätten Sie das nicht tun müssen, aber Marc wollte noch ein paar Tage an der Küste surfen.

Wir einigen uns darauf, dass wir noch eine Stunde fahre, sodass wir gegen 19:00 Uhr anfangen einen Schlafplatz zu suchen. Dann hätten wir genug Zeit, die Zelte aufzubauen, um im Hellen noch ein Helles zu trinken und den letzten Tag in der Wildnis zu genießen. …Wie männlich wir sind!

Der Verkehr ist recht ruhig und wir kommen super voran. Seit Puebla de Sanabria schlängeln wir uns die ganze Zeit im Valle (Tal) de Sanabria zwischen der A52 entlang. Immer wieder durchfahren wir kleine Bergdörfer, die sich an den Berg anzuschmiegen scheinen. Es hat den Anschein als hätte sich hier seit der Entstehung dieser Dörfer nichts geändert. Zu der Zeit, als die Menschen noch keine Möglichkeiten hatten die Natur umzuformen. Und so leben sie heute noch in Harmonie und Einklang mit ihrer Umgebung.

Kurz vor A Vilavella in der Region Ourense, überholt mich Ronny und fragt mit etwas saurem Blick, wie lange ich denn noch fahren wolle?! Ich wundere mich und reagiere dem entsprechen. Ich will nicht sagen, dass wir uns streiten, aber wir klären das Missverständnis, das wir haben direkt auf dem Moped. Noch bevor wir an der Tanke in A Vilavella anhalten, fällt auf, dass Ronny dachte ich will noch weiter fahren und gar keinen Platz zum Wildcampen suchen. Allerdings war ich ein bisschen aufs Vorfahren fixiert, weil ich das Navi hatte und da war mir die Zeit etwas entglitten. Ronny hat halt überhaupt keine Lust im Dunkeln aufzubauen und er hätte es cool gefunden, wenn wir im zehn Kilometer hinter uns liegenden Lubián übernachtet hätten. Da war nämlich eine fiesta de la calle, also ein Straßenfest angesagt. Aber gut. Wir werden uns wieder einig und suchen im kommenden Dorf eine Schlafmöglichkeit. Da auf den Hügeln hier nicht wirklich etwas zu finden ist, fahren wir links von der Straße ins Tal. Nach einer kurzen, vergeblichen Suche fragen wir ein paar ältere Leute, die am Straßenrad stehen und sich unterhalten. Ich versuche es mit meinen paar Brocken Spanisch, als mich ein Ehepaar in einem so klaren Englisch anspricht, dass ich davon ausgehe, dass die Lehrer oder so etwas sein müssen. Das vereinfacht die Kommunikation natürlich erheblich.

Schnell machen sie uns klar, dass wir auf der Wiese des Bauern, neben der wir stehen nicht schlafen dürfen. Dafür sagen Sie uns, dass ein paar hundert Meter weiter eine Art Picknickplatz ist, an dem wir ohne Probleme übernachten können. Wir bedanken uns recht herzlich bei ihnen allen und machen uns auch direkt auf die Suche.

Dort angekommen entdecken wir ein Stückchen Wiese mitten im Wald. Es stehen ein paar Picknickbänke darauf. Diese Art, an dem die Sitzbänke links und rechts fest am Tisch integriert sind. Klasse! Bis auf die Kuhfladen ist der Ort ideal. Wir müssen nicht mal im Dreck sitzen. Also bauen wir schnell die Zelte auf und fangen an die letzten Bier und Weinreserven auszutrinken. Denn in den Flieger können wir das alles eh nicht mitnehmen. Von daher, weg damit. Trotz der guten Lage des Picknickplatzes kommt heute leider keiner der Dorfbewohner mehr auf einen Plausch vorbei. Schade eigentlich. So bleiben wir unter uns und obwohl es zunehmend kälter wird, halten wir recht lange draußen aus, bevor wir uns dann wieder in unseren Schlafsack kuscheln. Nach 300 km haben wir uns das allerdings auch verdient.

TAG 11 – O Porto

05:30 Uhr, der Wecker klingelt…zum ersten Mal… Es ist kuschelige 13°C warm und das offene Vorzelt verrät mir, es ist stockduster draußen. Für mich macht es keinen Sinn jetzt aufzustehen, weil wir keinen Spaß daran haben werden, im Dunkeln abzubauen. Daher drehe ich mich noch einmal oder zweimal um. Als der Wecker gegen halb sieben das letzte Mal klingelt, wird es langsam dämmrig. Obwohl es mit nicht leicht fällt, raffe ich mich auf um die anderen zu wecken. Es ist saukalt. Ich klettere immer ein bisschen weiter aus dem Schlafsack und ziehe mir dabei Stück für Stück mehre Klamotten an. T-Shirt, Pullover, Hose, Socken… Die Sachen sind wie die Umgebung arschkalt und ich hoffe, dass sie sich bald, durch meine Körperwärme aufwärmen.

Als ich an die Zelte klopfe, um die anderen zu wecken, liegen Arndt und Charly bereits wach im Zelt und stehen bereits vor derselben Herausforderung wie ich. Das Dreierzelt – Ronny, Marcel und Patrick – schläft derweil noch tief und fest. Aber kein Problem, der Weckdienst ist schon auf dem Weg. Nicht sehr begeistert, guckt mich Ronny mit dem Blick nach oben aus dem Zelt an. Alle drei geben ein Murren von sich, rascheln in ihren Schlafsäcken hin und her, und drehen sich noch einmal um. Ich gebe ihnen noch ein paar Minuten, und fange schon mal an, meine Sachen aus dem Zelt zusammen zu nehmen. Schlafsack, Isomatte, Mopedklamotten und so weiter. Jetzt hat Jan Platz seine Sachen einzuräumen. Ich gehe noch einmal nach den anderen Sehen, die es bereits geschafft haben ihre Augen permanent offen zu halten. Ich sage ihnen, dass es bereits um sieben ist und wir heute noch 260 km fahren müssen. Wenn wir rechtzeitig am Hostel ankommen wollen, dann sollten wir nicht zu viel Zeit vertrödeln. Zumal wir auch mit Marc eine Zeit und Treffpunkt ausgemacht haben.

Letzten Endes kommen alle aus den Federn und auch wenn es ein bisschen lustlos rüber kommt, packen aber dennoch alle mit an, um das Camp abzubauen. Der Antrieb fehlt einfach, denn bei kalten 13° Außentemperatur weißt du, dass es gleich auf dem Moped richtig, richtig kalt wird. Und da hat keiner Lust drauf. Was sein muss, muss sein und so treten wir 07:53 Uhr unsere letzte Etappe an, bevor wir das Ziel unserer Reise erreichen.

Wie zu erwarten begrüßt uns der Morgen mit sehr kalten Temperaturen, die uns gefühlt mit nur 4°C entgegenwehen. Trotzdem bleiben wir hart und ziehen unser Ding durch. Wir schließen nahtlos an des gestrigen Tag an und fahren weiter im Tal von Sanabria der A52 entlang, bis wir nach etwa einer Stunde Verin erreichen. In der letzten größeren spanischen Stadt wollen wir erst einmal frühstücken. So halten wir an einer kleinen Bäckerei. Und cool wie die Spanier sind gibt es hier bereits um neun Uhr morgens ein frisches Blech Pizza. Ganz lässig kaufen wir direkt das ganze Blech. Die Backwarenverkäuferin berechnet uns dafür 14 Stücke Pizza. Klasse, das ist ein guter Energielieferant! Als wir den Löwenanteil der Pizza verdrückt haben, fragen wir die Verkäuferin, ob sie auch Kaffee für uns hätte. Zwar verneint Sie die Frage, gibt uns aber gleichzeitig den Hinweis, dass wir mal nebenan schauen sollten, da ist ein Café, vielleicht haben die schon offen?! Und wie der Zufall es will, hat die nette Dame vom Café gerade Ihre Rollläden hochgezogen und die Türen aufgeschlossen, sodass wir hier noch sechs Kaffee und einen ColaCao bestellen können. Wir trinken unsere Heißgetränke auf den Stühlen, an der Straße vor der Bar. Nachdem wir ausgetrunken haben, machen wir noch ein Foto mit der freundlichen Bedienung und reiten weiter Richtung Portugal.

Die Ländergrenze lässt nicht lange auf sich warten. Nur 15 km später, erreichen wir Portugal nach dem kleinen, spanischen Grenzort Feces de Abaixo. Wir halten an um ein weiteres Grenzfoto fürs Album zu schießen. Eine lange Pause wird es allerdings nicht, denn wir wollen hier in dieser verlassenen Stadt nicht viel Zeit verlieren. Schließlich sind wir ja schon gespannt, was Portugal uns zu bieten hat!

Die nächsten fast 190 km sind eine wahre Freude für jede Motorradfahrer. Wunderbare bergige Landschaften mit einfach zu fahrenden Passagen, leichten Kurven, zum Cruisen, reihen sich an scharfe serpentinenähnliche Kurven, mit steil abschießendem Gefälle. Der Abwechslungsreichtum kommt für uns sehr überraschend. Umso schöner ist es, dass wir den letzten Tag unserer Reise fahrerisch noch einmal voll auskosten können. Und seitdem die Temperaturen sich relativiert haben, haben wir richtig Spaß! Das ist der Grund, warum wir, bis auf einen Tankstopp auf lange Pausen verzichten.

In Porto angekommen, entscheiden wir uns spontan dazu, als ersten zum Atlantik zu fahren, der eigentlich nicht im Plan vorgesehen war. Wir haben uns im Vorfeld bewusst für ein Hostel in der Stadt entschieden, denn wenn man schon mal in Porto ist, guckt man sich die Stadt an. Dadurch, dass wir Porto bereits gegen halb vier erreichen, nehmen wir uns die Zeit für den Atlantischen Ozean. Das Gewässer, was uns noch von unserem Lebenstraum Amerika trennt.

Wir parken in einem Kreisverkehr am Ende der Avenida da Boavista in Porto. Hier gönnen wir uns an einem kleinen Imbiss mit Blick aufs Meer ein leckeres Bierchen, zur Feier des Tages, dass wir unser Ziel erreicht haben!

Da noch ein Bisschen Zeit ist, überlegen wir uns mal kurz ins Wasser zu hüpfen. Doch leider wird die Hoffnung vielleicht baden gehen zu können durch den dichten Verkehr und die ewige Parkplatzsuche zunichte gemacht. Wir beschließen uns also nach kurzer Überlegung weiter, direkt zum Hostel und zu Marc zu fahren. Dieser wartet bereits auf der Dachterrasse in unserem Hostel. Leider ist der Verkehr so dicht, dass wir für die letzten sieben Kilometer fast zwei Stunden brauchen. Dabei wird Patricks MZ so heiß, dass sie immer wieder anfängt extrem hoch zu touren. Die Konsequenz ist, die Mopes im Kreuzungsbereich abstellen und warten. Der pfiffige Kneipier der anliegenden Bar erkennt unsere Problematik und fragt direkt, ob er uns ein Bierchen bringen kann. Aber freilich! Gerne. Wir lassen die Mopeds weiter abkühlen und trinken für die Überbrückung der Zeit ein kühles Blondes. Anschließend steigen wir in einem verkehrsruhigen Moment auf, um die letzten 1,1 km bis zum Ziel zu fahren.

Hier angekommen Treffen wir unseren Fahrer und fangen auch gleich an, die Mopeds in den Bulli einzuladen. Fast zwei Stunden sind wir damit beschäftig. Bis alles richtig sitzt und sicher verstaut ist. Bevor wir unsere Taschen einladen, überlegen wir noch, was wir alles für heute Abend und den nächsten Tag noch brauchen. Denn geplant ist, dass wir und morgen noch ein wenig die Stadt ansehen, bis wir 15:00 Uhr zum Flughafen fahren. Denn dann fliegen wir die 3000 km, die wir gekommen sind in nur zwei Stunden wieder zurück…

…Ist schon irre, wenn man mal so darüber nachdenkt…

Auf jeden Fall wird jetzt erst einmal geduscht, die Betten bezogen und dann geht es ab in die Stadt. Auf Empfehlung unserer Fahrer wollen wir hier in Portugal mal eine Francesinha (kleine Französin) versuchen. Dabei handelt es sich nicht um eine Frau, sondern um ein Gericht. Francesinha ist eine Art Sandwich, bestehend aus Toast, zwei Sorten Fleisch und einem Spiegelei. Das Ganze wird dann mit Käse überbacken und auf einem Tiefen Teller in einer Art Biersoße serviert.
Hört sich eklig an, ist aber total lecker.

Nachdem wir uns sattgegessen und unser Bier ausgetrunken haben. Machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Bulli, denn Marc und Alina unsere Fahrer wollen heute noch die Heimreise antreten. Wir verabschieden uns von den Beiden und bedanken uns, dass alles so gut geklappt hat. Nachdem sie losgefahren sind, machen wir uns auf den Weg zum Bischofspalast von Port. Auf dem Weg dahin kommen wir an einem Spätverkauf vorbei. Hier decken wir uns mit ein paar Bierchen ein, um den Abend standesgemäß ausklingen zu lassen.

Wir sitzen noch ziehmlich lange, bis in die Nacht auf dem Platz des Palastes, trinken unser Bier, lassen die Tour revue passieren und phlosophieren bereits über die Touren, die noch kommen mögen. Dabei genießen wir die Aussicht über das Tal des Rio Douro und lassen die Gedanken schweifen…

“… Danke Jungs! Danke für die tollen Momente wärend der Tour, danke, dass ich mich immer auf euch verlassen kann, wenn es mal ein Problem gibt und danke für die schöne Zeit mit euch! Es ist toll solche Freunde zu haben und das ist bei Weitem keine Selbsverständlichkeit. Auch wenn uns der Alltag von einander entfernt, führen uns unsere Mopeds immer wieder zusammen. Toll wie die das machen! Und auch wenn die Tage an denen wir uns sehen in Zukunft nicht häufiger werden, wird uns doch immer etwas verbinden.

Im nächsten Jahr treten wir unsere zehnte Reise an! Ja wir werden alt und zitieren Philosophen und werden dabei selbst philosophisch. Aber das ist gut so! Denn das Leben ist wie unsere Touren. Es muss weiter gehen:

‚Bedenke: Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir. Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken, aber nicht um aufzugeben.‘ Aurelius Augustinus“